Wohngesundheit: Experte Marc Ellinger (VPB) gibt Tipps, was man gerade bei der Planung und Umsetzung beachten sollte

Sich voll und ganz in den eigenen vier Wänden Wohlfühlen

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Das Thema „Wohngesundheit“ ist aktueller denn je. Gerade was den Neubau eines Hauses angeht, möchten die künftigen Bewohner im Hinblick auf die eigene Gesundheit, auf Sicherheit, Komfort und Wohlfühl-Atmosphäre nichts dem Zufall überlassen. Bauherren sollten ihre Häuser und Wohnräume daher so planen, dass sie sich bedenkenlos darin aufhalten können, ohne mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen rechnen zu müssen. Das betrifft auch das Bauen, Ausstatten und die Unterhaltung im Nachgang. „Wohngesundheit sollte die entscheidende Rolle spielen, denn man darf nicht vergessen, dass der Mitteleuropäer 80 bis 90 Prozent seiner Zeit in Innenräumen verbringt“, heißt es auch in einem Text des Verbandes Privater Bauherren. „Es lohnt sich also, diese Räume, die zum Leben unentbehrlich sind, mit besonderer Sorgfalt zu behandeln.“

Wie das gelingt, weiß beispielsweise auch Marc Ellinger, Dipl.-Ing. (FH) und Leiter des Regionalbüros Freiburg-Südbaden vom Verband Privater Bauherren (VPB). Auf Anfrage des Immo-Journals der Siegener Zeitung gibt der Experte aus Süddeutschland künftigen Hausbesitzern im Hinblick auf das Thema „Wohngesundheit im Neubau“ gerne einmal ein paar wichtige Tipps und Anregungen, wie man früh genug Vorkehrungen für ein gesundes Wohnen treffen kann.

Moderne Bauten verfügen heutzutage dank der Energiesparverordnung über besonders luftdichte Gebäudehüllen. Was aber einerseits Energie spart, kann andererseits auch Probleme mit sich bringen. Schädliche Stoffe, die im Neubau oder auch nach einer Renovierung in der Luft liegen, können nicht mehr durch die dichte Gebäudehülle entweichen. Sie bleiben stattdessen in den Räumen und machen den Bewohnern unter Umständen gesundheitlich zu schaffen.

„Allem voran sollte man auf Feuchtigkeit achten“, sagt Dipl.-Ing (FH) Marc Ellinger. „Überall da, wo Wasser und Feuchtigkeit sind, da ist auch Leben. Feuchtigkeit begünstigt also auch mikrobiologisches Wachstum.“ In diesem Zusammenhang gibt auch ein Ratgeber des VPB Folgendes zu bedenken: „Beispielweise kann der Kunstharzkleber im Parkettboden von Mikroorganismen abgebaut werden, wenn das Parkett auf einem zu feuchten Estrich verlegt worden ist.“ Hier beuge in jedem Fall richtiges Lüften vor. „Feuchtigkeit kann aber auch zu Schimmelpilzwachstum führen“, warnt Marc Ellinger. „Aber nicht nur das, denn als hygienisch problematisch können sich unter anderem auch moderne Lüftungsanlagen erweisen. Sie helfen zwar, Energie zu sparen, müssen aber hygienisch einwandfrei geplant, gebaut und gewartet werden, sonst werden sie am Ende zu einer Keimschleuder und damit zu einer echten Gesundheitsgefahr für die Bewohner. Gerade beim Neubau ist diesbezüglich absolute Vorsicht ratsam, denn wie schnell ist so eine Lüftungsanlage durch die Baustelle verdreckt und kann dann in Folge zu einem echten Risikofaktor werden.“ Auch die Baustoffe selbst sind bei einem Hausbau mit gewisser Vorsicht zu behandeln. „So werden beispielsweise flüchtige organische Verbindungen von nassen Bauprodukten wie zum Beispiel Klebern, Lacken, Farben oder Dichtmassen abgegeben“, so Dipl.-Ing. (FH) Marc Ellinger. „Beim Aushärten und Trocknen gelangen diese flüchtigen Stoffe schließlich in die Raumluft.“ Beeinträchtigt werden könne die Luft in den Innenräumen aber darüber hinaus von sogenannten „trockenen Innenausbaustoffen“. „Dazu gehören beispielsweise Materialien wie Teppiche, Holz und Linoleum.“ Experten raten daher, mindestens 30 Tage Zeit zum Auslüften zwischen Bauende und Bezug einzuplanen. „Achten sollte man in jedem Fall auch auf Produkte ohne Formaldehyd. Denn dieses meist aus Spanholz austretende Gas kann in zu vielen Mengen zu Schleimhauztreizungen, Hustenreiz, Kopfschmerzen und Übelkeit führen.“

