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FERNDORF: In der Kabine deutsch, mit dem Torwart englisch und untereinander kroatisch

Jetzt spricht man „hrvatski“

  • Branimir Koloper, Marin Durica und Marijan Basic (im Bild von links) – dieses kroatische Trio will mit dem TuS Ferndorf in der 2. Handball-Bundesliga weiterhin starke Akzente setzen. Foto: hebu

geo. Zum Gespräch eineinhalb Stunden vor dem Mannschaftstraining holte Marijan Basic seinen Landsmann Marin Durica mit dem Auto in Ferndorf ab, denn einen „fahrbaren Untersatz“ hat der neue Keeper des TuS Ferndorf noch nicht. Eine eigene Wohnung auch nicht, derzeit wohnt er „mit Familienanschluss“ beim Teambetreuer Michael Becker. Doch auch wenn der heimische Handball-Zweitligist jetzt erstmals mit drei kroatischen Spielern im Kader an den Start geht, heißt das nicht, dass nun Grüppchenbildung angesagt ist.


TuS Ferndorf erstmals mit drei Kroaten im Kader.


„Wir sind ein gutes Team, da helfen sich alle. Marin war jetzt auch mal mit Julian und den beiden Michel-Brüdern auf Tour. Die helfen sich mit englisch“, erzählt Marijan Basic. Der Spielmacher lebt jetzt fünf Jahre in Deutschland, ist mit einer Deutschen verheiratet und hat zwei Kinder. Das hilft natürlich beim Erlernen der deutschen Sprache.


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Abwehrchef Branimir Koloper kam sogar schon drei Jahre früher in die deutsche Bundesliga, hatte in der Schule in Kroatien deutsch gelernt und spielte damals zunächst beim ThSV Eisenach. Nur für Marin Durica ist alles neu hier. Doch der 27-jährige Keeper, der zuletzt bei RK Maribor in der 1. slowenischen Liga spielte, hat ein Techniker-Studium abgeschlossen und kann sehr gut englisch sprechen. Jetzt freut er sich, dass es bald los geht. Und dass er mit seiner drei Jahre jüngeren Freundin Lucia, einer Medizinerin, bald eine Wohnung in Ferndorf beziehen kann. Und ab 1. September einen Deutsch-Integrationskurs bei der Volkshochschule belegen wird – beide werden das machen.

Marijan Basic sagt: „Im Handball ist Kommunikation wichtig, deshalb war es für mich ohne Deutsch-Kenntnisse anfangs sehr schwer. Aber Handball-Torwart – das ist ja ein eigenes Spiel im Handbalspiel. Marin wird das schaffen.“

Einer gegen alle: Mit großer Energie startete Junioren-Nationalspieler Mattis Michel auch in der Saisonvorbereitung, wie hier im DHB-Pokalspiel gegen Nußloch, durch. Foto: rupp
Einer gegen alle: Mit großer Energie startete Junioren-Nationalspieler Mattis Michel auch in der Saisonvorbereitung, wie hier im DHB-Pokalspiel gegen Nußloch, durch. Foto: rupp

Dennoch hat in der Abwehr Branimir Koloper das Sagen. Und natürlich gibt er seinem Keeper auf die Schnelle Hinweise zum Angriffsspiel des Gegners und zum eigenen Verhalten auf „hrvatski“. Da wird nicht lange gefackelt. Aber auch Koloper hält sich natürlich an die Teamregeln: In der Kabine wird nur deutsch gesprochen, spezielle Erklärungen gibt es für Durica auch mal auf englisch.

Ein bisschen muss Basic da aber schon schmunzeln: „Mit Branko verständige ich auf dem Spielfeld manchmal in unserer Muttersprache – der Gegner muss ja nicht alles wissen....“

Im letzten Hinrunden-Spiel der morgen beginnenden Zweitliga-Saison dürfte dieser – nennen wir ihn mal „Trick“ – indes nicht funktionieren. Trainer-Legende Sead Hasanefendic hat seinen Kader beim Aufsteiger ThSV Eisenach mit zehn Spielern aus den verschiedenen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens aufgebläht.

Basic: „Das ist für eine Mannschaft, die in Deutschland spielt, zu viel.“ In jüngeren Jahren spielte der vor wenigen Tagen 33 Jahre alt gewordene Kroate für den Verein RK Zamet-Rijeka. Bei den Spielen damals in der kroatischen Hafenstadt musste in Spielpausen auch „gewischt“ werden. Der „Wischer“ damals war Marin Durica! Deshalb wusste der TuS-Mittelmann auch sofort Bescheid, als ihn der Sportliche Leiter Mirza Sijaric vor der eiligen Nach-Verpflichtung fragte: „Marijan, kennst du einen Marin Durica ...?“

Und ob er den kannte. Einer, der Durica als Handball-Torwart formte, war übrigens der ehemalige Bundesliga-Torhüter Valter Matosevic, der 1996 mit Kroatien Olympiasieger wurde und später mit Branimir Koloper in Eisenach in die Bundesliga aufstieg (allerdings spielte Matosevic damals nur die letzten vier Meisterschaftsspiele bei den Thüringern).

Doch große Namen von einst spielen im Hier und Heute keine Rolle. „In den Testspielen habe ich gemerkt, dass hier in der 2. Liga alles schneller geht, und die Spieler viel härter werfen. Aber ich denke, dass ich gerade jetzt den nächsten Schritt in meiner Karriere machen werde.“ Bei seinen ersten Auftritten fiel uns schon mal auf, dass Durica weniger von der Emotionalität kommt. „Nein, ich bin kein Showman, ich mache meinen Job“, gab er uns dazu als Antwort mit auf den Weg.
   

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