Altbauten sind stark gefragt – dank guter Vorbereitung muss dennoch kein Kaufinteressent unter Zeitdruck geraten

Schnelle Entscheidung

Wer eine Immobilie sucht, kann schon im Vorfeld einige Überlegungen anstellen, die eine spätere Entscheidung erheblich erleichtern. Foto: Pixabay / Leeroy Agency

16.12.2020

Ob ein hübsches Haus mit Garten und viel Platz zum Toben oder eine schicke Eigentumswohnung mit Dachterrasse – wer in einer gefragten Wohngegend eine Immobilie erwerben möchte, muss manchmal viel Geduld aufbringen. Altbauten sind hier meist schwer zu bekommen und wenn dann ein Objekt auf den Markt kommt, ist die Nachfrage groß. Die Uhr tickt, die Mitinteressenten schlafen nicht und die Entscheidung für oder gegen eine Immobilie muss meist zeitnah getroffen werden.

So könne der Immobilienkauf schon mal zu einer regelrechten Bieter-Rallye ausarten, berichtet der Verband Privater Bauherren (VPB) mit Sitz in Berlin auf SZ-Nachfrage. Wer am schnellsten das höchste Gebot abliefere, bekomme den Zuschlag. Viel Zeit bleibt Interessenten also nicht. Aber die VPB-Experten geben Entwarnung: Die sprichwörtliche „Katze im Sack“ müsse niemand kaufen. Denn schon im Vorfeld könnten zukünftige Immobilienbesitzer einige Überlegungen anstellen, die eine spätere Entscheidung erheblich erleichterten. „Natürlich gibt es auch in gesuchten Gegenden immer wieder Immobilien. Der Markt ändert sich ständig. Deshalb sollten sich Käufer gut vorbereiten, damit sie dann, wenn das richtige Objekt auf dem Markt ist, auch schnell zuschlagen können“, sagt Dipl.-Ing. Klaus Kellhammer, VPB-Vorstandsmitglied und Leiter des VPB-Regionalbüros Tübingen.
         

Büdenbender Hausbau

Schon vor einer Besichtigung sollten die eigenen Wohnbedürfnisse, am besten anhand einer schriftlichen Checkliste, geklärt werden. „Haben Haus oder Wohnung beispielsweise zu wenig Zimmer oder liegen in der falschen Gegend, dann erübrigt sich eine Besichtigung“, erklärt Klaus Kellhammer. „Wer gezielt besichtigt, spart Zeit und Nerven und gerät gar nicht erst in Versuchung, sich um ein unpassendes Objekt zu bemühen.“ Auch der finanzielle Rahmen muss abgesteckt werden. Daher sollten Kaufinteressenten im Vorfeld die Finanzierung gründlich durchrechnen, empfiehlt der VPB u. a. in seinem eigens zum Thema erstellten, kostenfreien Ratgeber „Gute Vorbereitung - schnelle Kaufentscheidung“. Denn zum aufgerufenen Kaufpreis kämen immer noch die Kaufnebenkosten, die sich nach dem Verkaufspreis richteten und vorab kalkulieren ließen.

Oftmals müsse auch renoviert und umgebaut werden. „Wer sich an Bieterverfahren beteiligen will, muss sein Limit und die voraussichtlichen Kosten kennen, sonst bietet er vielleicht zu viel“, merkt Klaus Kellhammer an. Auch der Weg auf das Bauamt sei sinnvoll, um zu klären, ob es einen Bebauungsplan für das Gebiet gebe und ob eventuell geplante Anbauten und Aufstockungen überhaupt erlaubt seien. „Das ist eine typische Aufgabe, die Kaufinteressenten vorab erledigen können, sobald sie die Adresse des Objekts kennen, noch bevor sie es überhaupt von innen besichtigt haben.“
         

Ein Blick ins Grundbuch, so der Verband weiter, bringe zudem Klarheit über die Besitzverhältnisse und Lasten, die auf dem Grundstück lägen. Wohn- und Wegerechte beispielsweise könnten den Wert einer Immobilie beeinträchtigen. Wichtig sei immer auch, ob das Haus in seiner heutigen Form überhaupt baurechtlich genehmigt sei. Der Gang zu den künftigen Nachbarn könne sich zusätzlich als sinnvoll erweisen, schließlich wüssten diese am besten über die Gegend und das Objekt Bescheid.

Wer eine Immobilie kaufen wolle, solle sie immer vorab selbst in Augenschein nehmen und einen unabhängigen Bausachverständigen hinzuziehen. Dieser könne die Substanz eines Hauses oder einer Wohnung – und damit die möglicherweise anstehenden Sanierungskosten – einschätzen. Eine gemeinsame Besichtigung sei auch in Zeiten der Corona-Pandemie mit dem entsprechenden Abstand möglich.

Ob Haus oder Eigentumswohnung – wer also bereits im Vorfeld viele Fakten zum Kaufobjekt gesammelt hat, seine persönlichen Bedürfnisse und den finanziellen Spielraum kennt sowie die realistische Einschätzung eines Sachverständigen vorliegen hat, liegt gut in der Zeit. So kann notfalls auch eine schnelle Entscheidung für oder gegen ein Objekt getroffen werden. Text: Katja Wehmeyer

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