An das Wohl der kleinen Denken

An das Wohl der Kleinsten denken: Beim Thema „Kindersicher bauen und wohnen‟ gilt es, jede Menge wichtige Details zu beachten. Dabei helfen vor allem auch Sachverständige mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung weiter. Foto: pixabay

16.12.2020

Kindersicher bauen und wohnen: Diese Details sollten auf der Baustelle und im bezugsfertigen Haus unbedingt beachtet werden. 

„Das Thema ,Kindersicher bauen und wohnen‘ ist ein sehr vielschichtiges, bei dem es jede Menge Details zu beachten gilt‟, macht Dipl.-Ing. Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin deutlich, „schließlich steht das Wohl der Kleinen und Kleinsten hier im Vordergrund – und da sollte es keinerlei Kompromisse geben.‟ Und das fängt schon beim Hausbau selbst an. „Denn Kinder, gleich welchen Alters, haben auf einer Baustelle nichts zu suchen‟, so die VPB-Expertin. Das strikte „Betreten verboten – Eltern haften für ihre Kinder‟ gelte eben nicht nur für den Rohbau in der Nachbarschaft, sondern gerade auch für das eigene Elternhaus. „Daher sollten sich bis zum Einzug Kinder generell nicht auf der Baustelle aufhalten. Denn hier lauern für sie jede Menge Gefahren, die sie aufgrund ihres Alters nun einmal nicht abschätzen können. Man denke nur an fehlende Treppen und Handläufe, an wackelige Leitern, offene Kellerschächte und Deckendurchbrüche. Aber auch lose Kabel und noch nicht montierte Steckdosen und Lichtschalter sind für die Kleinen eine ernst zu nehmende Gefahr.‟ Daher könne man nur immer wieder aufs Neue appellieren: „Wo Handwerker arbeiten, da haben Kinder grundsätzlich nichts verloren‟, so Dipl.-Ing. Eva Reinhold-Postina. „Denn Baustellen, so verlockend sie für Mädchen und Jungen auch immer sein mögen, sind nun einmal kein Spielplatz.‟ Ihre Empfehlung laute daher: „Während der elterlichen Bauzeit gehören die Kinder in die Obhut der Verwandten, Freunde oder der Kindergärten.‟ Auch rate sie, bei Nachwuchs im Teenager-Alter Vorsicht walten zu lassen, was ein Betreten oder sogar Helfen auf der Baustelle angehe. „Ohnehin ist es ratsam, für sich selbst und für alle am Bau beteiligten Helfer eine Bauhelferversicherung abzuschließen.‟ Denn die gesetzliche Unfallversicherung helfe nun einmal nicht bei Unfällen, die auf der eigenen Baustelle passieren.
       

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In jedem Fall auf Sicherheit setzen

Aber Vorsicht gelte eben auch die komplette Bauphase hindurch bis zum bezugsfertigen Haus und gerade auch darüber hinaus: „Denn auch hier können überall noch Gefahren lauern‟, so die VPB-Expertin. „Man muss nämlich bedenken, dass sich alle Familienmitglieder und Bewohner bei einem Neubau erst einmal auf die neue wohnliche Situation einstellen müssen. Man kennt eben noch nicht alle Ecken und Winkel der Immobilie wie im Schlaf – und daher sollte man auf Sicherheit setzen. Treppen gehören gesichert, gerade bei Kindern im Krabbelalter, Möbel sollten festgeschraubt und mit einer Kippsicherung versehen werden. Weiterhin sollte man Fenster sichern und die Steckdosen aber auch Verlängerungskabel mit einem Schutz versehen.‟ Ohnehin sei zu überlegen, ob man die Steckdosen nicht gleich in entsprechender Höhe installiert, gerade im Hinblick auf ein späteres Wohnen im Alter.

