Der moderne Garten ist eine Mischung aus allem – und natürlich individuell

Von Glanymispeln und Zisternen

01 Das Grün ums Haus – und damit auch gemütliche Sitzecken – haben in den vergangenen Jahren ungemein an Bedeutung gewonnen. Foto: unsplash

14.07.2021

Sommer bedeutet Freiheit. Freizeit. Kurze Sachen anziehen. Laue, gemütliche Abende. Grillen. Und natürlich kühle Getränke. Sommer bedeutet Garten und Genießen. Wer einen Garten hat, lebt schon im Paradies, heißt es nicht umsonst. Das hat Gründe. „Themen wie Gesundheit, gesunde Ernährung und Erholung liegen zurzeit im Trend – all das finde ich, wenn ich möchte, auch im eigenen Garten“, weiß Ludwig Scheidtmann aus Marl. Das Grün hinter dem Haus habe in den vergangenen Jahren ungemein an Stellenwert gewonnen, wozu auch die Pandemie zuletzt ihren Beitrag geleistet habe, sagt das Präsidiumsmitglied im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen. „Alle haben gemerkt, dass man wegen der Beschränkungen nicht mehr so einfach raus kommt. Wer in den zurückliegenden Wochen und Monaten einen Garten hatte, war also klar im Vorteil.“ 
    

Der Garten dient als Rückzugsort. Nach wie vor möchte nicht jeder von uns verreisen, viele bleiben auch in diesem Jahr lieber zuhause. „Gerade jetzt merken sie: Im Garten geht ja noch viel mehr, hier kann ich ja noch viel mehr machen.“ Die Zeiten, in denen der Garten nur zum Anpflanzen von Gemüse diente, wie zum Beispiel in den 1950er-Jahren, sind vorbei. Und auch die 1990er, in denen allein der gepflegte Ziergarten mit Englischem Rasen etwas hermachte, sind Geschichte. Bleibt die Frage: Wie sieht er eigentlich aus, der moderne Garten von heute? Um es vorweg zu nehmen: Er ist eine Mischung aus allem.

„Im modernen Garten von heute ist fast alles zu finden: Bäume für die Obsternte, das Insektenhotel zum Anschauen der Insekten, aber auch Möglichkeiten, um Vögel zu beobachten. Es geht darum, die Natur zu erleben und die Dinge mit allen Sinnen zu spüren“, erklärt Ludwig Scheidtmann.

02 Für viele Menschen gilt Gartenarbeit als höchst entspannend. Sie macht Freude – und hält gleichzeitig fit. Foto: freepik
02 Für viele Menschen gilt Gartenarbeit als höchst entspannend. Sie macht Freude – und hält gleichzeitig fit. Foto: freepik
03 Hübsch arrangiert, können auch die kleinsten Ecken zum Träumen einladen. Foto: unsplash
03 Hübsch arrangiert, können auch die kleinsten Ecken zum Träumen einladen. Foto: unsplash
04 Die Experten verzeichnen einen starken Trend hin zum Home Cooking. Klar, dass dann auch die passenden Sitzgarnituren nicht fehlen dürfen. Foto: unsplash
04 Die Experten verzeichnen einen starken Trend hin zum Home Cooking. Klar, dass dann auch die passenden Sitzgarnituren nicht fehlen dürfen. Foto: unsplash

Das geht natürlich auch mit den richtigen Pflanzen. Hier beobachtet der Fachmann, der in seinem Landschaftsbetrieb insgesamt 120 Mitarbeiter beschäftigt, den Einzug eines neuen Trends: „Momentan werden sehr häufig mediterrane Pflanzen gewählt“, weiß der Experte. Klar, die Sommer werden auch bei uns immer heißer, Regen gibt es immer seltener. „Man muss es einfach ausprobieren“, sagt Ludwig Scheidtmann – und ergänzt, dass freilich auch Misserfolge dazu gehören. „Mir selbst sind zuletzt meine Feige und mein Olivenbaum kaputt gegangen.“ Bei 17 Grad Minus im vergangenen Winter sei das aber auch nicht groß verwunderlich. Wer in seinem Garten mediterrane Bäume pflanzen möchte, dem empfiehlt der Fachmann zum Beispiel die Zerreiche oder sogar die Korkeiche. Und was noch?

„Naja“, sagt der Gartenprofi, „wir verzeichnen zurzeit einen starken Trend hin zum ,Home Cooking‘.“ Viele Deutsche verlagerten ihre Küchen mehr und mehr nach draußen, exklusive Grillgeräte gehören dazu. „Das Leben findet im Sommer unter freiem Himmel statt, das ist schön und auch gut so.“ Dadurch, dass viele auch in diesem Jahr nicht in den Urlaub fahren, werde erneut stark in den eigenen Garten investiert. Auch in Swimmingpools. Die – aber auch Schwimmteiche – seien in immer mehr Gartenanlagen zu finden. „Dieser Trend ist natürlich dadurch befeuert worden, dass die Schwimmbäder lange Zeit geschlossen hatten.“ Weil immer mehr Menschen – auch in Siegen-Wittgenstein, Olpe und Altenkirchen – auf ein eigenes Wasserbecken im heimischen Garten setzen und auch in die entsprechende Technik investieren, hätten die Anbieter aktuell reichlich Arbeit. „Ich weiß von Kollegen, die bis Mitte des nächsten Jahres ausgebucht sind.“

Auch wenn ein Garten stets eine individuelle Angelegenheit ist und es den ultimativen Tipp nicht gibt, hat der gelernte Diplomingenieur der Landschaftspflege doch die eine oder andere Empfehlung. „Wichtig sollte in einem Garten sein, dass man die Natur beobachten kann. Das gelingt mit einem Bienenhotel schon mal ganz gut.“ Und weil auch Wasser mit Blick auf immer trockener werdende Sommer ein stets kostbareres Gut werde, sollten Gartenbesitzer entsprechend reagieren. Das könne in Form einer Zisterne sein, die man im Garten als Sammelauffangbecken installiert, um das Regenwasser brauchbar zu machen, das kann aber auch in Form von Stauden sein, die insgesamt weniger Wasser benötigen als andere Pflanzen. „Präriestauden, die sehr viel Trockenheit abkönnen und trotzdem schön blühen, sind zum Beispiel eine Möglichkeit.“

Und noch etwas liegt dem Naturfreund am Herzen: „Ich möchte, dass die Gartenbesitzer keine Angst davor haben, große Bäume zu pflanzen. Wer einen Garten plant, sollte das Geld für Bäume mit ins Budget aufnehmen. Hier würde ich auch nicht sparen und direkt einen großen Baum setzen. Sie tun der Natur gut, produzieren Sauerstoff, sehen schön aus und spenden uns Schatten. Und später kann ich auch noch etwas ernten.“ Der Fachmann empfiehlt Obstbäume, aber auch die Esskastanie. „Walnuss ist auch sehr schön und in der Region geeignet.“ Möglichkeiten gibt es viele. Wie überhaupt im Garten. Text: Michael Wetter 
       

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