Welche Versicherungen für Immobilienbesitzer sinnvoll sind

Die Bilder vor Augen, die gefahren im Kopf

Eine Unachtsamkeit, schon ist es passiert: das Haus steht in Flammen. Wer vernünftig versichert ist, kann dem Schaden seinen Schrecken nehmen – zumindest aus finanzieller Sicht. Foto: dpa

26.09.2021

Die Bilder vor Augen, die Gefahren im Kopf: Wir alle wissen nicht erst seit den Geschehnissen im Juli, welch dramatische Auswirkungen Starkregen und Überschwemmungen haben können. Von einer Sekunde auf die andere ist nichts mehr so, wie es mal war, von jetzt auf gleich bekommt unser Leben eine völlig andere Richtung. Auch ein Einbruch, ein Unfall oder ein Feuer fallen unter diese Kategorie. Auf Schadensereignisse vorbereiten können wir uns nicht, wohl aber Vorkehrungen treffen, die den Fall der Fälle erträglicher werden lassen. Denn nur wer gut versichert ist, kann einem Schadensereignis seinen Schrecken nehmen – zumindest aus finanzieller Sicht. Das gilt speziell für Immobilienbesitzer.

„Insbesondere die Immobilie selbst muss vom Eigentümer ausreichend versichert sein“, empfiehlt Elke Weidenbach, Referentin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale NRW. „Wird die Immobilie zum Beispiel durch einen Sturm beschädigt oder gar zerstört, bedeutet das für den Eigentümer des Gebäudes bei fehlendem Versicherungsschutz den finanziellen Ruin.“ Versicherungen sind aber nicht nur wichtig, sondern oft auch wichtige Voraussetzung – zum Beispiel bei Banken, die die Objekte in der Regel finanzieren und eine entsprechende Absicherung fordern.

Wie wichtig Versicherungen in der Tat sind, spiegelt auch der Jahresbericht 2019/2020 des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft wider. Dort heißt es, dass für die Versicherer alleine im Bereich der Wohngebäudeversicherung von 2002 bis 2019 ein Schadenaufwand von 77 Milliarden Euro angefallen ist. Davon wiederum entfallen 38 Milliarden Euro, also knapp die Hälfte des Gesamtbetrages, auf Leitungswasserschäden, also kleinere und größere Wasserschäden im oder am Haus. Das ist insofern bemerkenswert, da sie deutlich weniger mediale Aufmerksamkeit erhalten als Sturm- und Hagelschäden. Insofern nehmen wir sie auch weniger wahr.

Und noch eine Zahl demonstriert die Dimension der Branche: Insgesamt 523 Versicherungsunternehmen wurden im vergangenen Jahr unter Bundesaufsicht gezählt. Im Dschungel ihrer Angebote den Überblick zu bewahren beziehungsweise einen solchen überhaupt erst einmal zu bekommen, ist alles andere als einfach. Schließlich ist Versicherung nicht gleich Versicherung. Das nicht immer überschaubare Konstrukt schreckt offenbar viele ab – nicht anders ist die Aussage von Experten zu deuten, dass ein großer Teil der deutschen Haushalte nicht ausreichend gegen existenzielle Risiken abgesichert ist.

Sich sinnvoll und gut versichern ist aber von existenzieller Bedeutung, mahnt Elke Weidenbach. Die ausgebildete Volljuristin empfiehlt Immobilienbesitzern in den meisten Fällen, den Hausrat – also alles, was aus der Immobilie getragen werden kann – zu versichern. Auf einen solchen Schutz verzichten sollte man nur dann, wenn der gesamte Hausrat ohne große finanzielle Belastungen ersetzt werden kann. Und das ist in der Regel seltenst der Fall. Auch rät sie – und das allen Verbrauchern – zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung, die Schäden anderer übernimmt, wenn diese zum Beispiel in der Immobilie stürzen. Wichtig aus Sicht der Expertin: Eigentümer einer Immobilie sollten auf jeden Fall eine Wohngebäudeversicherung mit einer Elementarschadenversicherung abschließen, sie ist aus ihrer Sicht unverzichtbar. Warum sie wichtig ist und welche weiteren Versicherungen abgeschlossen werden sollten, erklärt Elke Weidenbach in einer kurzen Übersicht.

