Nachhaltigkeit am Finanzmarkt

Geldanlagen mit Verantwortung

  • Trend am Finanzmarkt: Nachhaltige Investments gewinnen immer mehr an Bedeutung. Foto: Pixabay

Bei Geldanlagen spielen soziale, ethische und ökologische Aspekte für Investoren eine immer größere Rolle. In einer aktuellen Umfrage zeigten sich 87 Prozent der befragten Banken und Finanzdienstleister davon überzeugt, dass nachhaltiges Investment zunehmend an Bedeutung gewinnen werde. Das ergab eine Studie mit dem Titel „Nachhaltige Geldanlagen 2019“, für die 160 Finanzexperten befragt wurden.

Noch gehören grüne Geldanlagen zu den Nischenprodukten. Nachhaltige Fonds und Mandate erreichten zum Beispiel 2018 gerade mal einen Marktanteil von 4,5 Prozent. Aber Finanzexperten sind sich einig: Immer mehr Investoren werden in den kommenden Jahren ihre Portfolios umschichten. Vor allem institutionellen Anlegern wird zugetraut, Umwelt- und Governance-Themen voranzutreiben. Laut der Studie „Nachhaltige Geldanlagen 2019“, erstellt von einem Unternehmen des Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands in Zusammenarbeit mit einem deutschen Banken-Beratungsunternehmen, erwartet jeder dritte Befragte, dass der Marktanteil für nachhaltige Investments in dieser Gruppe bis 2025 auf mindestens 40 Prozent steigen wird.

Einig sind sich die Experten allerdings, dass der Anteil unter den Privatkunden geringer ausfallen wird. Sie sind sicher: Es sind vor allem die institutionellen Anleger, die verstärkt auf nachhaltige Geldanlagen setzen und dieser Produktpalette zum Durchbruch verhelfen. Gründe dafür sehen sie zum einen in strengeren Auflagen für Fonds, die vermehrt an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet sein müssen. Zum anderen finde in der Branche ein Umdenken statt. Die Studie belegt ein aufrichtiges Interesse an nachhaltigen Geldanlagen auf Seiten der Profis: 67 Prozent der Experten sagen, dass sie sich mit diesen Investments beschäftigen, um Verantwortung für einen nachhaltigen Wandel zu übernehmen. 85 Prozent gaben allerdings an, dass die Produktauswahl in diesem Bereich schwieriger sei.

Die gewachsene Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit am Finanzmarkt ist nach Angaben der Deutschen Bundesbank auch der Tatsache geschuldet, dass Investoren bei der Geldanlage neben Rendite, klassischen Risiken und Liquidität heute auch zunehmend die Risiken einbeziehen, die mit der mangelnden Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten verbunden sind. Eine dementsprechend geänderte Risikooptimierung führe dazu, dass für einen wachsenden Investorenkreis Anlagen mit einer – rein finanziell motivierten – Wertorientierung zunehmend mit solchen aus einer Werte orientierten Berücksichtigung von Nachhaltigkeitszielen übereinstimmen. Nach Analyse der Deutschen Bundesbank haben Finanzakteure auf den großen Investitionsbedarf für nachhaltige Projekte reagiert und stellen Nachhaltigkeitsaspekte immer häufiger in den Mittelpunkt ihrer Anlageentscheidungen. Dies zeige sich einerseits durch steigende Volumina bei grünen Anleihen und nachhaltigen Geldanlagen. Andererseits durch die wachsende Anzahl an Investoren, die sich durch die Unterzeichnung der Prinzipien für verantwortliches Investieren, den UN PRI (UN Principles of Responsible Investment zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsspekten) verpflichten.

Aber stehen grüne Investments und Rendite im Einklang? Zwei von drei Profis sehen laut Befragung darin keinen Zielkonflikt und sagen: Nachhaltigkeit geht nicht zulasten der Performance. Das Identifizieren und Klassifizieren von nachhaltigen Investments bleibt für die Bankenbranche jedoch eine Herausforderung: 85 Prozent der Finanzexperten geben an, dass für nachhaltige Investments die Produkt auswahl schwieriger sei. Und 72 Prozent glauben, dass umfangreichere Informationen benötigt werden – der Mehraufwand für diese Produkte schlägt sich in höheren Kosten nieder, und das belastet die Gesamtrendite.

Die Deutsche Bundesbank weist zudem darauf hin, dass die Begriffe Nachhaltigkeit und nachhaltige Geldanlage nicht eindeutig definiert sind und daher für Anleger und Emittenten gleichermaßen Interpretationsspielraum lassen. Zwar sei die EU bestrebt, mit ihrer Taxonomie – einem Klassifizierungssystem für nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten – einheitliche Anforderungen zu spezifizieren, derzeit gebe es aber es weder auf globaler oder europäischer noch auf nationaler Ebene ein Rahmenwerk, das es erlauben würde, nachhaltig angelegtes Kapital einheitlich und eindeutig zu kategorisieren und dementsprechend zu beziffern. Verlässliche Kennzahlen seien jedoch unabdingbar, um Finanzmarktakteure zu befähigen, Chancen und Risiken verschiedener Investments angemessen zu evaluieren und der Kapitalallokationsfunktion des Finanzmarktes in effizienter Weise nachzukommen. ots
    

- Anzeige -
Friebe - Engels - Stolz GmbH
NRW. Bank
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.