Es komme beim Thema Gesundheit und Vorsorge im Neubau aber auch darauf an, was für Möblierung und Einrichtungsgegenstände man im Anschluss an den schlüsselfertigen Bau mit in die eigenen vier Wände hineinbringe. „Man findet heutzutage schwere flüchtige Hilfsstoffe zum Beispiel als Mottenschutzmittel in Teppichen oder als Weichmacher und Flammenschutzmittel in Kunststoffen und Wohntextilien“, heißt es in einem Pressetext des Verbandes Privater Bauherren. „Diese Hilfsmittel können sich lange Zeit in Raumluft und Hausstaub anreichern und gelangen so in den menschlichen Körper.“ Hier sei es wichtig, derartige Hilfsstoffe von vornherein und konsequent zu minimieren, etwa durch den Verzicht auf Kunststofftapeten und Teppichbeläge. Ratsam sei es zudem, auf Produkte mit Gütezeichen zu achten, die Hilfsstoffe jener Art verbieten würden, wie zum Beispiel auch der „Blaue Engel“.    

Gerade im Hinblick auf die eigene Gesundheit, auf Sicherheit, Komfort und Wohlfühl-Atmosphäre in den eigenen vier Wänden sollten Bauherren nichts dem Zufall überlassen.
Gerade im Hinblick auf die eigene Gesundheit, auf Sicherheit, Komfort und Wohlfühl-Atmosphäre in den eigenen vier Wänden sollten Bauherren nichts dem Zufall überlassen.

Durch geschickte Planung lässt sich auch ein Zuviel an Elektrosmog früh genug eindämmen. „Bleibt schließlich noch das problematische Thema Radon“, so Marc Ellinger. Die Quelle dieses radioaktiven, chemischen Elements liege in dem Muttergestein und im Erdreich. „Dieses radioaktive Gas Radon sammelt sich im Erdreich an und dringt in Hauskeller ein. Dort kann es sich zu ungesunden Konzentrationen anreichern und nach oben steigen. Es ist eben deshalb so gefährlich, weil es heute für rund sieben Prozent aller Lungenkrebsfälle in Deutschland verantwortlich gemacht werden kann“, gibt Marc Ellinger zu bedenken.

Umso wichtiger sei es, gerade in Gebieten mit erhöhter Radioaktivität, speziell in Bergbauregionen, Neu- und Umbauten von Kellern entsprechend sicher zu planen. „Radon ist aber auch in bestimmten Baustoffen enthalten und kann durch Diffusion ins Haus gelangen“, so der Leiter des Regionalbüros Freiburg-Südbaden weiter. Allem voran müsse man bei bestimmten Natursteinen aufpassen und schauen, aus welchen Ursprungs-Gebieten sie stammen. „Ähnlich verhält es sich mit Lehm“, so der Experte, „auch in ihm kann Radon durchaus vorkommen.“ Diesbezüglich sei es also wichtig, die Augen offen zu halten, sich entsprechend zu informieren und immer auch dem Rat von unabhängigen Sachverständigen zu vertrauen.

Wohngesundheit ist ein wichtiges Thema. Denn man darf nicht vergessen, dass der Mitteleuropäer 80 bis 90 Prozent seiner Zeit in Innenräumen verbringt.
Wohngesundheit ist ein wichtiges Thema. Denn man darf nicht vergessen, dass der Mitteleuropäer 80 bis 90 Prozent seiner Zeit in Innenräumen verbringt.

