Gründer und Steuern

Die Feinheiten im Blick

  • Existenzgründer müssen auf dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit vieles beachten – nicht zuletzt auch wichtige steuerliche Aspekte. Foto: Pixabay

Wenn Existenzgründer sich für den Weg in die berufliche Selbstständigkeit entscheiden, müssen sie nicht nur um Kunden und Aufträge kämpfen. Sie sollten auch von Beginn an die steuerlichen Aspekte ihrer Tätigkeit im Blick haben. Denn neben steuerlichen Pflichten gibt es auch verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für Existenzgründer, die man schon vor dem endgültigen Schritt in die Selbstständigkeit kennen sollte. Genaue Planung ist das A und O.

Beim Schritt in die berufliche Selbstständigkeit lauern so manche Fallstricke – einer kann das Thema Steuern sein. Und das nicht erst, wenn das neue Unternehmen seine Arbeit aufgenommen hat. Denn schon bevor es losgeht, möchte das Finanzamt von der neuen Selbstständigkeit erfahren. Meldet man sich als Gewerbetreibender bei dem Gewerbeamt an, erfährt das Finanzamt automatisch von der Existenzgründung und sendet einen Fragebogen zu, um den Gründer steuerlich erfassen zu können. Freiberufler hingegen sind selbst in der Pflicht, sich dem Finanzamt zu melden. Hier gibt es bereits den ersten Unterschied: Freiberufler genießen im Steuerrecht Vorteile. Sie müssen für ihre Einkünfte keine Gewerbesteuer zahlen.

– Nicht weniger wichtig: die Rechtsform. Je nachdem, welche Rechtsform man für seine Unternehmung wählt, fallen unterschiedliche Steuern an. Hier gilt es, die Details im Blick zu behalten. Welche Gestaltung individuell am vorteilhaftesten ist, bedarf oftmals der sachkundigen Beratung durch einen Fachmann.

– Unabhängig von der jeweiligen Rechtsform ist die Erhebung der Umsatzsteuer. Mit ihr werden sowohl Waren als auch Dienstleistungen besteuert. Dabei beträgt der Regelsteuersatz 19 Prozent. Ein ermäßigter Satz von 7 Prozent gilt für ausgewählte Waren des Grundbedarfs. Manche Selbstständige müssen je nach Art der Dienstleistung, die sie erbringen, mal 7 und mal 19 Prozent Umsatzsteuer berechnen – hier sollte man sich vorher schlau machen. Denn wenn das Finanzamt beispielsweise eine zu niedrige Ausweisung der Umsatzsteuer feststellt, muss die Differenz nachgezahlt werden.


Sommer & Partner mbB Steuerberater

– Als Unternehmer kann man für Rechnungen für den Einkauf von Waren und Dienstleistungen die Umsatzsteuer als Vorsteuer vom Finanzamt zurückerhalten. Dies erfolgt im Rahmen der Umsatzsteuer-Voranmeldung. Ab dem Zeitpunkt der Unternehmensgründung ist man verpflichtet, regelmäßig Umsatzsteuer-Voranmeldungen beim Finanzamt einzureichen. Ausnahmen gelten für Kleinunternehmer. Es ist möglich, sich von der Unternehmenspflicht befreien zu lassen. Das geht, wenn der Umsatz im laufenden Jahr 22.000 Euro nicht überschreitet und im Folgejahr voraussichtlich nicht über 50.000 Euro liegen wird. Die sogenannte Kleinunternehmerregelung gilt dann für fünf Jahre.

– Eine weitere wichtige Steuer für Selbstständige ist die Einkommensteuer. Sie richtet sich nach der Höhe der Einnahmen – abzüglich der beruflichen Ausgaben. Bei der Berechnung des Einkommensteuersatzes geht das Finanzamt im ersten Jahr der Selbstständigkeit von den Angaben aus, die der Gründer im Rahmen der steuerlichen Erhebung über seinen erwarteten Gewinn gemacht hat. Das Finanzamt legt jährlich eine bestimmte Summe fest, die als Vorauszahlung geleistet werden muss. Hier heißt es, frühzeitig aufzupassen: Es kann dauern, bis man nach der Unternehmensgründung den ersten Steuerbescheid erhält. Dabei können unerwartete Steuernachzahlungen auf das junge Unternehmen zukommen, die möglicherweise so leicht nicht zu stemmen sind. Grund dafür sind meist zu niedrig veranschlagte Vorauszahlungen.

– Personengesellschaften wie zum Beispiel die GbR unterliegen nicht der Einkommensbesteuerung. Allerdings sind die einzelnen Gesellschafter steuerpflichtig – sie müssen ihren Anteil am Gewinn angeben und versteuern.

– Gewerbesteuer zahlt jeder Selbstständige, der ein Gewerbe angemeldet hat. Freiberufler sind von dieser Steuer ausgenommen. Die Höhe der Gewerbesteuer ist zum einen von den Erträgen der Unternehmung abhängig, zum anderen vom Hebesatz der Gemeinde, in der der Firmensitz liegt. Da dieser Hebesatz von der Gemeinde individuell festgesetzt wird, kann die Wahl des Firmenstandorts durchaus steuerliche Auswirkungen haben.

– Die Körperschaftsteuer ist als eine Form der Einkommensteuer für juristische Personen wie Kapitalgesellschaften anzusehen. Sie wird auf den Gewinn von Kapitalgesellschaften, etwa AG, GmbH oder KGaA, erhoben. Diese Steuer muss pro Quartal vorausgezahlt werden. Dabei sollte man beachten, stets über genügend Liquidität zur Zahlung der Steuer zu verfügen. Läuft das Geschäftsjahr besser als erwartet, sollte man bereits während des Jahres Geld für Steuernachzahlungen und höhere Vorauszahlungen der Körperschaftsteuer im Folgejahr zurücklegen.

– Sind im neu gegründeten Unternehmen Mitarbeiter beschäftigt, fallen zusätzlich Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an.

Fazit: Je nachdem welche Rechtsform der Gründer für seine Unternehmung gewählt hat, fallen unterschiedliche Steuern an. Um den Gewinn zu optimieren, sollte man daher die steuerlichen Feinheiten genau beachten – gegebenenfalls mit individueller Beratung eines Experten. BMWi/aro
    

- Anzeige -
Startpunkt57
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.