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FERNDORF: Sieben Mannschaften wollen den Aufstieg unbedingt, nur zwei können / TuS Ferndorf und die „kleine Meisterschaft“

Das wird ein Hauen und Stechen geben!

  • Unser Bild zeigt Mannschaft und Funktionsteam des TuS Ferndorf für die Zweitliga-Spielzeit 2019/2020. In der hinteren Reihe stehen (von links): Mirza Sijaric (Leitung Sport/Marketing), David Höhfeld (Athletiktrainer), Julius Lindskog Andersson, Andreas Bornemann, Thomas Rink, Patrick Weber, Branimir Koloper, Jan Wicklein, Mattis Michel und Dr. Henning Fiedler (Teamarzt). In der mittleren Reihe stehen (von links): Michael Lerscht (Trainer), Michael Becker (Team-Verantwortlicher), Tim Rüdiger, Marijan Basic, Julian Schneider, Jonas Faulenbach, Lucas Schneider, Jonas Müller, Linus Michel, Alex Orlov (Co-Trainer) und Hilmar Gudmundsson (Torwarttrainer). Vorne sitzen (von links): Katharina Plaum (Physio), Florenz Stahl (Physio), Moritz Barwitzki, Lucas Puhl, Marin Durica, Tim Hottgenroth, Magnus Neitsch, Lene Wagener (Physio) und Katharina Reitz (Physio). Foto: Verein

geo. In der vorigen Saison der 2. Handball-Bundesliga richtete die halbe Liga den Fokus auf den Kampf um den Klassenerhalt. Phasenweise waren bis zu zwölf Mannschaften involviert, um einen der letzten fünf Plätze zu verhindern. Das ist Geschichte. Die 2. Liga tritt am Samstag nur noch mit 18 Mannschaften an, nur zwei davon steigen direkt ab. Aber auch nur zwei steigen in die Bundesliga auf.

Und das ist der neue „Hotspot“ der vermutlich besten 2. Liga der Welt und – so meinen viele Experten – der besten deutschen 2. Liga aller Zeiten. Namentlich verbürgt, hinter vorgehaltener Hand proklamiert, aufgrund des Etats verpflichtet: Gleich sieben Vereine treten an, durch den Flaschenhals des Aufstiegs ins Oberhaus zu gelangen: da sind die beiden Absteiger SG BBM Bietigheim mit Weltmeister Michael Kraus und der VfL Gummersbach, der nach 53 Jahren 1. Liga den Abstieg als „Betriebsunfall“ entlarven will. Da sind mit dem HSC 2000 Coburg und dem ASV Hamm-Westfalen die beiden ehemaligen Erstligisten, die es nun endlich schaffen wollen. Und auch der TuS N-Lübbecke, der VfL Lübeck-Schwartau und Senkrechtstarter TuSEM Essen (irre Testspiel-Ergebnisse) kennen sich aus in der 1. Bundesliga und setzen an zum Überholmanöver Oberhaus.


Für TuS-Trainer Lerscht ist Bietigheim der Favorit.


Und was kommt dahinter? Nun, hinter sieben aufstiegswilligen Teams kommt bekanntlich Platz 8, und den belegte in der abgelaufenen Saison Aufsteiger TuS Ferndorf, natürlich der beste aller vier Aufsteiger, von denen es lediglich Altmeister TV Großwallstadt nicht schaffte und wieder zurück in die 3. Liga musste.

Doch kann das Team von Trainer Michael Lerscht im „verflixten zweiten Jahr“ überhaupt an die Erfolge der euphorischen Aufstiegssaison anknüpfen? Die Abstiege der NRW-Rivalen Rhein Vikings und Eintracht Hagen sind ein warnendes Signal, auch Michael Lerscht und sein Team kennen das Gefühl des Absturzes im zweiten Spieljahr (Saison 2016/2017).


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Symptomatisch folgende Momentaufnahme aus unserem Gespräch mit dem Coach am Montag: Frage: „Erst der HSV, dann bei den „Überfliegern“ aus Essen, danach kommt Aue, gegen das Ferndorf eine katastrophale Bilanz vorzuweisen hat – klingt nach schwerem Auftakprogramm?“ Dazu Trainer Lerscht: „... und dann guckt man weiter im Spielplan: Emsdetten, Rimpar, N-Lübbecke. Und irgendwann kommt man beim 17. Spieltag an und hat immer noch kein leichtes Programm gefunden. Es gibt in dieser Liga einfach keine leichten Spiele.“

Und selbst von den drei Aufsteigern ThSV Eisenach, HSG Krefeld und HSG Konstanz haben aufgrund ihrer Ambitionen zumindest die Thüringer und das Team vom Bodensee andere Ansprüche als „nur“ den Klassenerhalt. So führt Ferndorf als Vorjahresachter eine relativ überschaubare Gruppe von Teams wie Emsdetten, Rimpar, Aue, Dresden, Hamburg, Hüttenberg und Dormagen im Kampf um die „kleine Meisterschaft“ an, nämlich einen einstelligen Tabellenplatz.

In vier Monaten schon ist die Hinrunde der Saison 2019/2020 Geschichte. Nach den „Weihnachtsspielen“ und einer sechswöchigen EM-Pause werden ab Februar endgültig die Weichen auf Erfolg oder Un gemach gestellt. Die Saison endet früher als zuvor mit noch 20 Mannschaften nach nunmehr 34 Spieltagen am 23. Mai 2020.

