SMARTHOME: Dr. Timo Jakobi von der Forschungsgruppe Verbraucherinformatik der Uni Siegen im Interview

Die Vernetzung „schlauer Inseln“

Der Oberbegriff Smarthome fasst die Digitalisierung eines Zuhauses zusammen. Foto: pixabay

30.04.2021

„Es gibt nicht das Smarthome. Es ist vielmehr ein Oberbegriff, der die Digitalisierung des Hauses beschreibt.“

Das Smarthome gibt es eigentlich gar nicht, stellt Dr. Timo Jakobi gleich zu Beginn klar: „Es ist vielmehr ein Oberbegriff, der die Digitalisierung des Hauses beschreibt. So gibt es viele unterschiedliche intelligente Haushaltsgeräte wie vernetzte Fernseher, Küchenmaschinen, Sicherheitskameras oder Sprachassistenten. Und auch viele Komponenten wie schaltbare Steckdosen oder per App steuerbare Heizthermostate sind immer häufiger. In der Idealvorstellung entsteht ein ,smartes’ Zuhause in der Vernetzung dieser schlauen ,Inseln’, praktisch ist es aber oft nicht so einfach, das auch tatsächlich zu erreichen.“ Als Mitglied der Forschungsgruppe Verbraucherinformatik der Uni Siegen untersucht Timo Jakobi die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik. Im Interview berichtet der Experte über die Chancen und Herausforderungen der häuslichen Digitalisierung.

Warum ist die Smarthome-Technik bei vielen Menschen so beliebt?

- Dr. Timo Jakobi: Von der Smarthome-Technik erhoffen sich Menschen meist Energieeinsparungen, Komfortzuwachs oder die Befriedigung des Bedürfnisses nach Sicherheit. Aber auch Technik-Enthusiasten finden sich hier oft wieder, um ihr Hobby auszuüben.


Aktuell bereinigt sich der Markt ein wenig. Vor einigen Jahren ist jeder auf den Smarthome-Zug aufgesprungen. Jetzt zeigt sich, dass die technische Machbarkeit nicht gleich ein gutes Produkt für den Kunden ergibt.

Dr. Timo Jakobi
Mitglied der Forschungsgruppe Verbraucherinformatik der Universität Siegen


Welche Voraussetzungen braucht es, um ein Zuhause „smart“ einzurichten?

- Beim Smarthome lassen sich zwei Ansätze unterscheiden. Zum einen die Strategie, schon beim Hausbau auf die Smarthome-Fähigkeit zu achten. Des Weiteren gibt es viele Angebote zum Nachrüsten, wie Zwischenstecker für Steckdosen, Leuchten, Thermostate und Schalter zur Steuerung. Auch Kameras oder Sensoren wie Tür-/Fenster-Kontakte, Feuchtigkeitsmesser oder Bewegungsmelder gibt es in unauffälligen Aufputz-Versionen. Hier sind die Anforderungen für das Zuhause eher gering und die Smarthome-Technik kann hier auch meist beim Umzug mitgenommen werden. Für Wohnungseigentümer können Komplettlösungen, bei der Komponenten fest verbaut werden, auch attraktiv sein.

Welche Fähigkeiten sollten Nutzer mitbringen?

- Das hängt stark von den Zielen ab, die die Nutzer erreichen möchten. Des Weiteren muss man bei der Frage zum einen zwischen der anfänglichen Installation und Inbetriebsetzung und dem alltäglichem Gebrauch unterscheiden, zum anderen zwischen offenen und geschlossenen Systemen. Allgemein kann man sagen, dass die Inbetriebnahme technisch komplexer ist, insbesondere, wenn sie mit baulichen Maßnahmen verbunden ist. Festverbaute Komplettlösungen werden deshalb meist vom Elektrohandwerk installiert und zusammen mit dem Nutzer eingerichtet.

Es gibt aber auch einfache Nachrüst-Systeme, deren Einrichtung ähnlich einfach bzw. komplex sind, wie z. B. die Einrichtung eines DSL-Routers und für normale Smartphone-Nutzer absolut handhabbar sind. Diese sind dann aber meist in sich geschlossen, d. h. das es Einschränkungen gibt, beispielsweise in der Kompatibilität zu anderen Geräten.

Was ist Nutzern bei der Verwendung von Smarthome-Produkten wichtig?

