FERNDORF: 20 Jahre trommeln für den TuS / Die „Füchse“ sind der treueste Fanclub der 2. Liga

„Es soll so bleiben, wie es ist!“

Alles wie in einer Familie! Die Spieler des TuS Ferndorf und die Mitglieder des 20 Jahre alten Fanclubs „Ferndorfer Füchse“ vor einem Jahr nach dem Spiel in der Gummersbacher Schwalbe-Arena. Foto: hebu

2.10.2020

14 Trommler auswärts – der Liga-Rekord!

Am 7. September 2000 war es erstmals soweit: Fünf mutige Trommler starteten mit dem TuS Ferndorf in die neue Saison der damaligen Regionalliga. Die Idee eines Fanclubs war geboren. Zwei Jahrzehnte und viele Höhen, aber auch manche Tiefen später gibt es die „Füchse“ immer noch. Von der „Ur-Mannschaft“ ist zwar nur Peter Bleil geblieben, aber die Fan-Truppe um den immer noch jung wirkenden Vorsitzenden ist auf stramme 24 Mitglieder angewachsen.


"Wir spürten, dass ein Ruck durch die Mannschaft ging."

Michael Utsch
2. Vorsitzender der „Füchse“


Sie trommelten sich und die Spieler des TuS Ferndorf in den vergangenen 20 Jahren durch die Sporthallen der Republik, legten in einem Jahr rund 12 000 km zurück. Einmal, in der 2. Liga, steuerte der Fan-Tross binnen nur 14 Tagen die Spielorte Rostock, Lübeck und Saarlouis an – immer unentwegt und manchmal auch deftige Niederlagen schluckend. Das schwierigste ist der Transport der sperrigen Trommeln – 14 davon waren am 7. November 2019 im Heimspiel gegen den VfL Gummersbach im Einsatz, schwer beweisbar, aber offensichtlich Liga-Rekord im Handball-Unterhaus bei einem Auswärtsspiel. Ein paar Tage zuvor flogen die Taktstöcke im Heimspiel gegen Hüttenberg auf zwölf Trommeln.

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Zusammen mit dem Fanclub „Brigade“ versuchen die „Füchse“ eine Atmosphäre zu schaffen, die aus den Spielern die berühmten „paar Prozente“ mehr herauskitzelt.

Michel Utsch, 2. Vorsitzender: „Am Anfang haben wir sogar die Spieler und die Trainer gefragt, ob sie der Lärm denn nicht in der Konzentration störe. Aber alle waren begeistert und wollten auf unsere Anfeuerung auf keinen Fall verzichten.“

Aber geht das überhaupt? Kann man durch Trommeln und skandieren ein Spiel gewinnen? Michael Utsch: „Wir hatten mal ein Drittliga-Spiel in einer ziemlich tristen Lemgoer Schulturnhalle. Keine Zuschauer, nix los. Wir hätten die Partie damals sicher verloren, aber wir spürten, dass durch unseren Support noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft ging. Das Spiel haben wir gewonnen, und wir waren mächtig stolz auf uns.“

Doch es gab auch schwere Zeiten. Tage und Wochen, in denen der Fanclub „Ferndorfer Füchse“ vor der Auflösung stand. Das war in der zweiten Ferndorfer Zweitliga-Saison unter Trainer Michael Lerscht (2016/2017), als die Mannschaft gar keine Mannschaft war, viele Spieler auch signalisierten, kein wirkliches Interesse am Verein und an dessen Fans zu haben. „Da haben wir sogar mal abgestimmt, ob wir weiter machen wollen“, so Utsch, der sich erinnert, dass „wir nach einer Niederlage auf dem Parkplatz im Saarland ein klärendes Gespräch mit Michael Lerscht führten, der aber schon ein offenes Ohr für unseren Frust hatte.“

Damals stieg man ab, wieder auf und ist mittlerweile eine anerkannte Größe im deutschen Profi-Handball. Doch einen Handball-Verein auf derart treue Weise zu unterstützen – warum? In unserem Gespräch mit den alten und jungen „Füchsen“ schimmerte es immer wieder durch: Die Fans und die „normalen“ Zuschauer, die ihre Mannschaft von Nord nach Süd, Ost nach West begleiten – sie sind eine große Familie. Die „Familie Ferndorf“ eben.

„So etwas findet man nirgendwo sonst in der 1. oder 2. Liga“, meint Peter Bleil, der so rührige „Leitfuchs“ in der Trommler-Herde. „Auch der Kontakt zur Mannschaft ist ja fast wie in einer Familie“, ergänzt der Vorsitzende, dem aufgefallen ist, dass vor allem die von auswärts, teilweise aus dem Ausland, kommenden Spieler ganz besonders diese sehr eigene Familienzugehörigkeit genießen.

Nun aber wird erstmal alles anders. Wegen der Corona-Pandemie sind bis auf weiteres alle Auswärtsfahrten gestrichen, will man sich zusammen tun und die Spiele wenigstens irgendwo gemeinsam im Live-Stream verfolgen. Auch ihren angestammten Platz im TuS-Wohnzimmer Stählerwiese mussten die „Füchse“ wegen des zu geringen Abstands zur Seitenlinie räumen. Vorerst dürfen sie auf der Quast-Tribüne trommeln. Nach Fertigstellung der neuen Tribüne werden die Trommler dort ein neues Zuhause finden.

„Noch irgendwelche Wünsche?“ Das fragten wir zum Abschluss unseres Gesprächs. Robert Fink sagte das, was alle anderen dachten: „Es soll so bleiben, wie es ist!“ Nicht die schwierige Corona-Lage meinte er. Sondern die Zusammengehörigkeit in der „Familie Ferndorf“. geo
   

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