Starkregen: Experten geben wichtige Tipps, wie man sein Eigenheim vor Wasserschäden schützt

Auf alles vorbereitet sein

Starkregen ist ein Phänomen, mit dem man immer öfter rechnen muss. Das beweisen nicht zuletzt auch die Erfahrungen der vergangenen Wochen und Monate. Foto: unsplash

2.07.2021

Leider häufen sich immer mehr extreme Unwetter, bei denen in kurzer Zeit ungewöhnlich hohe Mengen Regen vom Himmel fallen und Immobilien enorm zu schaffen machen können. Überschwemmte Keller- und Wohnräume sind eine ernst zu nehmende Gefahr und das nicht nur in finanzieller, sondern gerade auch in gesundheitlicher Hinsicht. Die drastischen Bilder der starken Regenfälle vor ein paar Wochen mit überschwemmten Straßen und vollgelaufenen Kellern sind Vielen noch in deutlicher Erinnerung.

Wie Hausbesitzer ihr Hab und Gut vor den Folgen schützen können, die durch den Rückstau von Wassermassen enstehen, das machten jetzt Fatma Öksüz, Starkregenexpertin des Projekts „Klimafolgen und Grundstücksentwässerung (KluGe)” der Verbraucherzentrale NRW und Stephan Roth, Technischer Betriebsleiter der Entsorgungsbetriebe der Stadt Siegen (ESI), bei einem Online-Seminar unter der Überschrift „Alles klar bei Starkregen?” deutlich.
  

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Was man über den Starkregen wissen muss: „Bei einem Starkregen handelt es sich generell erst einmal um eine außergewöhnlich hohe Niederschlagsmenge in kurzer Zeit und räumlich auf wenige Quadratkilometer begrenzt”, so Fatma Öksüz. Die oft in den Medien verwandte Bezeichung „Jahrhundertregen” sei jedoch für den Bürger verwirrend, da das Phänomen Starkeregen mittlerweile weitaus häufiger auftrete. Messungen zwischen 2008 und 2018 für die Stadt Düsseldorf beispielsweise ergaben, dass hier mehrmals fast jährlich das Phänomen Starkregen wütete und schlimme Folgen nach sich zog. „Für die Region Siegen kann man diese Häufigkeit zwar nicht festestellen, aber das Phänomen Starkregen ist auch hier durchaus bekannt”, bestätigte ebnfalls Stephan Roth. „So wurden beispielweise am 22. Mai 2017 in der Region zahlreiche Keller und Wohnungen stark geflutet, als hier 80 Liter Niederschlag pro Quadratmeter zusammenkamen. In Netphen rutschte seinerzeit ein Hang an der Kreisstraße ab und versperrte damit komplett ein Dorf. 2019 wiederum richtete ein ähnliches Starkregen-Phänomen starke Schäden an Häusern und Wohnungen in Kredenbach an.”

Starkregen sei eine nicht zu unterschätzende Gefahr, betonte Fatma Öksüz, „zumal wir es in den Städten und Ortschaften mit immer mehr versiegelten Flächen zu tun haben und die Aufnahmekapazitäten der Böden damit begrenzt sind, was das Regenwasser angeht”. Die öffentlichen Kanäle seien zudem nur dafür ausgerichtet, nur einmal im Jahr komplett vollaufen zu können. „Und das kann dann vielen Häusern und Wohnungen, die entsprechend ungeschützt sind, zum Verhängnis werden.”

Und dieses Verhängnis gehe mitunter mit einem hohen Schadenspotential einher. „Denn man muss auch bedenken, dass Starkregen immer plötzlich auftreten und nur schwer vorhersagbar sind”, so die Expertin der Verbraucherzentrale NRW. „Und hat man einmal Wasser im Keller, dann ist der Schaden da, und es kann sich neben den Feuchte-Schäden auch noch Schimmel bilden, was wiederum gesundheitliche Risken nach sich zieht.” Durch Starkregen können Hausrat und Anlagen zerstört werden. Es drohen enorme Gesundheitsrisiken und Gefahren für Leib und Leben. „Denn nicht selten werden solche vollgelaufenen Räume gerade älteren Menschen zum Verhängnis”, warnte Fatma Öksüz. Eine einmal angegriffene Bausubstanz bedeute zudem eine Wertminderung für die gesamte Immobilie. „Außerdem ziehen solche Wasserschäden immer eine aufwendige und sehr kostenintensive Trocknung nach sich, was ebenfalls ärgerlich ist.”

