Iris Houghton ist Home Stagerin und richtet Wohnungen und Häuser für den Verkauf her

„Bühne Frei“ für Immobilien

Der erste Eindruck zählt: Home Stager sorgen mit ihrer Arbeit dafür, dass Käufer das volle Potential einer Immobilie erkennen können. Foto: Annette Hogan

1.10.2020
Von Poll Immobilien

Licht, Farben, Düfte – der erste Eindruck beim Betreten einer Immobilie zählt. Das weiß Iris Houghton nur zu gut. Die 55-Jährige Unternehmerin aus Weyhe ist Profi in Sachen Home Staging. Das heißt: Sie richtet Wohnungen und Häuser, die zum Verkauf stehen, für den Immobilienmarkt her. Das Home Staging, das seinen Ursprung in den USA hat, ist erst seit einigen Jahren auch bei uns populär. Ein Berufsverband, die „Deutsche Gesellschaft für Home Staging und Redesign“ (DGHR), wurde 2010 gegründet und zählt mittlerweile über 250 aktive Mitglieder. Iris Houghton, Mitbegründerin und Vorsitzende, berichtet im Interview mit dem Immobilien-Journal der Siegener Zeitung über Ziel und Zweck des Home Stagings, das Besondere an dieser Tätigkeit und eine ganz persönliche Verkaufserfahrung.

Welchem Zweck dient das Home Staging und was genau wird hier gemacht?

Home Staging ist das Herrichten und Optimieren von Verkaufsimmobilien. Wir setzen die Immobilie quasi für den Verkauf „auf die Bühne“. Ein professioneller Home Stager geht hierzu auf alle Aspekte ein, die es einem Käufer möglich machen, das volle Potential der Immobilie zu erkennen und quasi als Kopfkino zu erleben, wie er/sie darin leben könnte. Hierzu werden Immobilien gereinigt, zu viele Möbel und Accessoires und vor allem persönliche Dinge wie Haarbürsten im Bad, Familienfotos etc. entfernt, und die Immobilie wird in einem Stil und Farbkonzept zu einer Einheit dargestellt. So strahlt diese Raum für Raum, Kaufinteressenten verlieben sich und möchten kaufen.

Warum wurde ein Berufsverband gegründet?
    

Iris Houghton,1. Vorstand DGHR, ist die Vertretung aller Home Stager in Deutschland. Foto: Iris Houghton
Iris Houghton,1. Vorstand DGHR, ist die Vertretung aller Home Stager in Deutschland. Foto: Iris Houghton

Das Ziel war und ist, Home Staging als Dienstleistung bekannt zu machen und den Beruf zu etablieren. Besonders wichtig ist uns, das Home Staging mit Qualitätsstandards umgesetzt wird. Und zwar so, dass sie den Kunden einen spürbaren Erfolg bringen und diese die Dienstleistung mit einem gewissen Schutz in Anspruch nehmen können. Alle DGHR-Home Stager arbeiten immer mit einem schriftlichen Vertrag, sind mit einer Betriebshaftpflicht versichert und versichern, keine rechtlich falschen Dinge zu tun, wie z. B. Baumängel zu überdecken.

Home Stager ist ein (noch) nicht anerkannter Beruf, jeder darf sich im Prinzip als solcher bezeichnen. Aus welchen Bereichen kommen Ihre Mitglieder und welche Qualifikationen bringen sie mit?

Das ist leider richtig, noch ist es kein anerkannter Beruf. Wir arbeiten aber daran, dies zu ändern und haben z. B. bereits seit 2017 eine Kooperation mit der IHK Wiesbaden. Gerade weil Home Staging noch kein anerkannter Beruf ist, ist es besonders wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen und mit einem DGHR-Home Stager zu arbeiten. Hier haben die Kunden dann den eben beschriebenen Schutz. Unsere Mitglieder kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: manche hatten schon gestalterische Berufe und kommen zum Beispiel aus der visuellen Schauwerbegestaltung, der Innenarchitektur, der Bühnengestaltung oder dem TV-Bereich. Andere kommen, wie ich selbst, aus ganz fremden Bereichen wie dem Tourismus, der Gastronomie oder auch aus Büro- oder Bankberufen. Jeder hat durch seine bisherige Erfahrung ein gewisses Vorwissen, alle eigenen sich das, was noch fehlt, dann während der DGHR-Ausbildungsseminare an.

Was ist das Besondere an Ihrer Tätigkeit?

Das sie ein Gewinn für alle Beteiligten ist. Niemand „verliert“. Die Käufer sehen Möglichkeiten in Immobilien, die sonst oft nicht in Frage gekommen wären, und die Verkäufer verkaufen schnell, zu einem guten Preis und können sich oft sogar den Wunschkäufer aussuchen. Das ist etwas, was gerade älteren Menschen sehr wichtig ist. Sie möchten ihre Immobilie gerne zum Beispiel wieder an eine junge Familie übergeben.

Worauf können sich Kunden verlassen, wenn Sie einen Home Stager Ihres Verbandes engagieren?