Trainer Michael Lerscht sieht in Bietigheim den klaren Liga-Favoriten und erwartet dahinter ein enges Rennen. Geschäftsführer Dirk Stenger nahm indes kürzlich beim Sponsorenabend seinem Coach die Antwort auf die Frage nach dem eigenen Saisonziel ab: „Wir wollen in der neuen Spielzeit 2019/2020 in die obere Tabellenhälfte kommen, peilen also einen einstelligen Tabellenplatz an und wollen uns somit in der 2. Liga etablieren.“

TuS-Teamcheck

Im Handball gibt es eigentlich keine „Stammformation“ (Fußball: Stammelf). Dennoch aber kristallieren sich nach sechs Wochen Vorbereitung auch beim TuS Ferndorf einige Aufstellungsdetails heraus. Wir wollen also einmal – selbstverständlich ohne ausreichende Fachkenntnis... – „Trainer“ spielen und bei der Mannschaft von Chefcoach Michael Lerscht den Teamcheck machen.

- Tor: Nach der langwierigen Verletzung Lucas Puhls (Kahnbeinbruch) muss sich eine neue Hierarchie ergeben. Tim Hottgenroth hat die Verpflichtung des Kroaten Marin Durica erstaunlich gut getan. Er hatte einige, wenn auch nicht durchgehend, bärenstarke Auftritte. Auch kommt seine Emotionalität gut an. Marin Durica („Ich möchte meinen Job machen“) fremdelt noch ein wenig mit der Welt unterm Kindelsberg. Vor allem gegen die Außen hat auch er schon Spektakuläres gezeigt. Jeder Tag Integration wird ihn besser machen. Und die Freundin kommt ja auch bald nach. Im Moment steht es wohl 51:49 für den Mann aus Zagreb.

- Innenblock: Das Duo Koloper/ Rink gehört in der 2. Liga zum Besten, was die Vereine aufzubieten haben. Aber Thomas Rink (Zehenbruch) fehlte praktisch die komplette Vorbereitung, steht eventuell am Samstag immerhin im Kader. Derzeit muss es Mattis Michel richten. Aber „MM“ hat einen harten Job, musste im Sommer für die U 21 ran, als alle anderen Pause machten. Auch seine Kräfte sind endlich. Neben „Branko“ wird „Ringo“ mehr und mehr Anteile bekommen, aber jetzt erst mal noch nicht.

- Linksaußen: Durch den Muskelfaserriss ist Moritz Barwitzki erst einmal raus aus der Nummer, steht aber schon wieder „ante portas“. Dennoch derzeit eine klare Empfehlung: Magnus Neitsch.

- Rechtsaußen: Schon spannender. Jan Wicklein drehte nach unfallfreier Vorbereitung richtig auf. Da wollte man Neuzugang Tim Rüdiger schon als „Leichtgewicht“ ins 2. Glied stellen. Doch dann zeigte der Junge aus Wetzlar gegen Schalksmühle, dass er zumindest die Zukunft ist, wenn nicht schon die Gegenwart. Fürs Hamburg-Spiel 51:49 für Rüdiger.

- Rückraum-Halbpositionen: Mit den Verpflichtungen von Andreas Bornemann und Patrick Weber hat Lerscht endlich mehr Alternativen. Denn da sind ja auch noch Lucas Schneider (anfällig), Jonas Müller und Jonas Faulenbach (während der Vorbereitung nicht ganz fit). Das DHB-Pokal-Wochenende hat ganz klar die Hierarchie Faulenbach-Andersson-Bornemann aufgezeigt. Weber wird für Entlastung sorgen.

- Mittelmann: Julius Lindskog Andersson ist die Nr. 1, Marijan Basic und Julian Schneider werden aufgrund ihrer Vielseitigkeit aber stets gebraucht.

- Kreis: Derzeit „MM“ klar vorn, aber auch Branimir Koloper hat in der Vorbereitung gezeigt, dass er’s noch drauf hat. Soll sich aber auf die Defensive konzentrieren. Also auch hier: warten auf Thomas Rink.

An der Ostsee: Wasserski und Beach-Volleyball

geo Ferndorf. Gleich zu Beginn der diesjährigen Saisonvorbereitung wartete Trainer Michael Lerscht mit einer Neuerung auf: Zur Einstimmung und zur schnellen Integration der neuen Spieler bat er den Kader zu einem Teambuilding-Wochenende an die Ostsee. Im nördlich von Lübeck/Travemünde gelegenen Seebad Scharbeutz hatten die Spieler denn auch ihren Heidenspaß beim Wasserski und bei Beach-Volleyball-Einlagen.

„Wir hatten uns in einer Jugendherberge einquartiert, alles war gut organisiert. Einen Abend haben wir zusammen gegrillt und auch bei Spaziergängen am schönen langen Strand gute Gespräche führen können“, meinte der Trainer.

Es folgten harte Trainingswochen, um die konditionellen Grundlagen für die Zweitliga-Saison zu schaffen. Außerdem arbeitete das Team nach und nach die spieltaktischen Blöcke in Abwehr und Angriff ab, um die Automatismen auch bei den Neuzugängen zu erzeugen.

In dieser Woche wird gezielt auf das erste Saisonspiel gegen den HSV Hamburg hingearbeitet: „Wir müssen noch an unserer Durchschlagskraft arbeiten. Auch bekommt die Gegner-Vorbereitung jetzt mehr Gewicht“, so Lerscht am Montag.
    

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