KFZ-BRANCHE - Autohäuser hadern mit geschlossenen Verkaufsräumen / Ein Online-Kauf ist aber durchaus möglich / Werkstätten sind geöffnet

Der Kunde entscheidet emotional

Wie hier im Autohaus Neuhaus in Olpe sieht es aktuell überall aus: Flatterbänder verdeutlichen den Kunden, dass die Showrooms in den Autohäusern zurzeit nicht betreten werden dürfen. Fotos: Michael Wetter/privat (2)

21.01.2021

Viele Autohäuser haben in den vergangenen Monaten die Digitalisierung vorangetrieben. 

Geöffnete Werkstätten, geschlossene Showrooms: Die Kfz-Branche dürfte den Lockdown sowie die Verlängerung der Verlängerung sicherlich mit gemischten Gefühlen aufgenommen haben. Wenngleich man auch in den heimischen Autohäusern mit mehr als sorgenvoller Miene in die Zukunft blickt. Ja, Kundenfahrzeuge dürfen weiterhin auf den Hebebühnen instand gesetzt werden. Immerhin das. Andererseits aber dürfen Händler ihre Verkaufsräume weiter nicht öffnen. Kein Probesitzen der Kunden, keine persönliche Beratung vor Ort, kein Verkauf. Und gerade das schmerzt die ohnehin schon gebeutelte Branche. „Die Stimmung in der Kfz-Branche ist aktuell durch die Verlängerung des Lockdowns nicht gut, da die Hoffnung nach ,normalen’ Verhältnissen noch einige Zeit nicht in Erfüllung gehen wird“, antwortet Oliver Klimke, Pressesprecher der Kfz-Innung Westfalen-Süd, im SZ-Gespräch. Zunächst einmal habe man im Dezember noch relativ gelassen auf den neuerlichen Lockdown reagiert. „Die ursprünglich angesetzte Zeit bis zum 10. Januar konnte ein Großteil der Betriebe entspannt aushalten.“ Schließlich sei die Zeit unmittelbar vor und nach dem Jahreswechsel nicht gerade bekannt für eine hohe Zahl an Pkw-Verkäufen. „Nach dem 10. Januar aber zieht das Geschäft normalerweise wieder an.“ Nicht aber in diesem Jahr. Die Schließung der Ausstellungsräume bis mindestens in den Februar hinein sei eine große Herausforderung für die Autohäuser. „Auch wenn der Service weiter geöffnet und auch ein Autokauf online oder telefonisch weiter möglich ist, so darf man nicht vergessen, dass ein Autokauf oftmals eine emotionale Entscheidung ist“, gibt Oliver Klimke, selbst Geschäftsführer eines Autohauses in Olpe, zu bedenken. Nach wie vor seien die persönliche Beratung, die Bedarfsanalyse, das Probefahren und das Ausprobieren des Fahrzeuges ein wesentlicher Bestandteil für eine Kaufentscheidung. All das sei aber zurzeit nicht möglich. Und genau hier liege das Problem der Branche. Ob es Konzepte und Ideen gibt, um Kunden dennoch helfen und ihnen ein Angebot unterbreiten zu können?
     

„Durch den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben viele Autohäuser schon die Digitalisierung und auch den OnlineVerkauf vor allem von Gebrauchtwagen ausgeweitet. Im Gebrauchtwagenverkauf sind Online-Käufe auch schon lange Zeit vorher üblich gewesen. Die dabei verkauften Stückzahlen erreichen aber nicht ansatzweise das Niveau, das außerhalb des Lockdowns verkauft wurde“, berichtet Oliver Klimke. Wer wolle, könne aber auch jetzt einen Gebraucht- oder Neuwagen erwerben, problemlos. Verkäuferinnen und Verkäufer seien nach wie vor telefonisch und online zu erreichen.

„Aber“, ergänzt der Kfz-Fachmann ehrlich, „sie erreichen nicht im Ansatz die Stückzahlen, die der Verkauf einschließlich Beratung am Fahrzeug inklusive Probefahrt etc. bringt.“ Und wie sieht die Lage in den Werkstätten aus? „Die Auslastung im Service ist in der Regel zum Anfang eines Jahres immer etwas geringer, so dass man Stand heute noch keine valide Aussage machen kann, wie massiv sich der Lockdown auf den Servicebereich auswirken wird“, weiß der Pressesprecher.

Von einem weiteren Einbruch sei auf jeden Fall auch hier auszugehen, da zum einen weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs seien (Stichwort Homeoffice) und zum anderen der eine oder andere Kunde aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation Reparaturen lieber aufschiebe. „Die Autohäuser bieten in der Regel einen Hol- und Bringdienst an oder eine komplett kontaktlose Abgabemöglichkeit von Fahrzeug und Schlüssel. Per Telefon oder Mail wird dann alles weitere besprochen“, so Oliver Klimke.


"Die Autohäuser bieten in der Regel einen Hol- und Bringdienst an oder eine komplett kontaktlose Abgabemöglichkeit von Fahrzeug und Schlüssel."

Oliver Klimke
Pressesprecher Kfz-Innung Westfalen-Süd


Darüber hinaus würden digitale, kontaktlose Servicestationen eingesetzt, um die Abgabe des Fahrzeugs für den Kunden sicher zu gestalten. Insbesondere der Hol- und Bringdienst sowie die Fahrzeugabgabe außerhalb der Öffnungszeiten seien aber auch schon weit vor der Corona-Pandemie Standard bei vielen Autohäusern gewesen.

Oliver Klimke hofft, dass die Branche auch diesen Nackenschlag wegstecken wird, wenngleich zuverlässige Prognosen zurzeit einfach nicht möglich seien: „Das ist ein Blick in die Glaskugel.“ Immerhin: Im vergangenen Jahr hätten viele Autohäuser den Einbruch im Verkauf während des Lockdowns im Frühjahr zwar nicht ganz, aber doch teilweise in den Monaten danach wieder ausgleichen können.

„In der zweiten Jahreshälfte 2020 hat sich die Situation im Gebrauchtwagenbereich wieder beruhigt. Im Neuwagenverkauf haben die Händler profitiert, die Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge im Neuwagenangebot hatten.“ Durch die staatliche Förderung beziehungsweise den Umweltbonus – der übrigens auch in diesem Jahr gilt – habe es in der zweiten Jahreshälfte eine sehr hohe Nachfrage nach diesen Modellen gegeben. Auf eine ähnliche Nachfrage hofft die Branche auch diesmal – egal wie lange der Lockdown noch dauert. wette
     

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