Bereits bei den Planungen rund um die eigene Immobilie sei es wichtig, sich grundlegende Fragen zu stellen: „Für Familien ist es beispielsweise wichtig, bereits bei den Planungen zu wissen: Mit wie vielen Familienmitgliedern ziehe ich ein? Wer bekommt welches Zimmer? Wer wohnt mit wem zusammen? Kommen die Geschwister in nächster Nähe miteinander zurecht oder brauchen sie eher einen räumlichen Abstand zueinander? Und inwieweit sind die Kinder bereits in der Pubertät, was immer auch mit einem Abnabelungsprozess einher geht, dann nämlich, wenn der Wunsch nach einem eigenen Wohnbereich im Keller für die Heranwachsenden auf der Liste plötzlich ganz oben steht.‟
      

Auch die „Gesundheit‟ spielt beim kindgerechten Bauen eine wichtige Rolle: „Es ist wichtig, bereits bei den Planungen mit der Baufirma oder dem verantwortlichen Architekten genau festzulegen, welche Baustoffe an Ort und Stelle verwendet werden, und das Eigenheim so anzulegen und auszustatten, dass sich alle Bewohner später hier wohl und geborgen fühlen‟, sagt Expertin Eva Reinhold-Postina. Fotos: pixabay
Auch die „Gesundheit‟ spielt beim kindgerechten Bauen eine wichtige Rolle: „Es ist wichtig, bereits bei den Planungen mit der Baufirma oder dem verantwortlichen Architekten genau festzulegen, welche Baustoffe an Ort und Stelle verwendet werden, und das Eigenheim so anzulegen und auszustatten, dass sich alle Bewohner später hier wohl und geborgen fühlen‟, sagt Expertin Eva Reinhold-Postina. Fotos: pixabay

Flexible Räume machen Sinn

Und mit diesen Überlegungen sei man auch gleich beim Thema „Mehrgenerationenhaus‟ angelangt. „Man sollte sich eben genau vor Augen führen welche Räume man gleich von vornherein flexibel anlegt‟, gibt die Architektin zu bedenken. „So lassen sich große Räume mit leichten Trennwänden oder Schrankwänden teilen, die man dann später, wenn Familienmitglieder ausziehen, wieder wegnehmen kann.‟ Ein Haus sollte auch immer den veränderten Ansprüchen seiner Bewohner mitunter über Jahrzehnte hinweg genügen. „Wenn Bewohner nicht mehr so mobil sind, ziehen sie vielleicht gerne in die ebenerdige Etage, was bedeutet, dass man auch Küche und Badezimmer mitverlegen muss.‟ Zudem würden bei den Planungen rund um das Eigenheim die Bad-Räume eine überaus wichtige Rolle spielen, „gerade wenn man mehrere Kinder hat, die ja irgendwann größer werden, ist das Thema Bad nicht zu unterschätzen‟, sagt die Expertin. „Es ist auch sinnvoll, bei mehreren Kindern gleich zwei Bäder einzuplanen, oder das Gästebad so zu gestalten, dass dort auch Duschmöglichkeiten vorhanden sind. Denn es geht schließlich darum, den morgendlichen Stau vor dem Bad aufzulösen. Und das erreicht man eben mit verschiedenen funktionstüchtigen Räumen im Haus. Denn eines ist ja auch eine ganz klare Tatsache: Je älter Kinder werden, umso länger verbringen sie auch im Bad.‟ Im Mehrgenerationenhaus müssen Treppen besonders gesichert sein. „Das heißt, unbedingt an vernünftige Handläufe denken‟, so Eva Reinhold-Postina. „Ebenso sind auch rutschfeste Stufen ein Muss und auch entsprechende Treppengeländer mit Kindersicherung. Denn immer wieder hört man leider davon, dass die Kleinen in einem unachtsamen Moment einfach im Geländer stecken bleiben und die Aufregung dann verständlicherweise sehr groß ist.‟

