Kein Platz für Brummis?

Nach wie vor fehlen Tausende von Lkw-Parkplätzen entlang der Autobahnen. Raststätten sind oft so stark belegt, dass Lastwagen bis in die Einfahrt hineinstehen. Foto: obs/VEDA

7.10.2020
Jura Solutions Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Nach wie vor herrscht auf deutschen Autobahnen Parkplatznot für Lkw. Zu Stoßzeiten finden die Fahrer kaum Platz für ihre Brummis, auch nicht auf den Autohöfen neben den Routen. Das sorgt für erhebliche Gefahren im Straßenverkehr, ruft Kriminelle auf den Plan – und macht den Beruf des Lkw-Fahrers nicht gerade attraktiver.

Es ist ein Bild, das auf Deutschlands Autobahnen Normalität geworden ist. Tag für Tag drängen sich zu viele Lkw auf den Raststätten und Parkplätzen. Die Fahrer suchen Abstellfläche, um die gesetzlich vorgeschriebenen Lenkzeitunterbrechungen und Ruhepausen einzuhalten. Weil der Platz nicht für alle Brummis ausreicht, weichen Fahrer vor allem abends immer wieder auf Standstreifen aus oder parken an den Aus- und Auffahrten. Laut einer in diesem Jahr veröffentlichten Untersuchung der Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt) stehen hierzulande jede Nacht aufs Neue rund 94 000 Lkw-Fahrer vor der Herausforderung, entlang der Autobahn einen Stellplatz zu finden. Erfolgreich sind dabei aber nur etwa 70 000 Brummifahrer, etwa 23 500 gehen bei der Suche regelmäßig leer aus und sind gezwungen, ihr Fahrzeug verbotswidrig abzustellen. Damit hinkt die Lkw-Stellplatzkapazität – allem Anstrengungen in den vergangenen Jahren zum Trotz – dem Bedarf immer noch weit hinterher. Vor allem unter der Woche sei die Auslastung auf den Parkplätzen, Raststätten und Autohöfen sehr hoch, berichtet die Vereinigung deutscher Autohöfe (VEDA). Auch wenn im Zuge der Corona-Krise der Transportverkehr phasenweise zurückgegangen ist, befindet sich das Verhältnis der Lkw-Parkplätze zum tatsächlichen Bedarf in einer gefährlichen Schieflage. Der Mangel hat Folgen – zum Beispiel für die Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer. Gefährlich werde es vor allem, wenn Einfahrten zugestellt seien und davor geparkt werde, warnt die Unfallforschung der Versicherer (UDV). Zudem macht der Parkplatzmangel es den Ladungsdieben leichter. „Wenn Lkw auf ungesicherte Stellflächen ausweichen, werden sie für kriminelle Banden zu einer leichten Beute“, mahnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Schon jetzt werden laut GDV jährlich etwa 26 000 Ladungen von Lastwagen gestohlen, der Schaden geht in die Milliarden-Höhe. Sicherheitsexperten der Versicherer raten daher, umzäunte und gut beleuchtete Plätze mit Videoüberwachung anzusteuern. Doch Plätze, die alle Sicherheitskriterien erfüllen, gibt es in Deutschland nur wenige.

red\line group

Wie das Park-Problem in den Griff bekommen? Mit dem Neubau von Plätzen wird es nicht getan sein – es fehlt an Flächen und bedarf zudem dafür einer mehrjährigen Bauzeit. Schnelle Hilfe könnte hingegen der Ausbau vorhandener Parkplätze und die optimierte Nutzung bestehender Flächen bieten. Beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sind die Probleme bekannt. Dort hat man aktuell einen Fünf-Punkte-Plan erarbeitet, um dem Problem zu Leibe zu rücken. So stehen in diesem Jahr 100 Mill. Euro für den Bau von Rastanlagen an Bundesautobahnen zur Verfügung.

Neben neuen Lkw-Parkmöglichkeiten sieht das Konzept auch den verstärkten Einsatz telematischer Parkverfahren vor. Erste Anlagen mit diesem Verfahren gibt es bereits in einigen Bundesländern, weitere sind in Planung. Dort können durch telematisches Kolonnen- und Kompaktparken Lastwagen auf den vorhandenen Flächen verdichtet parken. Damit kann im Idealfall bereits vorhandener Parkraum um bis zu 50 Prozent gesteigert werden – bei gleichem Flächenverbrauch. Durch den Einsatz eines bundeseinheitlichen Parkleitsystems soll zudem der Lkw-Parksuchverkehr reduziert werden. Dank Leitsystem können Brummifahrer dann frühzeitig erfahren, wo Plätze frei sind, um vor Ort mittels Telematikanlagen verdichtet zu parken, indem sie ihre Lkw entsprechen der Abfahrtszeit hintereinander abstellen.

Ferner ist eine optimierte Nutzung des vorhandenen Brummi-Parkraums unter anderem durch die Freigabe von Pkw-Stellflächen für Lkw in den Nachtstunden anvisiert. Und schließlich sieht das das Konzept die Prüfung neuer Parkraummodelle in Autobahnnähe vor. Das bedeutet konkret, dass nicht nur auf den staatlichen Autobahn-Rastanlagen neue Lkw-Parkplätze gebaut werden sollen. Erstmals will der Bund auch private Investoren fördern, wenn sie neben den Autobahnen Stellplätze schaffen, beispielsweise in Gewerbegebieten. ots/GDV/BMVI
   

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.