Frühjahrscheck an der Immobilie: Irmtraud Swoboda, Expertin im Verband Privater Bauherren, erklärt, worauf es ankommt

Das Haus sorgfältig in Augenschein nehmen

Der Frühjahrscheck ist ungemein wichtig: Wer größere Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen plant, sollte diese jetzt schnell in Angriff nehmen, damit sie vor dem nächsten Winter abgeschlossen sind. Foto: pixabay

18.03.2021
Büdenbender

Gerade nach den Wintermonaten sollte die eigene Immobilie besonders sorgfältig kontrolliert werden. Die Witterung kann dem Haus mitunter enorm zugesetzt haben. Hauseigentümer sollten deshalb das Frühjahr nutzen, um ihre Immobilie genau zu prüfen und alle eventuellen Winterschäden beheben zu lassen. Worauf es dabei im Detail ankommt, darauf weiß Dipl.-Ing. Architektin Irmtraud Swoboda, Leiterin des VPB-Regionalbüros Gießen-Wetzlar, ein paar wichtige Antworten. In einem Interview mit dem Immojournal der Siegener Zeitung gibt sie unseren Lesern wichtige Tipps und Anregungen.

Warum ist gerade das Frühjahr so wichtig für einen Immobiliencheck?

Der deutsche Winter hat es in sich. Die Kälte und die vielen starken Stürme, Regen und Schnee setzen den Häusern jedes Jahr enorm zu. Besonders gefährdet sind alle Bauteile, die der Witterung ausgesetzt sind – also Dach, Fassade, Fenster und Türen. War es kalt, können Regenrohre auffrieren und Risse in Mauerfugen entstehen. War es mild und regnerisch, kann Nässe Dach und Fassaden durchfeuchtet haben. Werden solche Schäden nicht frühzeitig bemerkt und behoben, können sie zu teuren Spätfolgen führen. An den ersten warmen und trockenen Tagen des Jahres sollten Eigentümer deshalb ihr Haus sorgfältig in Augenschein nehmen.
     

Wie sollte man beim Frühjahrscheck am besten vorgehen? Worauf sollte man innen und außen achten?

Ein guter Beginn ist das Dach. Sitzen die Dachziegel nach den schweren Stürmen noch richtig oder sind sie verrutscht und gar zerbrochen? Nicht immer sind lose Ziegel von außen sichtbar. Darum müssen die Dachbauteile im Hausinnern kontrolliert werden - auch in sonst ungenutzten Räumen. Feuchte Stellen an einem Balken oder auf dem Boden sind Alarmzeichen. In den Dachräumen kann man auch gleich die Ohren spitzen: Hat ein Sturm Schindeln an Gauben oder Giebeln gelockert, die jetzt laut klappern? Manches Schneefanggitter oder auch die Leitung der Blitzschutzanlage sitzt locker und sollte neu befestigt werden. Risikobereiche sind auch die Einfassungsbleche rings um den Kamin, an den Gauben und in den Kehlen. Sind die Anschlüsse noch intakt, oder haben sie Risse und lassen Feuchtigkeit ins Gebälk? Regenrinnen und Abflussrohre müssen von Laub, Zweigen und anderem Unrat gesäubert werden, damit das Regenwasser wieder ungehindert abfließen kann. Auch die Kanalanschlüsse müssen frei, Sickerschächte und Hebeanlagen gewartet sein. 

Beim Frühjahrscheck gilt allem voran: Kleinere Reparaturen können Eigentümer selbst vornehmen. Foto: pixabay
Beim Frühjahrscheck gilt allem voran: Kleinere Reparaturen können Eigentümer selbst vornehmen. Foto: pixabay

Die Sichtkontrolle des Daches, wenn es denn zugänglich ist, können Eigentümer selbst vornehmen, und auch bei einem Flachdach sowie dem Garagendach ergänzende Arbeiten, z.B. Reinigungsarbeiten, vorsichtig selbst erledigen. Auf der sicheren Seite sind Eigentümer jedoch, indem sie einen Fachbetrieb mit dem Frühjahrscheck, der Reinigung von Rinnen und Rohren und gegebenenfalls der Wartung der Solaranlage beauftragen. Die Fassade und die Balkonplatte können Eigentümer selbst prüfen. Risse im Putz, abblätternde Anstriche und hohlklingende Putzflächen sowie braune Rostfahnen sind Anzeichen für Schäden in der Außenhülle des Gebäudes, dauerfeuchte Stellen an Holzverkleidungen desgleichen. Schatten mit einem weißen Rand deuten auf Salzausblühungen hin. Dann sind auf jeden Fall Fachleute gefragt.