• Der Eigentümer der Immobilie sollte auf jeden Fall eine Wohngebäudeversicherung mit einer Elementarschadenversicherung abschließen. Aufgrund des hohen finanziellen Risikos im Fall eines Schadens ist sie fast unverzichtbar und wird auch von der finanzierenden Bank verlangt.
• Derjenige, der die Immobilie bewohnt, also der Eigentümer oder Mieter, kann seinen Hausrat über eine Hausratversicherung und – abhängig beispielsweise von der Lage der Wohnung – eine Elementarschadenversicherung versichern. Wichtig ist sie gerade dann, wenn der Hausrat nicht ohne große Belastungen neu angeschafft werden kann.
• Bewohnt ein Eigentümer sein Einfamilienhaus selbst, reicht der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung. Sollte dort jemand dann einen ersatzpflichtigen Schaden erleiden, tritt die private Haftpflichtversicherung ein. Der Eigentümer einer Immobilie sollte für weitere Risiken, wie beispielsweise einen Öltank oder eine Photovoltaikanlage, für den weiteren Haftpflichtversicherungsschutz sorgen.
• Vermietet der Eigentümer seine Immobilie, sollte er eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung abschließen.
• Für den Mieter eine Immobilie reicht hingegen eine Private Haftpflichtversicherung.

Wer sich richtig versichern möchte, sollte nicht nur Angebote vergleichen, sondern die jeweiligen Vertragsinhalte auch genauestens überprüfen, schließlich kann es zu erheblichen Unterschieden kommen. Beispiel Einbruch: Hier ersetzt der Hausratversicherer grundsätzlich zwar auch gestohlene Wertsachen, allerdings gibt es dabei in Verträgen eine Höchstgrenze – und die liegt oft bei 20 Prozent der Versicherungssumme. Heißt: Beträgt die Versicherungssumme für den Hausrat zum Beispiel 100.000 Euro, sind Wertsachen bis 20.000 versichert. „Diese Grenze kann aber schnell überschritten werden, da auch Schmuck, Bargeld, Briefmarken, Münzen, Antiquitäten oder auch Uhren aus Platin beziehungsweise Gold dazugehören“, erklärt die Versicherungsexpertin.

Darüber hinaus seien in den Verträgen auch Grenzen für Wertsachen enthalten, die nicht besonders geschützt sind, die also nicht in einem Tresor oder an einem sicheren Ort gelagert werden. Bargeld selbst ist in der Regel auf etwa 1500 Euro begrenzt. „Werden 3000 Euro entwendet, Dabei steckt der Teufel oft im Detail, weshalb eben vor jedem Vertragsabschluss auch eine ausführliche Beratung erfolgen sollte. Die Fachfrau der Verbraucherzentrale nennt ein weiteres Beispiel. Der klassische Rasenmäher, soweit nicht versicherungspflichtig, sei zwar über die Hausratversicherung mitversichert, bei Gartenhütten oder teuren Gartenhecken wiederum komme es darauf an, ob diese im Vorfeld in den Gebäudeversicherungsvertrag mit aufgenommen wurden. „Am besten versichert man sich ab dem Erwerb einer Immobilie“, empfiehlt die Verbraucherschützerin. „Schließt man eine Elementarversicherung mit ab, hat man oft noch etwas Wartezeit.“ Wichtig sei bei alledem, noch möglichst vor Vertragsabschluss einen Gesamtwert zu ermitteln.

„Die Inhalte der einzelnen Tarife sollten im Idealfall über Vergleiche zum Beispiel mit der Stiftung Warentest oder mit den Verbraucherzentralen festgestellt werden. Dann gilt es zu entscheiden, was benötigt und was gewollt wird – und erst dann sollte man den Vertrag beim Versicherer abschließen beziehungsweise die Angebote mehrerer Versicherer einholen, um sie miteinander vergleichen zu können.“

Wer eine sinnvolle und gute Versicherung finden und für sich nutzen möchte, sollte Zeit investieren. Im Vorfeld irgendeiner Entscheidung. „Ich kann nur dazu raten, sich vor Vertragsabschluss unbedingt mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich gründlich zu informieren – und das am besten an verschiedenen Stellen.“ Michael Wetter
  

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