Ein Grundkonzept ist wichtig – doch entstehen soll die Wohlfühloase erst nach und nach und im Lauf der Jahre.

Zum Haus gehört ein Garten

Vor dem Genießen steht die Arbeit: Wer es sich später im Garten gemütlich machen möchte, muss dafür erst einmal die Voraussetzungen schaffen. Foto: freepik

2.07.2021

Zum Haus gehört ein Garten. Der gemütliche Sitzplatz, eine Blumenecke, Lampen, vielleicht noch ein kleiner Schwimmteich, eine hübsche Bruchsteinmauer oder ein Bauerngarten mit Gemüse- und Kräuterbeeten – fertig ist die individuelle Traumoase. Oder etwa nicht? Naja, in der Praxis ist es schon etwas schwieriger, einen Garten zu planen beziehungsweise anzulegen, sagt Ludwig Scheidtmann aus Marl. Eine grobe Vorstellung vom großen Ganzen sollten die künftigen Hausbesitzer allerdings schon haben, so könnten später unnötige Arbeiten vermieden werden. „Insgesamt sollte man sich früh überlegen, welche Wertigkeit der Garten mal erreichen soll“, sagt das Präsidiumsmitglied im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen. „Das Leben draußen ist nämlich wichtig und ich möchte es ja genießen.“

Ergo rät der Fachmann dazu, schon während der Finanzierungsgespräche mit dem Kreditinstitut, also am Anfang aller Überlegungen, nicht nur den Hausbau als solchen im Blick zu haben und als Sonderausgaben vielleicht nicht nur die Inneneinrichtung, sondern unbedingt auch das Budget für den Garten. Denn auch für das Grün ums Haus kann man am Ende sehr viel Geld ausgeben – wenn man es denn schön haben möchte.

Zunächst aber sollten sich Häuslebauer die Frage beantworten, wie sie ihr Haus – vorausgesetzt, ein Grundstück steht bereits zur Verfügung – überhaupt stellen möchten. „So verhindere ich schon mal, dass ich später vor dem Haus Bereiche habe, die ich gar nicht nutzen kann.“ Idealerweise werde das Haus beziehungsweise Grundstück vom Norden her erschlossen und das Gartengelände breite sich nach Süden oder Südwesten aus. Auch sollte man bereits in dieser Phase des Hausbaus überlegen, wo sich später ein schattiges Plätzchen für einen Baum finden lässt. Denn, so Ludwig Scheidtmann: „Bäume gehören aus meiner Sicht dazu.“ Unerlässlich aber ist aus Sicht des Experten etwas ganz anderes: der Blick in den städtischen Bebauungsplan, sofern ein solcher existiert. Hier erhalten Häuslebauer – und auch Hauskäufer – Auskunft darüber, welche Projekte eventuell in Kürze noch durch Dritte zur Umsetzung kommen können. Anders formuliert: Plant die Stadt zum Beispiel das Setzen mehrerer Bäume an der Straße vor dem Haus, sollte die geplante Photovoltaikanlage vielleicht doch noch einmal überdacht werden.

Auf sicheren Beinen steht, wer sich vom Fachmann ein Konzept erstellen lässt. „Ja, das kostet Geld, aber ich kann die Dinge ja auch erst nach und nach umsetzen“, weiß der gelernte Diplomingenieur der Landschaftspflege. Schließlich gehe es im Konzept eigentlich nur darum, Grundsätzliches festzuhalten. Soll um das Gelände eine Hecke führen? Wo soll die Terrasse hin? Habe ich Platz für eine Gartenhütte? „Es geht um die Grundfakten. Wenn ich – und das ist im Siegerland nun mal sehr oft der Fall – Höhen abfangen muss, dann macht es ja schon Sinn, die Mauer ganz am Anfang zu setzen, wenn ich noch gut mit dem Bagger auf das Grundstück fahren und dort die Gräben ziehen kann.“

Woran viele Bauherren sicherlich nicht denken, was aber durchaus Sinn macht mit Blick auf unsere immer heißer und trockener werdende Sommer, sind Zisternen – also unterirdisch abgedeckte Sammelbehälter für Brauchwasser. Für ein 5000-Liter-Gerät mit Pumpe und Technik müsse man zwar schon mit etwa 10.000 Euro rechnen, aber die Investition amortisiere sich bereits nach wenigen Jahren. „Es regnet in den nächsten Jahren sicherlich nicht viel mehr als jetzt – aber wenn die Zisterne erst einmal vollgeregnet ist, dann habe ich auch für einige Zeit Ruhe.“ Auch die Zisterne gehöre zu den Dingen, die frühzeitig in Angriff genommen werden sollten, um nicht später wieder den kompletten Garten umgraben zu müssen. Wichtig: Wird es wider Erwarten knapp mit dem Budget, sollte man über das Verschieben der einen oder anderen Maßnahme nachdenken. Bei der Terrasse ist das zum Beispiel problemlos möglich. „Deren Fläche kann ich zunächst schottern und Kies drauf packen – die Terrassensteine selbst lege ich dann erst in ein paar Jahren. Das kann finanziell schon mal entlasten.“