Fenster, Türen und Rollläden werden am besten einem Funktionstest unterzogen: Schließen sie noch dicht? Sind die beweglichen Teile leicht gängig? Sitzen die Führungsschienen fest? Unter der Nässe des Winters leiden besonders alle Holzbauteile. Sie müssen daher besonders gründlich kontrolliert werden. Auch Fugen reißen gerne auf. Terrassen, Balkonkonstruktionen und Kletterhilfen aus Holz werden zunächst mit einem groben Besen vom Schmutz befreit. Dann sind feine Risse oder kleine Splitter gut sichtbar.

Was gerne vergessen wird, ist die Heizung. Sie wird jetzt auf den Sommerbetrieb umgeschaltet. Dabei lässt sich gut prüfen: Funktionieren Pumpe, Elektrik und Elektronik noch richtig?
     

Fachunternehmen sind für alle größeren Schäden am Bauwerk unverzichtbar, aber auch für Schäden an schlecht erreichbaren Stellen. Foto: pixabay
Fachunternehmen sind für alle größeren Schäden am Bauwerk unverzichtbar, aber auch für Schäden an schlecht erreichbaren Stellen. Foto: pixabay

Der Verband Privater Bauherren hat als praktische Hilfe eine Checkliste zusammengestellt. Sie kann hier kostenlos heruntergeladen werden unter https://www.vpb.de/download/VPB-Ratgeber_Fruehjahrscheck-fuer-Haus-und-Garten.pdf

Um welche Schäden am Haus sollte man sich umgehend kümmern?

Als Faustregel gilt: Je größer der Schaden, umso dringender muss er behoben werden. Alle Schäden, durch die Feuchte ins Bauwerk gelangen kann, dulden keinen Aufschub, da sie immense Folgeschäden nach sich ziehen können. Aber auch für die Reparatur aller kleineren Schäden bieten sich die Sommermonate an. Wer sich rechtzeitig auf die Suche nach einem versierten Fachbetrieb macht, stellt sicher, dass die Winterschäden ausgebessert sind, bevor der nächste Herbst in Sichtweite ist und die Auftragsbücher der Handwerker voll sind.

Welchen Bereichen des Hauses sollte beim Check ein besonderes Augenmerk geschenkt werden? Und warum?
    

An den ersten warmen und trockenen Tagen des Jahres sollten Eigentümer ihr Haus sorgfältig in Augenschein nehmen, da der Winter nicht selten seine Spuren hinterlässt. Foto: pixabay
An den ersten warmen und trockenen Tagen des Jahres sollten Eigentümer ihr Haus sorgfältig in Augenschein nehmen, da der Winter nicht selten seine Spuren hinterlässt. Foto: pixabay

Wie bereits eingangs aufgeführt, sind bereits alle Bauteile, die der Witterung ausgesetzt sind, gefährdet. Besonders sollten die Bauteilanschlüsse auf Schäden und Reparaturbedarf geprüft werden.

Ab wann sollte ein Gutachter mit einbezogen werden?

Wenn Wasser in die Dachkonstruktion oder auch ins Mauerwerk eingedrungen ist, dann sind unabhängige Gutachter unbedingt zu empfehlen. Sie können prüfen, ob und wie umfangreich tragende Bauteile, Wärmedämmung sowie Innenverkleidung geschädigt sind und sich möglicherweise bereits Schimmelpilze breit gemacht haben.

Welche Reparaturen können selbstständig vorgenommen werden? Wann sollte man ein Fachunternehmen verständigen?

Kleinere Reparaturen können Eigentümer selbst vornehmen. Dazu gehören kleinere Ausbesserungsarbeiten in Holzbekleidungen, das Ausbessern von Rissen in Holzverkleidungen und das Abziehen von Splittern, die Reinigung von gut erreichbaren Dachrinnen und Revisionsklappen von Fallrohren. Das Schloss der Garage oder bewegliche Teile am Fenster können mit einem Tropfen Öl leichter gangbar gemacht werden. Und auch die Grundreinigung von Wegen und Terrasse mit dem Besen sowie das Säubern von Fugen kann jeder Eigentümer selbst übernehmen. Fachunternehmen sind für alle größeren Schäden am Bauwerk unverzichtbar, aber auch für Schäden an schlecht erreichbaren Stellen.

Wie wichtig ist das Thema "Lüften"?