Ein besonderes Kapitel ist allem voran auch der Brandschutz. „Die Ursachen für Brände sind vielfältig‟, heißt es in diesem Zusammenhang auch in einem Pressetext des Verbandes Privater Bauherren. „Auslöser können beispielsweise defekte oder Geräte im Stand-by-Modus sein. Auch vergessene Kerzen verursachen zahlreiche der jährlich rund 240 000 Haus- und Wohnungsbrände in der Bundesrepublik.‟ Allein elf Prozent der Brände würden auf das Konto zündelnder Kinder gehen. „Deshalb sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man Streichhölzer, Kerzen und Feuerzeuge immer in kindersicherer Höhe aufbewahrt‟, so die Fachleute des VPB. „Rauchwarnmelder retten in diesem Zusammenhang auch immer wieder Menschenleben‟, gibt Dipl.-Ing. Eva Reinhold-Postina zu bedenken. „Und es ist so wichtig, mit dem eigenen Nachwuchs über Brandschutz zu sprechen.‟ Denn einer Studie zur Folge neigen Mädchen und Jungen im Grundschulalter dazu, sich bei einem Brand eher in einem Schrank oder unter dem Bett zu verstecken, statt nach Fluchtmöglichkeiten im Haus zu suchen. „Und das ist natürlich fatal. Daher mein Appell: Immer das Gespräch suchen, gemeinsam mit den Kindern die Fluchtwege im eigenen Haus abgehen und zusammen Pläne schmieden, was im Notfall zu tun ist.‟ Auch seien die Aufklärungsmaßnahmen der Freiwilligen Feuerwehr zu empfehlen. „Denn auch hier werden die Kinder für das Thema Brandschutz anhand praktischer Beispiele sensibilisiert.‟

Gerade das Thema Gesundheit ist wichtig

Im Hinblick auf kindgerechtes Bauen und Wohnen sollte allem voran auch die Gesundheit eine wichtige Rolle spielen. „Es wichtig, bereits bei den Planungen mit der Baufirma oder dem verantwortlichen Architekten genau festzulegen, welche Baustoffe an Ort und Stelle verwendet werden, und das Eigenheim so anzulegen und auszustatten, dass sich alle Bewohner später hier wohl und geborgen fühlen‟, so Eva Reinhold-Postina. Gerade im Hinblick auf Allergien sei Wohngesundheit ein nicht zu unterschätzender Faktor. „Und viele wissen leider nicht, dass man von vornherein vertraglich mit dem Architekten oder der Baufirma genau festlegen kann, auf welche Materialien beim Hausbau strikt zu achten ist und welche auf keinen Fall verwendet werden sollen, Schließlich gibt es nichts Schlimmeres, als wenn man später in ein Haus einzieht, auf dessen Räume man allergisch reagiert.‟ Weiterhin rate sie bei einem Hauskauf Interessierten, vor dem Kauf mit einem Sachverständigen an der Seite sich ein detailliertes Bild von den Räumlichkeiten zu machen. „Denn ein Fachmann sieht einfach mehr und ihm fallen bestimmte Dinge auf, die einem später vielleicht zum Verhängnis werden könnten, was die eigene Gesundheit oder die der eigenen Kinder angeht. Und diesbezüglich sollte man eben nichts auf die leichte Schulter nehmen.‟

Dem Wohl des eigenen Nachwuchses in den eigenen vier Wänden steht auch das Schimmel-Problem gegenüber, das auch nicht selten im Neubau auftritt. „Mittlerweile haben viele Neubauten ein Schimmel-Problem‟, warnt Eva Reinhold-Postina. „Dies hängt allem voran mit einer unzureichenden Trocknung der Wände und Räume zusammen. Denn kaum sind die Baufirmen an der Baustelle fertig, ziehen auch schon die Bewohner ein, was bedeutet, dass die Mauern von Fall zu Fall nicht ausreichend trocknen können. Das wiederum begünstigt Schimmel. Und gerade im Hinblick auf Kinder ist Schimmel eine Gefahr. Denn asthmatische Erkrankungen sind zumeist die Folge.‟ Sie selbst empfehle hier, die Luftfeuchtigkeit in den Räume mit einem Hygrometer zu ermitteln und sich auch mit einem Energieberater an Ort und Stelle einen Eindruck zu verschaffen, um Schwachstellen zu ermitteln und so früh genug gegen Schimmel vorzugehen.

„Beim Thema Wohngesundheit der Kinder muss man eben viele mitunter auch kleine Details beachten, die immer auch von Wohnsituation zu Wohnsituation unterschiedlich sind‟, gibt die VPB-Expertin abschließend zu bedenken. Text: Dr. Volker Gastreich
 

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