Die Branche in Coronazeiten

Harte Zeiten

Foto: Marcin Jozwiak / Unsplash

7.10.2020
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Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Krise fordert alle Wirtschaftsbereiche. Besonders hart getroffen hat es nicht zuletzt die Transport- und Logistikbranche. Das Überangebot an Laderaum und die geringe Nachfrage haben vor allem kleine Unternehmen unter hohen Druck gesetzt. Insgesamt erwarten Experten aber eine langsame Erholung.

Günstig produzieren, überall konsumieren – längst ist es normal, Waren und Rohstoffe aller Art kreuz und quer über die ganze Welt hinweg zu transportiert. Rückgrat dieses Systems ist und bleibt die Transport- und Logistikbranche. Doch dann kam Corona, der Virus, der die Wirtschaft vor nie gekannte Probleme stellte. Und das gilt in besonderer Weise für die Logistik, einem der größten Wirtschaftsbereiche Deutschlands. Aufgrund ihrer branchenübergreifenden Schnittstellenfunktionen sowie ihrer systemrelevanten Bedeutung sind Logistikdienstleister sehr stark von den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie betroffen. Dabei bewiesen sie im Lockdown wie auch danach täglich hohe Flexibilität, um die reibungslose Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung sicherzustellen.

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Neben dem Schutz und der Sicherheit der eigenen Mitarbeiter mussten wirksame Antworten auf eine zum Teil extrem schwankende Auftragslage gefunden werden, die gerade für viele kleine und mittelständische Unternehmen eine Existenzbedrohung darstellte. Viele produzierende Betriebe aus der Automobil- und Zuliefererindustrie hatten ihre Produktion heruntergefahren oder komplett ausgesetzt. Aufgrund der zentralen Bedeutung des Automobilsektors für die Logistik ergaben sich erhebliche Umsatzeinbußen, die sich laut dem Olinestatistikportal Statista im März unter anderem in einem Einbruch des Gesamtumsatzes im Sektor Verkehr und Lagerei von knapp 60 Prozent niederschlugen.

Lieferketten in Gang halten und gleichzeitig Schutz und Sicherheit der Mitarbeiter im Blick behalten – mit Beginn der Pandemie wurde die Transport- und Logistikbranche vor große Herausforderungen gestellt. Foto: BLV
Lieferketten in Gang halten und gleichzeitig Schutz und Sicherheit der Mitarbeiter im Blick behalten – mit Beginn der Pandemie wurde die Transport- und Logistikbranche vor große Herausforderungen gestellt. Foto: BLV

Gleichzeitig haben die Logistiker in der schwierigsten Krisenzeit alles daran gesetzt, Lieferketten und Warenströme aufrechtzuerhalten, um Krankenhäusern, Apotheken und Bürger mit lebenswichtigen Gütern zu versorgen. Fazit: In der Bewältigung der ambivalenten Auftragslage zeigte der Wirtschaftsbereich Logistik gerade in den Wochen des Lockdown seine ganze Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Zugleich versetzte Covid-19 die Transport- und Logistikbranche aber auch in einen Krisenmodus. Flugzeuge blieben am Boden, Containerschiffe im Hafen, im Grenzverkehr kämpften Lkw mit kilometerlangen Staus, viele Güter mussten zwischengelagert werden. Um 8,6 Prozent, so prognostiziert die Analyse einer großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft, werde die Bruttowertschöpfung 2020 im europäischen Frachtverkehr und in der Logistik einbrechen.

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Dabei sind die Subsektoren der Branche unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen. Den Passagierdienst – und insbesondere die Luftfracht – belastet die Krise am stärksten. Aber auch der Frachtverkehr und die Logistik bekommen die Auswirkungen in Folge von Grenzschließungen, zurückgehender Nachfrage und Produktionsstopps deutlich zu spüren – abhängig davon, für welche Branche und welche Art von Waren sie transportieren.

So ergab noch im Juli eine Befragung des Bundesamts für Güterverkehr (BAG), dass die Unternehmen im Bereich des Straßengüterverkehrs zwar Verbesserungstendenzen registrierten, die Beförderungsmengen aber teilweise deutlich unter Vorjahresniveau lagen. Laut BAG bestehe nach wie vor ein branchenübergreifender Laderaumüberhang mangelnden Offerten insbesondere im Rückladebereich gegenüber. Entsprechend waren die Geschäftserwartungen vieler befragter Unternehmen weiterhin getrübt.

„Die Zeit der grenzenlosen Freiheit und des unbekümmerten Wachstums ist vorbei“, sagt dazu der Expertenkreis der Logistikweisen in einer im Sommer veröffentlichen Analyse. Eine schnelle Erholung der Logistik erwarten die Fachleute nicht. Es gebe jedoch Hoffnungsschimmer, dass es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehe. Nach einer ersten Einschätzung des Expertenkreises zur Entwicklung des Wirtschaftsbereichs Logistik auf Basis der aktuellen Entwicklung muss 2020 mit einem realen Minus von etwa 5 Prozent gerechnet werden, in 2021 dann mit plus drei Prozent real. ots/pressebox/aro

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