Was bedeutet in diesem Zusammenhang ein Rückstaurisiko? „Starkregen kann verursachen, dass ein Kanal so sehr vollläuft, dass das Wasser zurückdrückt. Dieser Rückstau verursacht dann, dass Keller und andere Räume, die unter der überfluteten Straßenoberkante liegen und die über Duschen, WCs oder Waschmaschinen mit entsprechenden Anschlüssen verfügen, automatisch vollaufen, solange sie nicht entsprechend geschützt sind”, beschreibt die Expertin.

Wie aber kann man seine Immobilie entsprechend schützen? „Zunächst einmal ist es ratsam, sich anzuschauen, welche Abflüsse man in den jeweiligen Räumen hat, die unterhalb der Rückstauebene liegen und welche man davon überhaupt benötigt”, so Fatma Öksüz. Abflüsse, die ohnehin nicht in Gebrauch seien, sollten von vornherein schon einmal abgedichtet werden. Für Abflüsse von Waschmaschine, Dusche, WC und Co, die wiederum in Gebrauch seien und sich in Räumen unterhalb der Rückstauebene befinden, würden sich drei Maßnahmen als Schutz anbieten: „Das erste ist eine sogenannte Hebeanlage, eine Pumpe, die bespielsweise direkt an einem WC oder einem Punkt, wo das Abwasser zusammen geführt wird, installiert wird und die dann bei einem Rückstauvorfall das überschüssige Wasser über das Straßenniveau hinweg wieder in den Kanal zurückpumpt.” Diese Anlagen würden so präzise arbeiten, dass man selbst während des Starkregens seine Duschen, Waschmaschinen und WCs ungehindert weiternutzen könne.

Bei der Installation der Hebeanlagen sollte man auf wichtige Details unbedingt achten. „Es ist allem voran wichtig, dass das Rohr, das von dem Anschluss aus wegführt, unbedingt über das Straßenniveau ragt”, so die Expertin. „Weiterhin brauchen diese Anlagen zwingend eine Lüftung. Fehlt diese bei der Installation, dann wird es kritisch, was deren Funktion angeht. Ein weiterer zu bedenkender Punkt ist, dass Hebeanlagen regelmäßig gewartet werden müssen. Daher muss noch bei der Installation darauf geachtet werden, dass rund um die Anlage genug Platz gelassen wird, damit Fachleute sie auch gut erreichen und sie in Ruhe begutachten können.”

Neben den Hebeanlagen würden schießlich auch die sogenannten Rückstauklappen für einen Schutz bei Starkregen sorgen. „Rückstauklappen bieten sich in erster Linie für Räume unterhalb der Rückstauebene an, die man nicht jeden Tag nutzt”, betont Fatma Öksüz. „Diese Rückstauklappen werden beispielsweise an eine Waschmaschine angeschlossen, und wenn der Starkregen einsetzt und zu viel Wasser fließt, machen die Klappen sofort dicht.”

Die mechanischen Varianten seien dabei für fäkalloses Wasser gedacht, das also nicht über das WC abläuft und die elektrischen Modelle für die WC-Anschlüsse selbst. „Auch hier sollte man von vornherein bei der Installation wichtige Fehlerquellen ausschließen”, so die Expertin. „Abflüsse, die im ersten Obergeschoss oder überhalb des Straßenniveaus liegen, dürfen nicht über eine Rückstauklappe entwässert werden. Außerdem sollten sie immer richtig herum installiert werden, sonst flutet man sich am Ende selbst. Und da auch die Rückstauklappen regelmäßig gewartet werden müssen, ist auch hier ein entsprechender Platz um die Klappe herum von Nöten.”