Höchste Umsetzungsstandards, ein absolut professionelles Verhalten von sehr gut ausgebildeten Profis die ein starkes Netzwerk und ein immer aktuelles rechtliches Wissen hinter sich haben.

Gibt es eine Maxime, der sich Ihre Mitglieder verschrieben haben?

Gemeinsamkeit! Unser Motto lautet: Gemeinsam stärker, gemeinsam besser, gemeinsam wachsen, gemeinsam (noch) erfolgreicher.

An welche Grenzen stoßen Sie beim Home Staging? Wie gehen Sie mit baulichen Mängeln um?

In der DGHR muss jedes Mitglied schriftlich zusichern, dass er/sie niemals Baumängel überdecken wird. Dies ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal und meiner Meinung nach auch ein wichtiger Grund, sich für einen DGHR-Home Stager zu entscheiden. Eventuelle Baumängel müssen repariert werden. Ist dies nicht möglich, müssen sie den Kaufinteressenten ganz offensichtlich gezeigt werden. Weitere Grenzen sind Umstände, die Kaufinteressenten in einer so großen Menge abschrecken würden, wie z. B. ein Rocker-Club in einer Familienwohngegend oder eine Lkw-TÜV-Abnahmestelle direkt nebenan. Hier weiß jeder Kaufinteressent, dass dem Verkäufer nicht die Tür eingelaufen wird und es muss dann gut untersucht werden, ob sich ein Home Staging auszahlt. Darin sind DGHR-Home Stager trainiert. Sie nehmen keine Aufträge an, von denen sie nicht überzeugt sind, dass die in ein Home Staging investierte Summe nicht – meistens mehrfach–an den Verkäufer zurückkommt oder sich auszahlt.

Finden Sie es grundsätzlich empfehlenswert, dass Kaufinteressierte einen Sachverständigen mit zu einem Besichtigungstermin nehmen?

Home Stager und Gutachter erfüllen zwei komplett verschiedene Berufe. Ein DGHR-Home Stager überdeckt keine Mängel, aber er/sie ist nicht qualifiziert, diese zu entdecken. Somit ist ein Sachverständiger oder Gutachter sicher eine gute Idee, um nicht im Nachhinein auf unerwartete Kosten zu stoßen.

Ist das Verschönern eine grundsätzlich weibliche Domäne oder haben Sie auch männliche Mitglieder?

Wir haben sieben Prozent männliche Mitglieder, die auch durch die Bank alle erfolgreich sind.

Wie sind Sie persönlich zum Home Staging gekommen?

Durch eine eigene Verkaufserfahrung. Mein englischer Mann und ich haben in Spanien in einer sehr ungewöhnlichen Finca gelebt. Er wurde versetzt und wir mussten schnell verkaufen, obwohl wir gerade tüchtig investiert hatten. Die Fotos, die der Makler machte, zeigten unserer Meinung nach überhaupt nicht die Vorteile der Finca auf und vermittelten vor allem kein Lebensgefühl. Ich bin dann im englischen Fernsehen über eine Sendung gestolpert, in der Home Staging angewandt wurde. Ich hatte nichts zu verlieren und habe mich ans Werk gemacht, so gut wie ich eben damals konnte. Wir hatten bei fünf Besichtigungen vier Kaufangebote mit dem Resultat, dass wir weit über den erwarteten Verkaufspreis bekommen haben. Als wir danach in Deutschland auf Immobiliensuche waren und mein Mann unbedingt ein „Haus mit Seele“ und keinen Neubau wollte, habe ich so viele Immobilien gesehen, die einfach danach „schrien“ gestaget zu werden. So habe ich 2007 mein eigenes Home Staging-Business eröffnet und 2010 den Berufsverband mitgegründet. Seitdem bin ich hier auch für die Ausbildung zuständig. Text: Katja Wehmeyer

BEIM KAUF AUF NUMMER SICHER GEHEN

Seriöse Home Stager sehen ihre Aufgabe darin, eine alte, in die Jahre gekommene Immobilie so auf- und auszuräumen, dass sich ein Kaufinteressent darin sein zukünftiges Leben vorstellen kann, sagt der Verband Privater Bauherren mit Sitz in Berlin. Das gehe natürlich nicht, wenn das Haus mit üppiger Polstergarnitur und eichenem Wohnzimmerschrank möbliert sei und der potenzielle Käufer eher stählerne Bauhausmöbel bevorzuge. Mit ihrem Blick von außen gelinge es den Home Stagern, aus manchem schlichten Haus ein wahres Schmuckstück zu machen. Bedenklich, so der VPB weiter, werde die Verschönerung eines Hauses immer dann, wenn vor dem Verkauf fleckige Wände übergestrichen würden. Soweit dürfe das Aufhübschen der Immobilie nicht gehen. „Denn nicht jede Verfärbung ist nur ein reiner Schönheitsfehler. Oft genug sind Flecken auch Zeichen für Feuchteschäden oder Schimmelbefall.“ Wer beim Kauf einer Immobilie grundsätzlich auf Nummer Sicher gehen wolle, der solle zu einer Besichtigung immer einen unabhängigen Bausachverständigen mitnehmen, raten die Bauexperten.

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