Das Thema Lüften ist ein extrem komplexes Thema. Der Verband Privater Bauherren hat deshalb einen kostenlosen Ratgeber mit allen wichtigen Tipps für Verbraucher erstellt. Er kann heruntergeladen werden unter https://www.vpb.de/download/VPB-Ratgeber_Richtig-lueften.pdf

Welche Reinigungstipps, z.B. für Fassade, Dachrinne, Rollläden und Co., sollte man beherzigen?

Weniger ist oft mehr. In der Regel reicht eine mechanische Reinigung mit einer Bürste oder einem Besen völlig aus. Chemische Reiniger oder auch Fungizide sind dabei meist nicht notwendig. Vom Einsatz mit Hochdruckreinigern kann nur abgeraten werden, die Putzoberfläche kann beschädigt werden, und aufwändige Sanierungsarbeiten sind dann die Folge.

Worauf sollte man im Garten beim Frühjahrscheck besonders achten?
    

Wer sich rechtzeitig auf die Suche nach einem versierten Fachbetrieb macht, stellt sicher, dass die Winterschäden ausgebessert sind, bevor der nächste Herbst in Sichtweite ist und die Auftragsbücher der Handwerker voll sind. Foto: pixabay
Wer sich rechtzeitig auf die Suche nach einem versierten Fachbetrieb macht, stellt sicher, dass die Winterschäden ausgebessert sind, bevor der nächste Herbst in Sichtweite ist und die Auftragsbücher der Handwerker voll sind. Foto: pixabay

Kritisch sind zunächst Wege, Treppenbeläge und Terrassen – also alle Bereiche, die ich betrete. Haben sich durch Frost Platten gehoben oder sind Beläge aufgefroren, dann bilden diese schnell gefährliche Stolperschwellen. Alle Außenabläufe müssen vom letzten Laub gesäubert werden. An Holzbauteilen wie der Pergola oder dem Gartenhäuschen sind möglicherweise Reparaturen notwendig. Gartenzäune und Mauerkronen sollten auf Standfestigkeit geprüft werden. Wer Gehölze auf dem Grundstück hat, sollte prüfen, ob die Stürme im Herbst und Winter diese in Mitleidenschaft gezogen haben. Totholz, aber auch angebrochene Äste müssen beseitigt werden. Und dann kann der Garten langsam für die Freiluftsaison gerüstet werden: Das Gartenwasser wird angestellt, die Regenwassertonne wieder startbereit gemacht, der Springbrunnen gesäubert und die Pumpe eingesetzt, der Teich und der Pool vorbereitet.

Inwieweit macht es Sinn, Instandsetzungsmaßnahmen mit anderen Sanierungsmaßnahmen zu kombinieren (z.B. Dachrinnen-Erneuerung mit Dachdämmung, etc.)?

Vor jeder größeren Maßnahme ist es unbedingt sinnvoll, zu überlegen, ob und wo sich Kombinationen anbieten. Wer ein Gerüst aufstellen lässt, um umfangreiche Reparaturen am Dach vornehmen zu lassen, kann beispielsweise bei dieser Gelegenheit gut den Anstrich von Stirnbrettern und Dachkästen erneuern. Oder: Eine anstehende größere Fassadenreparatur ist gut mit einer energetischen Sanierung zu verbinden.

Wie lässt sich der Wert der Immobilie beim Frühjahrscheck steigern?

Wer größere Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen vor hat, sollte die jetzt schnell in Angriff nehmen, damit sie vor dem nächsten Winter abgeschlossen sind. Und wenn bei der Kontrolle und Reinigung von Fenstern, Rollläden oder Holzterrasse deutliche Alters- oder Abnutzungserscheinungen sichtbar wurden, ist das Frühjahr ideal. Gestrichen werden sollte erst, wenn die Temperatur nicht mehr unter fünf Grad Celsius fällt und wenn bei gutem Wetter die Trocknungszeit gesichert ist. Bei Schäden sollten Eigentümer rechtzeitig Gutachter bzw. Fachbetriebe einbinden und Aufträge möglichst schon zu Anfang des Jahres erteilen. Das heißt, ein Herbstcheck vor Eintritt des Winters ist ebenfalls zu empfehlen, damit bei größeren anstehenden Arbeiten rechtzeitig die Angebote im Winter eingeholt werden können. Auch für alle Verschönerungsarbeiten rund ums Haus und natürlich auch im Garten ist im Frühjahr und Sommer ein guter Zeitpunkt. Gepflegte Außenanlagen erhöhen nicht nur den Wert im Falle eines Verkaufs. Sie steigern auch den Wohnwert.

Weitere Informationen zum Thema gibt es in diesem Zusammenhang auch unter: https://www.vpb.de/giessen-wetzlar/index.html Text: Dr. Volker Gastreich
    

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