„Bei allem muss man bedenken, dass wir es beim Bauen immer mit bestimten Stoffen zu tun haben, die miteinander eine Reaktion eingehen können. Das bringt dann gewisse Risiken mit sich“, so Marc Ellinger. „Bauen ist schließlich ein hochkomplexer, handwerklicher und chemischer Prozess, bei dem man es mit Stoffen und Verbindungen zu tun hat, die man nun einmal nicht bis in ihre kleinsten Moleküle hin analysieren kann.“ Vieles reagiere miteinander vielleicht erst sehr spät, mitunter nach Jahren, anderes vielleicht erst nach einer Renovierung. „Es gibt also immer ein gewisses Restrisiko. Von einer 100-prozentigen Sicherheit für ein 100-prozentiges gesundes Wohnen kann man also nicht ausgehen. Aber man kann eben Vorkehrungen treffen, dass man möglichst wohngesunde Bedinungen in den eigenen vier Wänden vorfindet.“ Und natürlich spielen beim Thema Wohngesundheit auch noch andere Faktoren eine wichtige Rolle – beispielsweise, wenn es darum geht, das Wohnen so komfortabel und angenehm wie möglich zu gestalten. „Aber hier kommt es auf die ganz individuellen Bedürfnisse der Bauherren an“, so Marc Ellinger. „Beispielsweise kann die Farbauswahl in Räumen durchaus zu einem Wohlbefinden beitragen. Dies hängt aber von den ganz persönlichen Vorlieben der Menschen ab. Manche mögen es lieber hell, andere halten sich eher in Räumen mit warmen Farben auf, wieder andere mögen den klaren und etwas kühlen Schick.“ Auch der Frage nach Tageslicht in den eigenen vier Wänden komme im Zusammenhang mit dem Thema „Wohngesundheit“ eine wichtige Rolle zu. „Aber auch das ist von Mensch zu Mensch individuell verschieden“, so der VPB-Experte. „Natürlich sorgt viel Licht in den Räumen, beispielsweise durch große Fenster, für eine positive Stimmung. Aber es gibt auch Menschen, die sich eher für normale Fenster entscheiden, um beispielsweise mehr Privatsphäre zu genießen.“

Um sich zu Hause rundum wohlfühlen zu können, empfiehlt der Experte aber auch noch, über das Bauen hinweg bestimmte Maßnahmen zu treffen: „So muss man bedenken, dass beispielsweise Tischfeuer oder der übermäßiger Gebrauch von Kerzen, vor allem aber Tabakrauch die Atemluft enorm belasten können. Dem kann man von vornherein Abhilfe schaffen“, so Marc Ellinger. Mangelnde Frischluftzufuhr sei ein weiteres Problem in vielen Haushalten. „Daher begünstigt eine angemessene Wohngesundheit allem voran das regelmäßige Lüften.“ Schließlich richtet der VPB-Experte den Blick noch auf eine weitere ernst zu nehmende Gefahrenquelle: „Reinigungsmittel, Möbelpolituren, Waschmittel und Parfums belasten das Raumklima bei jeder Anwendung aufs Neue. Was also nützt mir ein wohngesunder Neubau, wenn ich im Hinblick auf schädliche Pflegemittel, die ich nachträglich in den Haushalt hole, wieder fahrlässig im Hinblick auf die Gesundheit handele?“ Bei der Wahl der Mittel solle man daher unbedingt auf das einzige unabhängige Gütezeichen achten – die Euro-Blume. „Auch sollte der Reinigungszyklus angepasst werden“, empfiehlt ein Pressetext des VPB, „so wenig wie möglich, so häufig wie nötig, lautet hier die Devise.“ Dies könne man, allem voran, auch Familien mit Kindern nur ans Herz legen: „Denn gerade kleine Kinder, die den Tag über viel über Böden krabbeln, nehmen über Handflächen und Knie und weitere Körperpartien, mit denen sie den Boden berühren, auch die Reinigungssmittel auf, was sich im Hinblick auf so einen kleinen Körper mitunter auch sehr negativ auswirken kann.“

Bei all diesen Maßnahmen macht Marc Ellinger abschließend eines deutlich: „Wenn man sich von vornherein mit einem guten Plan an den eigenen Neubau begibt, dann ist am Ende ein wohngesundes Haus gar nicht mal teurer als eine nicht wohngesunde Immobilie.“ Text: Dr. Volker Gastreich
   

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