PRAXISBESUCH: Wann eine Begleitung zum Arzt sinnvoll ist

Keine Altersfrage

Geht es um eine komplexe Behandlung, können ältere Menschen darüber nachdenken, eine Vertrauensperson zum Arzttermin mitzunehmen. Foto: dpa

13.01.2021

Angehörige von älteren Menschen überlegen oft, ob sie ihre Lieben nicht beim Praxisbesuch begleiten sollten.

Arztbesuche bringen oft eine Menge Informationen und manchmal wichtige Entscheidungen mit sich. Wenn Mutti oder Vati älter werden, überlegen viele deshalb, ob sie ihre Eltern nicht in die Praxis oder ins Krankenhaus begleiten sollten. Doch wann ist das sinnvoll und vielleicht auch nötig? Und wie überzeugt man die Älteren davon? Prinzipiell könne eine Begleitung Sinn machen, sagt der Altersmediziner Prof. Hans Jürgen Heppner. „Wer etwa Schmerzen hat, versteht oft nicht alles und bringt manche Zusammenhänge durcheinander.“


"Wer etwa Schmerzen hat, versteht oft nicht alles und bringt manche Zusammenhänge durcheinander."

Prof. Hans Jürgen Heppner
Altersmediziner


Und auch direkt nach einer schweren Diagnose kann die Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkt sein, so dass Patienten in der Folge wichtige Infos nicht mitbekommen. „Eine Person, die dabei ist und sich das merken kann, ist da durchaus hilfreich.“ Aber, stellt Heppner klar, am Lebensalter ist die Entscheidung nicht festzumachen. Ob jemand zum Arzt begleitet werden sollte oder nicht, hängt nach Einschätzung des Mediziners stattdessen ganz wesentlich von zwei anderen Aspekten ab: „Wie gut kann derjenige Gesprächen noch folgen und wie komplex ist die Behandlung, um die es geht – beziehungsweise wie sehr beeinflusst sie das künftige Leben?“

Es macht demnach zum Beispiel einen Unterschied, ob es nur um eine Umstellung bei den Entwässerungstabletten geht oder etwa um eine neue Diabetes-Behandlung. Wichtig ist, dass sich die Älteren durch die Anwesenheit der Angehörigen nicht bevormundet fühlen. Man sollte vorher ein einfühlsames Gespräch führen, rät der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie. Man könnte es zum Beispiel so formulieren: „Ich komme mit und passe dort ein bisschen mit auf. Und dann können wir danach eine gemeinsame Entscheidung treffen.“ Was nicht außer Acht gelassen werden darf: Es ist immer zwingend das Einverständnis des Patienten nötig, zumindest mündlich. „Das mache ich auch so und frage etwa bei der Visite, ob Angehörige, die dabei sind, jetzt zuhören und gegebenenfalls mitbestimmen dürfen. Das notiere ich dann“, erzählt Heppner, der als Chefarzt der Geriatrie am Helios Klinikum in Schwelm (NRW) arbeitet.

In dem Zusammenhang lohnt es sich – nicht nur für ältere Menschen –, darüber nachzudenken, frühzeitig solche Befugnisse in einer Vorsorgevollmacht zu regeln, für den Fall, dass man schwer krank ist. „Dann ist das legitimiert“, sagt Heppner. Unangemeldet mit zum Termin kommen sollten Angehörige lieber nicht. Wenn der Arzt vorher darüber Bescheid weiß, dass jemand dabei ist, sei das netter für den Mediziner, sagt Heppner. Das öffne viele Türen. Seiner Erfahrung nach dauern Termine oft länger, wenn Patienten in Begleitung kommen – doch oft lohne sich das auch, weil die Angehörigen mehr über den Alltag des Patienten wüssten. „Aus meiner Sicht ist das jemand, mit dem ich auch sprechen kann, und der im Zweifel zusätzlich positiv auf den Patienten einwirken kann.“

Als Störenfriede, die einem ins Handwerk eingreifen wollen, sieht der Mediziner Begleitpersonen keinesfalls. Vielmehr seien der Angehörige und der Arzt zwei Menschen, die sich dafür interessieren, dass es dem Patienten oder dem Vati oder der Mutti gut geht. „In aller Regel ist das hilfreich.“ dpa

Tipps für einen besseren Nachtschlaf

Nur weil jemand bettlägerig ist, muss er noch lange nicht ständig schlafen. Im Gegenteil: Wenn Pflegebedürftige nicht ein- oder durchschlafen, sollten sie besser auf den Mittagsschlaf verzichten. Zumindest sollte dieser nicht länger als 30 Minuten dauern, rät das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Tagsüber sollte es in der Wohnung am besten hell sein. Und wem es möglich ist, der geht öfter mal nach draußen: Auch das ist gut für den Nachtschlaf. Pflegende Angehörige können den Abend zudem so gestalten, dass ein- und durchschlafen leichter fällt: Schwere Mahlzeiten und große Trinkmengen sind vor dem Zubettgehen tabu. Stattdessen helfen Rituale wie Vorlesen oder ein warmes Fußbad, um sich auf die Nacht einzustimmen. Pflegende Angehörige können außerdem herausfinden, was genau den Schlaf stört: Sind es vielleicht Angst, Schmerzen oder feuchtes Inkontinenzmaterial? dpa


Spaziergang zu fester Zeit

Jeder Alzheimer-Erkrankte ist anders. Je nachdem, ob es sich um das Frühstadium mit nur leichten Gedächtniseinbußen handelt oder um ein späteres Stadium, bei dem der Patient nur noch im Bett liegt. Doch gerade in unruhigen Zeiten braucht ein an Alzheimer erkrankter Mensch klare Tagesstrukturen. Darauf weist der Verein Alzheimer Forschung Initiative (AFI) hin. Das können die Mahlzeiten oder der Spaziergang zur immer gleichen Zeit sein. Beim Spaziergang sollten Alzheimer-Patienten allerdings stets begleitet werden. Am besten sind Wege, wo möglichst wenige Menschen unterwegs sind. Die gesamte Situation mit allem, worauf zu achten ist, sollte man Menschen mit Alzheimer so einfach wie möglich erklären. dpa
    

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