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INKONTINENZ: Regelmäßige Toilettengänge fördern Kontinenz Pflegebedürftiger

Seelisch sehr belastend

  • Inkontinenz ist häufig mit Scham besetzt – vor allem in der häuslichen Pflege. Es hilft aber Betroffenen und Pflegenden, das Thema anzusprechen. Foto: dpa

dpa. Viele ältere und pflegebedürftige Menschen sind inkontinent. Das zieht nicht nur gesundheitliche Probleme nach sich, es kann auch seelisch sehr belastend sein, informiert das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP).

Die Pflegeexperten raten Betroffenen, zunächst mit dem Arzt über ihre Inkontinenz zu sprechen. Denn häufig lasse sie sich lindern oder sogar heilen. Pflegende Angehörige können zudem darauf achten, dass Betroffene regelmäßig – etwa alle zwei bis drei Stunden – auf die Toilette gehen. Das fördere die Kontinenz, heißt es in dem neuen Ratgeber „Inkontinenz“ des ZQP.


Viele Betroffene schämen sich, oft ist Pflegenden der Umgang damit ebenfalls unangenehm. Was hilft: offen darüber zu sprechen.


Die Toilette sollte gut erreichbar sein. Stolperfallen auf dem Weg dorthin gilt es zu beseitigen. Rutschfeste Hausschuhe oder Socken helfen, Stürzen auf dem Weg ins Bad vorzubeugen. Beim Toilettengang selbst sollte Stress vermieden werden. Inkontinenzprodukte wie Vorlagen liegen am besten immer bereit. Außerdem ist es wichtig, dass Pflegebedürftige ausreichend Zeit auf der Toilette haben. Sinnvoll sei auch, auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, genügend Schlaf und viel Bewegung zu achten. Eine gesunde Lebensweise könne einer Inkontinenz nämlich vorbeugen oder sie lindern.

Generell hilfreich ist es dem Ratgeber zufolge, so offen wie möglich mit dem Thema Inkontinenz umzugehen. Nur wenn Pflegende wissen, was dem Pflegebedürftigen Probleme bereitet, können sie sich um passende Hilfsmittel kümmern und im Alltag unterstützen.

Dem ZQP zufolge sind unter den Pflegebedürftigen, die von einem Pflegedienst betreut werden, über 60 Prozent von einer Harninkontinenz betroffen – das seien rund 400 000 Menschen. In den Pflegeheimen sei der Anteil noch größer.


Es geht um Plan B

Rechtzeitig Gedanken machen über mögliche Veränderungen

dpa. Es kann ganz plötzlich passieren: Jemand stürzt, muss ins Krankenhaus und kommt nicht mehr auf die Beine. Dann steht das Wort Pflegebedürftigkeit im Raum. Doch darüber, was in so einem Fall zu tun ist, haben viele vorher noch nie nachgedacht.

„Ein Großteil der älteren Menschen geht davon aus, dass sie bis zum Schluss schon irgendwie zurechtkommen werden“, sagt Marion Bär vom Kompetenzzentrum Alter der Universität Heidelberg. Trotzdem lohne es sich, den Gedanken zuzulassen, dass es auch anders kommen kann. „Es geht um einen Plan B.“

Dafür sprechen zum einen die Zahlen, sagt Bär: Die Menschen werden immer älter. Gleichzeitig steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden, ab 80 Jahren deutlich. Zum anderen baut es Ängste ab, wenn man sich mit dem Thema einmal auseinandersetzt und Dinge bis zu Ende denkt.

„Ein Beispiel: Ich begleite eine ältere Dame, die lebt noch ganz gut zu Hause und möchte auch, dass das so bleibt. Aber sie hat sich trotzdem schon mal mit mir zusammen ein Pflegeheim ausgesucht.“ Das sei für die Frau eine Beruhigung, sagt Bär. „Denn sie weiß: Wenn was ist, dann komme ich nicht irgendwo hin.“

Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich über solche Sachen Gedanken zu machen? Es gibt eine Frage, die sich laut Bär unabhängig vom Alter stellt: Wenn ich mal in meiner Selbstbestimmung eingeschränkt sein sollte – wer soll dann für mich sprechen? Jemand aus der Familie, ein Freund, oder lieber jemand von außen? Einen Unfall kann jeder haben. In einer Betreuungsverfügung lässt sich für so einen Fall jemand benennen, der die eigenen Interessen vertritt.

„Hat man eine solche Person gefunden, dann sollte man miteinander reden“, rät Bär. Der andere sollte ein Gefühl dafür bekommen, wie man zu bestimmten Dingen steht. Tritt ein Fall ein, den man nicht vorhergesehen hat, sollte der Bevollmächtigte eine Ahnung davon haben, wie man wohl selbst entschieden hätte.

Das Thema Pflegebedürftigkeit taucht dagegen oft auf, wenn jemand anderes betroffen ist – wie die eigenen Eltern. „Das ist ein guter Anlass, sich Gedanken zu machen: Würde ich es auch so haben wollen? Was hätte ich gern anders? Und was kann ich jetzt schon dafür tun?“

Älteren Menschen rät die Expertin, das favorisierte Pflegekonzept einmal genau durchzudenken und auch durchzurechnen. „Viele Leute sagen zu mir: Wenn es nicht mehr geht, dann hole ich mir halt eine osteuropäische Pflegekraft nach Hause. Aber wenn man sich damit beschäftigt, merkt man häufig, dass das gar nicht so einfach ist.“

Erstens bewegten sich solche Beschäftigungsverhältnisse oft am Rande der Legalität oder seien sogar rechtswidrig. Und bei auch nur halbwegs fairer Bezahlung sei ein solches Arrangement auch nicht billig. „Ich persönlich würde dann lieber in ein gutes Pflegeheim umziehen, auch wenn mich das meine Ersparnisse kostet. Dann bin ich gut versorgt und hocke nicht einsam zu Hause.“

Auch im Gespräch mit Angehörigen sei es hilfreich und entlastend, ein wenig ins Detail zu gehen. Was Bär zum Beispiel immer wieder erlebt: Jemand ist dement und wird von seinem Partner bis weit über dessen Grenzen der Belastbarkeit hinaus gepflegt. „Ich höre dann häufig: Ich will auf keinen Fall, dass mein Angehöriger in ein Pflegeheim muss.“

Bär stelle dann die Frage, ob der andere denn gewollt hätte, dass sich sein Partner komplett aufopfert? „Deswegen ist es gut, wenn man vorher mal über verschiedene Eventualitäten gesprochen hat.“
   

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