Und wie sieht es mit den Strom- und Wasserleitungen im Garten aus? Da sollte man unterscheiden, erklärt der Experte. Sei zum Beispiel der Standort des späteren Gewächshauses bekannt, spreche nichts dagegen, vorsorglich in 80 Zentimeter Tiefe die Wasserzuleitung dorthin zu verlegen. Sozusagen im Vorfeld aller weiteren Arbeiten. Anders sieht das beim Stromkabel aus. „Spatentief kann ich es später immer noch verlegen.“ Anders sei das, wenn im Garten tatsächlich schon alles bis ins kleinste Detail geplant worden sei – dann könnten theoretisch sämtliche Kabel vorab verlegt werden. „Aber das halte ich für sehr schwierig.“ Warum? Die Antwort ist einfach: weil ein Garten immer wächst und sich auch weiterentwickelt.

Ein Beispiel: Liegt das verlegte Stromkabel jetzt an Stelle A, soll aber die neue Gartenleuchte anders als geplant nun doch ein paar Meter weiter an Stelle B angebracht werden, kann das zusätzliche Probleme nach sich ziehen. „Wenn ich in einem Garten lebe und ihn nutze, dann erkenne ich vieles erst später. Dann mache ich die Leuchte vielleicht doch woanders hin als ursprünglich mal geplant.“

Gedanken wachsen, gerade im Garten. Also sei es aus Sicht des Fachmanns auch nicht ratsam, wirklich alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen. An Außenzapfstellen und Außensteckdosen sollten Bauherren aber denken.

Wichtig für unser Wohlbefinden sind auch Rückzugsorte. Die aber seien ganz individuell, einen Musterbausatz gibt es nicht. „Der Eine will unter einem Schattenbaum sitzen, der Andere unter einem Rosenbogen, der Nächste wiederum liebt Pavillons und wiederum Andere mögen Segeltücher, die als Schattenspender ganz spontan über den Sandkasten der Kinder gehängt werden können, wenn die Sonne zu sehr scheint.“ Wir Menschen sind so individuell wie unsere Gärten. Das weiß auch Ludwig Scheidtmann, der in seinem Landschaftsbetrieb 120 Mitarbeiter beschäftigt. „Der Eine will in seinem Garten etwas Repräsentatives zum Zeigen, zum Beispiel eine Terrasse mit stylischer Gestaltung, wohingegen der Andere auf Permakultur setzt, wachsen lässt und schaut, wie sich alles entwickelt.“ Den richtigen Schritt, den ultimativen Tipp für alle, gebe es nicht. Deshalb sehe auch jedes Gartenkonzept anders aus.

„Wenn man ein Haus hat mit Garten, dann sollte man in sich hineinhören und sich fragen, was Einem wichtig ist. Dann entwickelt sich eigentlich alles automatisch.“ Ein Garten braucht Ecken zum Entdecken. Zum Verweilen. Zum Genießen. „Ich persönlich finde es ganz schlimm, wenn man im Wohnzimmer sitzt, durch das Fenster schaut und von dort aus alles vom Garten gesehen hat. Ein Garten braucht verschiedene Ecken, in denen ich gucken kann, ob zum Beispiel der Rhododendron noch blüht oder ob an den Sträuchern schon Beeren hängen.“ Das Konzept am Anfang sei die eine Sache – die Aus gestaltung, also das Feintuning des Gartens, noch mal eine andere.

„Entscheidend ist doch, dass ich – wenn ich einen Garten habe und ihn liebe – jede Jahreszeit gerne mitbekommen möchte. Im Frühling das frische Grün, wie es austreibt und sich entwickelt. Oder im Winter den Schnee, wie er auf den Ästen liegt und sie verbiegt.“ Um all das genießen zu können, sei es nun mal wichtig, seinen Garten zu planen und heute schon an das Morgen zu denken. Denn gerade Hecken, Pflanzen und Bäume brauchen viel Zeit, um zu wachsen.

Text Michael Wetter
   

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