Eine große Herausforderung

Vor allem im Lager setzen viele Unternehmen mit Logistikprozessen bereits auf Digital-Technologien. So haben beispielsweise 38 Prozent fahrerlose Transportsysteme im Einsatz. Foto: Walter/pixelio

7.10.2020

Die Logistik muss die Digitalisierung beschleunigen. Diesen Schluss zieht der Digitalverband Bitkom aus einer aktuellen Befragung unter Unternehmen mit Logistikprozessen. Sie ergab, dass zwar die große Mehrheit die Chancen der Digitalisierung sieht, aber nur eine Minderheit bereits auf Künstliche Intelligenz, Blockchain oder 3D-Druck setzt.

Ob Routenplanung mit Künstlicher Intelligenz (KI), Warentransport mit autonomen Lkw und Drohnen oder Blockchain für die transparente Lieferkette: Digitale Technologien verändern derzeit die Logistik. Die Digitalisierung gilt den Unternehmen dabei als eine der größten Herausforderungen. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen, die Waren transportieren, sehen dabei zahlreiche Vorteile digitaler Anwendungen in der Logistik, und viele nutzen diese bereits in der Praxis. Aber nur eine Minderheit setzt heute schon auf neueste Technologien wie 3D-Druck, Blockchain oder KI. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter mehr als 500 Unternehmen mit Logistikprozessen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Demnach sagen vier von fünf der befragten Unternehmen (79 Prozent), dass sie die Digitalisierung der Logistik vor Herausforderungen stellt – vor zwei Jahren waren es 74 Prozent. Nur Mautgebühren (80 Prozent) sowie Treibstoff- und Energiepreise (91 Prozent) werden häufiger als Herausforderungen genannt. Die Digitalisierung liegt damit vor hohen Personalkosten (72 Prozent) und fehlenden Fachkräften (70 Prozent) und wird auch deutlich häufi ger genannt als Standortnachteile gegenüber ausländischen Wettbewerbern (45 Prozent).

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„Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für die Logistik“, betonen die Experten des Bitkom. Ein effizienter Transport von Rohstoffen, Bauteilen und Waren sei gleichermaßen betriebswirtschaftlich sinnvoll wie volkswirtschaftlich und ökologisch notwendig. Die Digitalisierung helfe, den CO2-Ausstoß in der Logistik zu senken. Eine große Mehrheit der Unternehmen sieht praktische Vorteile digitaler Technologien beim Warentransport: Beschleunigung des Transports (92 Prozent), langfristig sinkende Logistikpreise und weniger anfällige Transportketten (79 Prozent). Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) sind zudem überzeugt, dass digitale Technologien einen umweltschonenden Transport ermöglichen – das ist eine deutliche Zunahme gegenüber 2017 mit damals 58 Prozent. Dagegen sagen nur 14 Prozent, digitale Technologien lohnten sich allein für größere Unternehmen; und kein Unternehmen gibt an, digitale Technologien seien überflüssig

Schon heute setzen viele Unternehmen mit Logistikprozessen vor allem im Lager auf Digital-Technologien So nutzen 80 Prozent von ihnen Warehouse Management Systeme oder planen aktuell den Einsatz, 72 Prozent setzen auf Sensortechnologien wie RIFD-Chips ein oder haben das vor, etwa um schnell eine Inventur durchführen zu können.

Jedes zweite Unternehmen hat elektronische Frachtbegleitdokumente oder Tablet-PCs und Smartphones statt Zettel und Klemmbrett im Lager eingeführt oder plant dies. 38 Prozent haben bereits fahrerlose Staplersysteme, 35 Prozent Geräte mit Augmented Reality und 30 Prozent Lagerroboter im Einsatz oder in Planung. Die große Mehrheit der Logistik ist sicher: Die Digitalisierung wird den Warentransport in den kommenden Jahren grundlegend verändern. So erwarten 71 Prozent, dass bis 2030 Künstliche Intelligenz viele Aufgaben übernehmen wird, etwa die Planung von Routen. Und 50 Prozent sind überzeugt, dass Waren mit autonomen Lieferwagen zwischen Unternehmen transportiert werden. Doch trotz der weit verbreiteten Erkenntnis, welche Rolle gerade neuere digitale Technologien haben, sind die Unternehmen in der Praxis aktuell noch eher zurückhaltend. So setzen nach Bitkom-Angaben gerade einmal 20 Prozent Datenanalysen ein, nur 21 Prozent planen dies aktuell. Lediglich 10 Prozent nutzen 3D-Drucker, 8 Prozent sind diesbezüglich derzeit in der Planungsphase. Eine kleine Minderheit nutzt Künstliche Intelligenz, Blockchain ist sogar nur bei 4 Prozent im Einsatz, und auf Drohnen setzen aktuell 2 Prozent der befragten Unternehmen.

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Für den Digitalverband schwer verständlich: „Künstliche Intelligenz und Blockchain haben das Potenzial, die Logistik nicht nur effizienter zu machen, sondern komplett zu verändern“, heißt es in einer Pressemitteilung. Abgeschreckt werden die Unternehmen offenbar durch hohe Kosten: 62 Prozent geben an, Kosten für den Datenschutz seien der größte Nachteil digitaler Technologien, 53 Prozent beklagen allgemein hohe Investitionskosten. 26 Prozent sehen einen Nachteil in einem steigenden Bedarf an höher qualifizierten Fachkräften.

Dabei sind sich viele Unternehmen, nämlich 80 Prozent, bewusst, dass die Anzahl der Arbeitsplätze für Fachkräfte mit einer entsprechenden Ausbildung steigen wird. Die Bitkom-Experten mahnen: Wer über Arbeit 4.0 in der Logistik spreche, müsse vor allem auch über Qualifizierung sprechen. Hier sei neben der Ausbesonders die Weiterbildung gefordert. Doch auch wenn die breite Mehrheit (74 Prozent) der Unternehmen, die Waren transportieren, sicher ist, dass die Digitalkompetenz für Beschäftigte in der Logistik stark an Bedeutung gewinnt, vermitteln gerade einmal 23 Prozent allen oder zumindest einem Großteil der Mitarbeiter gezielt eben diese Kenntnisse. Bei 14 Prozent ist das sogar überhaupt kein Thema. Bitkom
   

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