Betriebsprüfung

Wenn das Finanzamt kommt

  • Kommt der Betriebsprüfer ins Haus, kann das am Ende für ein Unternehmen eine steuerliche Mehrbelastung zur Folge haben. Foto: Pixabay

Früher oder später trifft es jedes Unternehmen: Nach der Prüfungsanordnung steht die Außenprüfung durch das Finanzamt an. Wenn die Betriebsprüfer alle relevanten Unterlagen genau durchsehen, kann das unangenehm sein. Denn nicht immer wissen Unternehmen, Selbstständige oder Freiberufler, wie sie neue Gesetze und Änderungen in Rechtsprechung und Verwaltungspraxis korrekt anwenden müssen. Eine Studie hat die Standardthemen und aktuellen Entwicklungen bei der Betriebsprüfung untersucht.

Kündigt das Finanzamt eine Betriebsprüfung - korrekt eigentlich als „Außenprüfung“ bezeichnet - an, bedeutet das noch lange nicht, dass Unregelmäßigkeiten vorliegen. Grundsätzlich kann die Finanzbehörde bei jedem Steuerpflichtigen, der Einkünfte aus Gewerbebetrieb, selbstständiger Arbeit oder Land- und Forstwirtschaft erzielt, eine solche Prüfung anordnen. Ziel ist die Untersuchung und Bewertung der Verhältnisse eines steuerpflichtigen Unternehmens. Dabei liegt der Fokus einer Außenprüfung auf einer oder mehreren Steuerarten, einem oder mehreren Besteuerungszeiträumen oder bestimmten Sachverhalten. Statistisch gesehen kommen die Prüfungen bei großen und mittelgroßen Unternehmen am häufigsten vor. Doch auch Kleinunternehmer können Besuch von der Finanzverwaltung bekommen.


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In jedem Fall aber kostet eine solche Prüfung Zeit und Nerven. Und: Am Ende kann der Besuch des Außenprüfers eine Mehrbelastung zur Folge haben. Eine Studie eines Wirtschaftsprüfungsunternehmens zu den aktuellen Entwicklungen bei der Betriebsprüfung ergab, dass drei von vier befragten Unternehmen im Anschluss Steuern nachzahlen mussten. Befragt wurden 209 Steuer- und Finanzexperten aus mittelständischen (bis 500 Mitarbeiter) und größeren Unternehmen (2000 und mehr Mitarbeiter). Bei 28 Prozent der geprüften Unternehmen lagen diese bei 100.000 bis 500.000 Euro, 17 Prozent mussten 500.000 bis eine Million Euro nachzahlen. Zwar setzen viele Unternehmen angesichts der Herausforderung, immer neue Gesetze, Rechtsprechung und Verwaltungspraxis richtig anzuwenden, auf das Beratungsangebot externer Steuerberater – Unterstützung im Rahmen der Betriebsprüfung nahmen laut Studie aber nur 3,4 Prozent der befragten Firmen in Anspruch.

Insgesamt bewertete die Mehrheit der Unternehmen das Klima beim Besuch des Betriebsprüfers als sachbezogen: 48 Prozent bezeichneten den Ton als „sachlich-neutral“, nur 21 Prozent beschrieben ihn mit „freundlichentspannt“. Das waren vor einigen Jahren noch mehr gewesen: Bei einer Vorgängerstudie zum gleichen Thema im Jahr 2015 empfanden immerhin 49 Prozent das Klima bei der Prüfung als „freundschaftlich-entspannt“.

Worauf hat das Finanzamt ein Auge? Laut der Studienautoren prüft die Behörde bei den Ertragssteuern häufig Standardthemen. Rückstellungen sind dabei am relevantesten und führen beim Steuerbescheid sehr häufig zu Mehrbelastungen. 69 Prozent der Unternehmen mit bis zu 1999 Mitarbeitern äußerten sich so, bei Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern waren es mit 71 Prozent etwas mehr.


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Ein weiteres Thema, das laut Studie nach der Sichtung der Unterlagen durch das Finanzamt häufig zu Nachzahlungen führt, ist die Bewertung von Anlage- oder Umlaufvermögen: Dies traf auf 71 Prozent der mittleren Unternehmen zu, bei den größeren Betrieben waren es 67 Prozent. Der Aufwand aus Bewirtung oder Geschenken ist ebenfalls relevant bei der Ertragssteuer: Bei 73 beziehungsweise 64 Prozent der mittleren beziehungsweise größeren Unternehmen kam es dabei zu einer Anpassung der Steuerlast durch das Finanzamt.

In der Wahrnehmung von Beratern und Unternehmen prüfen die Mitarbeiter der Finanzbehörde die Umsatzsteuer besonders häufig – sie ist eine der Haupteinnahmequellen der Betriebsprüfung in Deutschland. Die Studie bestätigt diesen Eindruck: 72 Prozent der befragten Unternehmen sagten, dass sie einmal oder mehrmals mit Umsatzsteuerbezug vom Finanzamt überprüft worden seien – davon 51 Prozent Umsatzsteuerprüfungen und 21 Prozent Umsatzsteuersonderprüfungen. Dies ist ein signifikanter Anstieg im Vergleich zur Vorgängerstudie von 2015. Damals äußerten sich noch 40 Prozent der steuerpflichtigen Unternehmen so.

Auch die Art und Weise der Betriebsprüfung unterliegt einem Wandel. So zeigt die Studie, dass die Prüfung der Umsatzsteuer inzwischen häufig systemisch, also als computergestützte Analyse, erfolgt: Nur noch 21 Prozent der geprüften steuerpflichtigen Unternehmen gaben an, das sie vom Finanzamt noch mittels Belegprüfung gecheckt worden seien. Dies werten die Studienautoren als Indiz dafür, dass die Finanzverwaltungen die Digitalisierung der Umsatzsteuer und ihrer Prüfung vorantreiben. Allerdings seien in Deutschland die technologischen Entwicklungen noch nicht so weit wie im Ausland. In anderen Ländern seien Real Time Reporting (Echtzeit-Meldungen), Standardformate für Buchhaltungsdaten (Standard Audit File for Taxes, kurz SAF-T), aber auch verpflichtende elektronische Rechnungsstellungen innerhalb weniger Tage Standard. ots
   

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