Vorbereitet sein: Bausachverständiger Marc Ellinger (VPB) gibt Tipps, wie man das eigene Haus sicher durch den Winter bringt

Nichts auf die leichte Schulter nehmen

Noch ist es draußen herbstlich. Aber wenn der Winter kommt, sollte man im Hinblick auf seine Immobilie nichts dem Zufall überlassen. Denn Witterung und Umwelteinflüsse setzen Gebäuden zu. Eine regelmäßige Wartung und Instandhaltung sind daher ungemein wichtig. Foto: Pixabay

1.10.2020

Witterung und Umwelteinflüsse, allem voran aber Winterwetter setzen Immobilien grundsätzlich zu. Nässe, Eis und Dauerfrost schaden der Bau-Substanz und können zu enormen Folgeschäden führen. „Daher sollten Hausbesitzer besonders sorgfältig auf ihre Immobilie achten und dies auch das ganze Jahr über“, betont Marc Ellinger, Dipl.-Ing. (FH) und Leiter des Regionalbüros Freiburg-Südbaden vom Verband Privater Bauherren (VPB). Eine regelmäßige Wartung und Instandhaltung seien hier unablässig. In diesem Zusammenhang sei es zudem immer sinnvoll, dem Rat eines unabhängigen Sachverständigen zu vertrauen, der die jeweilige Bau- und Wohnsitution begutachten und entsprechend einschätzen könne. „Es macht beispielsweise durchaus Sinn, einen solchen Experten einmal im Jahr einzuschalten“, sagt Marc Ellinger. „Außerdem kann ich Hausbesitzern nur empfehlen, nach jedem etwas stärkeren Sturm oder nach Hagelschauern selbst einmal um das Haus zu gehen und aufmerksam nach möglichen Schäden oder Beeinträchtigungen zu schauen.“

Leider sei es nicht im Bewusstsein vieler Menschen verankert, dass ein Gebäude stets Abnutzungerscheinungen ausgetzt sei, denen man vorbeugen müsse. „Viele gehen diesbezüglich leider zu nachlässig mit der Verantwortung um, die sie für ihre Immobilie haben.“ Und die Tatsache, dass sich an einem Haus witterungsbedingt über ein paar Jahre nichts Außergewöhnliches verändert habe, bedeute eben nicht, dass Schäden, die so lange Zeit vielleicht nicht auffielen, dann doch irgendwann zu Tage treten könnten.

„Die wichtigste Regel für Immobilienbesitzer in der kalten Jahreszeit lautet allem voran: Ausreichend heizen!“, heißt es in diesem Zusammenhang auch in einem Pressetext des Verbandes Privater Bauherren. Energiesparen sei zwar sinnvoll und richtig, dürfe aber nicht zu Beeinträchtigungen am Haus führen. „Daher raten Fachleute auch, Wohnräume mit mindestens 20 Grad zu beheizen.“ Grundverkehrt sei es zudem, die Heizung in einzelnen Räumen oder gar insgesamt nachts abzustellen. „Dann sinkt die Temperatur stark ab – und es kann zu Kondensfeuchtigkeit auf Außenbauteilen und in der Folge auch zu Schimmelbildung kommen.“ Selbst gedämmte wasserführende Leitungen im Keller oder im Dachgeschoss können hierbei einfrieren.
     

Gerade für die kalte Jahreszeit sollte man die eigenen vier Wände entsprechend vorbereiten. Dabei gilt es, einige wichtige Details zu beachten. Foto: Pixabay
Gerade für die kalte Jahreszeit sollte man die eigenen vier Wände entsprechend vorbereiten. Dabei gilt es, einige wichtige Details zu beachten. Foto: Pixabay

„Auch muss man bedenken, dass das Abstellen der Heizung in massiven Häusern ebenfalls keine Ersparnis mit sich bringt, denn die ausgekühlten Bauteile müssen morgens mit der vermeintlich eingesparten Energie auch wieder aufgeheizt werden.“ Dies könne aber in leicht gebauten sowie luftbeheizten Häusern auch ganz anders aussehen. Daher sei es auch hier sinnvoll, die jeweilige Immobilie von einem unabhängigen Sachverständigen auf genau diese Charakteristiken hin überprüfen zu lassen.

Und noch eines müsse man bedenken: „Wer in den Wintertagen verreist, der sollte die Heizung auf keinen Fall zu weit herunterdrehen und die Raumtemperatur auch während der Abwesenheit im Urlaub im Schnitt auf 17 Grad halten. Das entspricht bei modernen Heizungsregelungen dem Symbol ,Nacht’ und lässt sich daher einfach ein- und abschalten“, so die Experten des VPB.