Schließlich bieten neben Hebeanlagen und Rückstauklappen auch sogenannte Hybrid-Modelle Schutz bei Starkregen. „Ein solches Hybridmodell nutzt beispielsweise das normale Gefälle, weshalb eine Rückstauschleife nicht notwendig ist”, so Fatma Öksüz. Im Hinblick auf die Frage, was im Einzelfall für die eigene Immobilie am besten in Frage komme, sei es wichtig, mehrere Fachbetriebe um deren Rat zu fragen und unterschiedliche Angebote einzuholen. Natürlich obliege dem Hauseigentümer auch die Verantwortung darüber, dass diese Schutzvorrichtungen alle entsprechend regelmäßig nachgesehen und gewartet würden. Bei mechanischen Rücktauklappen könne man dies selbstständig tun und die Reinigung vollziehen und dokumentieren. Bei Hebenanlagen müssten dies Fachbetriebe erledigen. „Die Wartung ist deshalb so wichtig, weil heutzutage leider immer noch rund 14 Prozent vermeidbarer Müll über das Abwasser entsorgt wird, was dann zu sogenannten „Verzopfungen” und Verstopfungen führt und die Arbeit der Pumpen und der Klappen und der Hybridmodelle erschweren kann.”

Interessant sei in diesem Zusammenhang auch, sich einmal generell klar zu werden, welche Schwachstellen ein Haus im Hinblick auf Starkregen habe: „Dazu zählen unter anderem das Dach mit seinen Regenrinnen, dazu zählen aber auch Gebäude mit bodentiefen Fenstern, Außenwände mit Fugen, Kellerfenster und türen, aber auch in die Jahre gekommene und brüchige Abwasserrohre, beispielsweise unter der Bodenplatte.” Außerdem sollte man sich den Standort und die Lage der Immobilie vor Augen führen: „Ist dort etwa ein Fluss oder ein Bach in der Nähe, der dem Ganzen gefährlich werden könnte, befindet sich das Haus in einem Tal oder in einer Hanglage? Das sind alles Punkte, die nicht unerheblich sind.”

Und auch auf das unmittelbare Außengelände der Immobilie komme es an: „So raten wir als Experten grundsätzlich von Schottergärten ab, weil diese kein Wasser aufnehmen, sonden zusätzlich bei Starkregen dieses an die Kanäle weiterleiten, und das ist dann fatal. Wir raten hingegen zu entsiegelten Flächen wie Rasen, der das Wasser aufnimmt, der für eine hohe Verdunstung sorgt und somit auch für weniger Hitzeherde in den Städten.” In diesem Zusammenhang sollte man sich auch informieren, inwieweit entsprechende Entsiegelungsmaßnhamen finanziell bezuschusst werden können.

Und auch versicherungstechnisch sei das Thema Starkregen eines, was man mit einkalkulieren müsse: „So raten wir, eine Elementarschadensversicherung zur bestehenden Wohngebäude-Versicherung und der Hausrats-Versicherung hinzuzubuchen”, sagt Fatma Öksüz. Zudem sollte man einen genauen Blick darauf haben, was genau in den Vertragsbedingungen steht: „Viele Versicherungen decken nämlich bei Starkregen-Schäden nur einen Teil ab.” Ein Passus in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Versicherungsverträge fordere weiterhin, dass eine relgelmäßige Wartung der Schutzanlagen zwingend nötig und zu dokumentieren sei. „Daher appellieren wir auch immer wieder, penibel für die Wartung der Anlagen Sorge zu tragen.” Und es gibt seitens der Verbraucherzentrale auch die Möglichkeit, Verträge gemeinsam mit unseren Experten der Beratungsstelle indviduell durchzugehen, um sich auch hier einen genauen Überblick zu verschaffen.”

Weitere Informationen zum Thema gibt es auch bei der Verbrauchezentrale unter Tel. (0211) 3809300.

Text: Dr. Volker Gastreich

  

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