EHRENAMT: Ob im Seniorenbeirat oder als „Heinzelwerker“: Viele ältere Menschen setzen sich auf den unterschiedlichsten Wegen für andere ein

Engagement im Ruhestand

Wer auch im höheren Alter Lust hat, sich ehrenamtlich zu engagieren, findet dazu zahlreiche Möglichkeiten. Viele Vereine und Einrichtungen sind froh über die Unterstützung. Foto: dpa

11.06.2021

Es ist „das Gefühl, etwas bewirken und zurückgeben zu können“.

Wer sich im Alter ehrenamtlich engagieren möchte, ist herzlich willkommen: Zahlreiche Einrichtungen, Vereine, Verbände oder Institutionen freuen sich über helfende Hände, ohne die viele Aufgaben gar nicht zu bewältigen wären. Auch in der Stadt Siegen, in der die SZ stellvertretend nachfragte, steuern Senioren mit Begeisterung ihr Wissen und Knowhow bei. Zwar hat die Corona-Pandemie so manches Engagement erschwert, die Hilfsbereitsschaft jedoch ist nach wie vor ungebrochen groß.

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„In Siegen wenden das ganze Jahr über ehrenamtlich aktive Menschen ihre Zeit, ihr Engagement, ihre Zuwendung für andere auf. Zum Beispiel für Mitmenschen, die in akute Not geraten sind, die Hilfe benötigen, die sozial schwach oder krank sind. 2009 ist in Siegen als einer der ersten Städte in Nordrhein-Westfalen die Ehrenamtskarte eingeführt worden. Neun Jahre nach der Einführung wurde bereits die 1000. Karte verliehen. Im landesweiten Vergleich mit gleichgroßen Städten gehört Siegen damit zu den absoluten Spitzenreitern“, freut sich Brigitte Burk. Auch die 70-Jährige ist mit Begeisterung als Ehrenamtlerin aktiv. Nach über 40-jähriger Beschäftigung im Öffentlichen Dienst fühlte sie sich zu jung, um in der Altersteilzeit untätig zu sein. „Aus diesem Grund habe ich mich 2012 zur Wahl für den Seniorenbeirat aufstellen lassen.“ Seit sechs Jahren ist Brigitte Burk zudem als „Grüne Dame“ am Diakonie-Klinikum Jung-Stilling tätig und steht hier Patienten begleitend zur Seite. „Das Gefühl, einem Menschen etwas Gutes getan zu haben, möchte ich nicht mehr missen“, erklärt sie ihre Beweggründe.


"Der größte Feind im Alter ist die Einsamkeit."

Ernst Göckus
Siegener Seniorenbeirat


Ebenso geht es ihren Mitstreitern: „Vor der Pandemie haben wir über 2000 Fälle bearbeitet“, berichtet Karl-Adolf Fries vom Heinzelwerk Siegen. Die Nachbarschaftshilfe unter dem Dach der Stadt Siegen, Regiestelle „Leben im Alter“, wurde 2012 gegründet und hilft älteren und kranken Menschen kostenfrei bei kleinen, handwerklichen Arbeiten oder Handreichungen. Karl-Adolf Fries engagiert sich hier schon seit vielen Jahren gemeinsam mit rund 20 weiteren Ehrenamtlern. „Die Freude und der Dank der Menschen sind die Motivation für unsere Tätigkeit“, erklärt er.

Wie wichtig ihr Engagement ist, hat auch Antonie Dell erfahren. Seit fast 20 Jahren gibt die Siegenerin ihr Wissen im Bereich Internet und PC, Tablet sowie Smartphone an Interessierte weiter. Im Verein Alter Aktiv Siegen-Wittgenstein ist Antonie Dell für das Internetcafé „Senec@fé, Treffpunkt Neue Medien“, zuständig. „Der Verein Alter Aktiv hat schon bei der Gründung festgelegt, dass diese Arbeit sehr wichtig ist, damit ältere Menschen nicht von den technischen Entwicklungen abgehängt werden. In den letzten Jahren sind diese Entwicklungen unglaublich schnell erfolgt und wir werden immer abhängiger davon“, berichtet sie. „Wir erhalten eine hohe Anerkennung für unsere Arbeit. Am schönsten ist es, wenn wir in glückliche Augen sehen, weil unsere Besucher wieder etwas Neues gelernt haben und einen Nutzen darin erkennen. Oder wenn wir ihre IT-Probleme lösen konnten.“

Wunsch, in einer Gemeinschaft mitzuarbeiten und sich auf Augenhöhe mit anderen zu engagieren. „Wer ehrenamtlich arbeiten möchte, sollte das vielleicht einfach mal probeweise tun.“ Gute Voraussetzungen hierfür seien beispielsweise Freude und Interesse an der Arbeit, Zeit, Teamfähigkeit, Beharrlichkeit, aber auch die Fähigkeit, mit Misserfolgen umgehen zu können, sagt Ernst Göckus.

Und wie steht es in der Zukunft um das Ehrenamt? „Das Ehrenamt wird stärker in Anspruch genommen werden müssen, da viele Dienstleistungen durch ehrenamtliche Kräfte erledigt werden müssen“, meint Karl-Adolf Fries. Die Alterspyramide werde sich immer weiter nach oben verschieben, um so mehr sei auch eine Steigerung der ehrenamtlichen Tätigkeiten möglich und erforderlich, so Ernst Göckus. Und: „Es ist auch ganz sicher so, dass ohne die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter in Vereinen und Organisationen der bürgerschaftliche Zusammenhalt kaum noch gewährleistet werden kann. Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die sich um andere kümmern und ihnen eine Perspektive aufzeigen, wie sie selber noch erfüllt leben bzw. im Ruhestand noch neue Hobbys entdecken können“, meint Antonie Dell. In vielen Kommunen gebe es Ansprechpartner für das Engagement, auch sie könnten bei der Umsetzung von Ideen oder der Klärung von Fragen weiterhelfen, so Brigitte Burk. Katja Wehmeyer, kano

   

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