„Ein ganz wichtiges Thema für Immobilienbesitzer im Winter ist auch das Lüften“, macht Marc Ellinger deutlich. „Denn gerade an extrem eisigen Tagen muss Frischluft ins Haus, damit alte, feuchte Luft entweichen kann. Aber Dauerlüften ist hier die absolut falsche Herangehensweise. Es ist eher zu empfehlen, mehrmals täglich Stoßzulüften und zwar immer fünf bis zehn Minuten lang, am besten auf Durchzug“, so der Bausachverständige. Somit wird die Feuchtigkeit entsorgt und die Enegieausbeute optimiert. „Denn frische und kalte, trockene Luft erwärmt sich schnell. Bleibt die warme Luft hingegen im Haus, bilden sich feuchte Stellen an den kalten Bereichen der Außenbauteile. Und das zieht meistens Schimmelbefall nach sich.“ Daher warne er auch immer vor dem Lüften bei gekipptem Fenster im Winter, „denn auch das kann Schimmelpilzwachstum als unangenehme Folge mit sich bringen. Beim gekippten Fenster gibt es nämlich kaum Luftaustausch. Stattdessen kühlen die Leibungsflächen um die Fenster stark aus. Und an den kalten Stellen kann sich dann wieder Schimmelpilze ansiedeln“.

Gerade bei Frost sei es auch ratsam, vor allem auch den Keller eines Eigenheims im Blick zu behalten. „Häufig steht in der Waschküche ganzjährig das Fenster auf, damit Feuchtigkeit und Dunstschwaden abziehen können“, heißt es in einem Pressetext des VPB. „Auch hier müssen Eigentümer regelmäßig kontrollieren. Sinkt die Temperatur nämlich unter den Gefrierpunkt, können Wasserrohre platzen. Und ist die Wasserleitung oder ein Heizungsrohr doch einmal eingefroren, dann sollten es die Hausherren unbedingt von einem Fachmann auftauen lassen.“ Denn entstehen hier Schäden, müssen diese umgehend getrocknet werden. „Ansonsten dehnt sich die Feuchtigkeit in Wänden und Böden aus.“

„Ohnehin ist es enorm wichtig, im Winter die frostgefährdeten Wasserleitungen zu entleeren“, macht Marc Ellinger deutlich. „Denn je länger es friert, umso tiefer dringt der Frost in den Boden. Dann können oberflächennah verlegte Wasserleitungen zufrieren. Vor allem selbst verlegte Leitungen im Garten beispielsweise sollten bei Temperaturen unter null Grad abgestellt und entleert werden. Sonst können diese bei Dauerfrost platzen.“

Auch das Dach hat, wenn man das Haus fit durch den Winter bringen will, eine nicht zu unterschätzende Bedeutung: „Beispielsweise ist es hier wichtig, umgehend Schneeverwehungen zu beseitigen“, mahnt Marc Ellinger. „Und man sollte eben deshalb schnell handeln, da durch Tauwasser später Schäden entstehen können. Gerade in solchen Fällen, in denen das Wasser nicht ablaufen kann und sich seinen Weg über die Ziegel ins Haus sucht.“ Man muss hier wirklich Vorsicht walten lassen und zügig zu Werke gehen: „Denn eine durchfeuchtete Wärmedämmung dämmt nicht mehr, und das Schimmelwachstum beginnt“, so der Bausachverständige.

Aber Dach sei nicht gleich Dach. „In der Regel sind Dächer in Deutschalnd so ausgelegt, dass sie mit üblichen Schneemengen und schlechter Witterung gut fertig werden. Das ist aber nicht immer unbedingt der Fall bei Carports, Gartenlauben oder Garagen. Auch selbstgebaute Überdachungen sind mitunter zu schwach dimensioniert. Deshalb auch hier mein Appell: den Schnee möglichst schnell von den gefärdeten Bereichen herunter zu holen.“ Generell aber sei es wichtig, noch bevor der Winter komme, das Dach von einem Fachmann überprüfen zu lassen: „Viele Dächer haben während der Herbststürme beispielsweise einiges aushalten müssen“, so Marc Ellinger. „Ein Fachmann kann hier überprüfen, ob das Schneefanggitter noch fest sitzt, ob alle Dachziegel in Ordnung sind und noch sicher liegen. Denn schon kleine Risse und Lächer machen Dächer auf Dauer undicht.“

Es gebe aber auch Dinge, die der Hausbesitzer selbst in die Hand nehmen könne: „Gerade, wenn es darum geht, die Dachrinnen zu reinigen. Das ist sehr wichtig, denn sie liegen im Spätherbst voller Laub, und die Blätter verstopfen Rinnen und Fallrohre.“ Wenn hier das Wasser nicht mehr ablaufen kann, sucht es sich andere Wege und das zumeist die Fassade hinab oder über die Dachkonstruktion. „Gefriert der Regen dann noch, platzen die Rohre.“ Text: Dr. Volker Gastreich
   

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