- Wir haben in unserem Projekt ,Smart Live’ der Uni Siegen über gut 1,5 Jahre in Haushalten untersucht, wie diese mit einem nachgerüsteten Smarthome leben. Gerade die Installation war ein kritischer Punkt. Hier müssen die Verbraucher oft noch in Vorleistung gehen: Geräte müssen untereinander bekannt gemacht werden und vor allem muss man sich Regeln überlegen. Vielen Haushalten war es auch wichtig, nachvollziehen zu können, was ihr einmal eingerichtetes Smarthome so tut, wenn man nicht hinguckt oder nicht da ist: Haben alle Regeln funktioniert? War hier zu Hause irgendwas nicht normal? Hier ist noch viel Luft, um Systeme mit der Möglichkeit auszustatten, aus Daten zu lernen, was ,normal’ ist und das den Verbrauchern zu kommunizieren. Generell bleibt gerade diese Kommunikation noch eine Herausforderung. Das bezieht sich auch auf die Kommunikation darüber, welche Daten gesammelt und an Dritte weitergegeben werden.

Wo stehen wir im Moment im Bereich Smarthome/Smart Live?

- Aktuell bereinigt sich der Markt ein wenig. Vor einigen Jahren ist jeder auf den Smarthome-Zug aufgesprungen. Jetzt zeigt sich, dass die technische Machbarkeit nicht gleich ein gutes Produkt für den Kunden ergibt. Außerdem öffnen sich Anbieter zunehmend. Gerade Sprachassistenten stellen auch eine wichtige Zentrale zur Steuerung dar, an der sich Hersteller von Smarthome-Komponenten zunehmend orientieren. Es geht also langsam in die richtige Richtung, so dass die zuvor aufgezogenen Mauern langsam abgebaut werden.

Gibt es aktuell noch technische Grenzen?

- Viele Anbieter haben eigene Protokolle entwickelt und damit andere Anbieter ausgesperrt. Die Erweiterung des Smarthomes über Anbietergrenzen hinweg ist immer noch eine Aufgabe.

Welche „smarten“ Hilfsmittel erleichtern Ihnen den Alltag?

- Persönlich nutze ich einen Sprachassistenten. Neuerdings kann ich allerdings auch eine Lampe dimmen und steuern – das ist nett. Lange habe ich schon schaltbare Zwischenstecker zur Messung meines Stromverbrauches. Wenn ich im Urlaub bin, simuliere ich damit manchmal meine Anwesenheit, indem ich variable Zeitregeln aufstelle.

Ein Ausblick: Wie wird sich der Bereich Smarthome in den kommenden zehn Jahren weiterentwickeln?

- Es muss weiter dahin gehen, dass Systeme interoperabel, zusammenpassend, werden. Nur dann kann ein wirkliches Smarthome zustande kommen. Eine offene Frage ist, wie künstliche Intelligenz eingesetzt werden kann, um Verbrauchern zu helfen. Katja Wehmeyer (kano)


Sich gegen lästige Cyberangriffe wappnen

Seitdem in Deutschland die Digitalisierung Fahrt aufgenommen hat, steigt die Anzahl der Menschen, die von zu Hause aus arbeiten. Zeitgleich erhöht sich die Zahl von Hackerangriffen auf Computernetzwerke. Das kann auch im Homeoffice zum Problem werden. Viele Arbeitnehmer rufen nun mit ihrem Rechner zu Hause sensible Daten ihres Unternehmens ab, der E-Mail-Verkehr fließt über den Computer im heimischen Büro. Laut einer Forsa-Umfrage erfolgen 70 Prozent aller Cyberattacken per E-Mail.

„Am Beispiel bösartiger Phishingmails kann man das verdeutlichen“, erklärt Expertin Sabine Träumer. „Der erste technische Schutz sind Mailfilter und eine umfassende Firewall. Daneben komme es vor allem auf die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter des Unternehmens an. Bei manipulierten Texten beispielsweise handelt es sich um extrem genaue, oftmals bis auf winzige Details identisch wirkende Firmen-Korrespondenzen. Sie ermöglichen durch das Ausführen bestimmter Dateien den Angreifern, ins Unternehmensnetzwerk einzudringen.“ In der Folge kann es u.a. zu Datenschutzverletzungen kommen oder zu unvorhergesehenen Überlastungen des Systems durch Denial of Service-Angriffe (DdoS-Attacken), die alles lahmlegen. In diesen Fällen kann eine Cyber-Versicherung zumindest vor finanziellen Schäden bewahren. Für Unternehmen sichern Produkte der neuesten Generation zusätzlich das Risiko eines Ertragsausfalls ab. Zudem sollten Firmen und auch deren Mitarbeiter im Homeoffice stets aktuell informiert bleiben. „Allgemein lohnt sich immer ein Blick auf die Informationen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)“, rät Sabine Träumer. djd
   

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