SICHERHEITSTECHNIK: Wer einen guten Einbruchschutz möchte, sollte auf mechanische und elektronische Lösungen setzen

Die Sehnsucht nach Sicherheit

Einbruchhemmende Fenster sind ein guter Anfang beim Einbruchschutz. Wer allerdings einen vollumfänglichen Schutz möchte, sollte die mechanischen Lösungen um elektronische ergänzen. Foto: dpa

30.04.2021
Bensberg

Eine Videokamera und einbruchhemmende Fenster allein reichen nicht aus.

Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht. Es braucht tatsächlich nicht viel, um in diesem kindlichen Malspiel mit einfachsten Mitteln ans Ziel zu gelangen. Ähnlich einfach wie diese Zeichenübung kommt auf den ersten Blick auch ein guter Einbruchschutz daher. Eine kleine Kamera, dazu ein Sicherheitsschloss, vielleicht noch die einbruchhemmenden Fenster, fertig ist das Komplettpaket an Sicherheit. Denkste! Denn ganz so einfach ist es nicht, warnt der Profi Stefan Jaeger im SZ-Gespräch.

Der heimische Experte, selbst in der Sicherheitstechnik tätig, weiß um die Probleme, die das Thema mit sich bringen kann. Folgerichtig rät er dazu, nicht nur auf mechanische Lösungen zu setzen, sondern diese mit elektronischen zu kombinieren. Wer also Türen und Fenster mechanisch aufrüsten wolle, sollte zwangsläufig auch an den Einbau einer Einbruchmeldeanlage denken.


Die Kombination aller Maßnahmen ist doch sinnvoll.

Stefan Jaeger
Sicherheitsexperte


Warum das wichtig ist, verdeutlicht der Fachmann anhand eines Beispiels. „Es ist ein Fall, der mir persönlich aus meiner Kundschaft bekannt ist und der tatsächlich auch genau so passiert ist“, sagt er. Auf der einen Seite die Familie, weit weg im Urlaub, auf der anderen Seite der freundliche Nachbar, der Möbelpackern gerade die Haustür aufschließt, weil die Familie in all ihren Urlaubsvorbereitungen offenbar den Liefertermin für die neue Couchgarnitur vergessen hat. Kein Problem, denkt sich der Nachbar, und weil der gute Mann schon so viel Schlechtes gelesen hat, lässt er die Möbelpacker keine Sekunde aus den Augen. Sicher ist sicher. Die Arbeit ist irgendwann erledigt, das Sofa an Ort und Stelle und die Möbelpacker sind längst wieder verschwunden. Doch kurz darauf klingelt es, die Möbelpacker sind zurück und behaupten, sich in der Adresse vertan zu haben – sie holen das gute Stück wieder ab. Erneut passt der Nachbar auf, alles ist gut. Oder etwa nicht? Als die Familie aus ihrem Urlaub zurückkehrt, bemerkt sie, dass alle Wertgegenstände und zwei Laptops fehlen. „Scheinbar befand sich im Inneren der Couch eine weitere Person, die, als alle das Haus verlassen hatten, aus dem Hohlraum geklettert war, die Räume durchsuchte und alle Wertgegenstände mitnahm“, weißt Stefan Jaeger. In diesem Fall wäre die Kombination aus mechanischer und elektronischer Sicherheitstechnik sinnvoll gewesen, denn die Bewegungen des Einbrechers wären vom System sofort erkannt worden.

Doch System ist nicht gleich System, warnt Stefan Jaeger. Ja, sagt er, der Markt gebe mittlerweile viele elektronische Sicherheitslösungen her. Die aber seien zum Teil mit Vorsicht zu genießen. „Die Probleme beginnen doch schon beim Projektieren und der Frage, wo genau die Bewegungsmelder platziert werden sollen.“ Auch eine Kamera dürfe nicht ohne Weiteres aufnehmen, was sich vor dem Haus abspielt. Wer sich für eine elektronische Sicherheitstechnik entscheidet, sollte auf einen Fachbetrieb vor Ort setzen. „Wichtig beim Gedanken, sich eine elektronische Sicherungstechnik einbauen zu lassen, ist die Auswahl der Installations firma. Hier sollte man auf Profis zurückgreifen, die von der VdS-Schadenverhütung als Facherrichter für Einbruchmeldeanlagen zugelassen sind. Bei den Vd-Sanerkannten Betrieben kann man sich sicher sein, den richtigen Ansprechpartner für das doch sehr sensible Thema gefunden zu haben.“

Fachbetriebe beraten individuell, verspricht der Profi – und genau das sei wichtig mit Blick auf den Sicherheitsschutz, der immer auch individuell sein sollte. Einen Sicherheitsschutz von der Stange gebe es nicht, zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen. Da wäre zum Beispiel die KfW-Förderung. „Beantragt man den KfW-Zuschuss, braucht man auf jeden Fall eine Anlage mit Überwachungsschutz. Die bekomme ich mit Smarthome-Elementen aber nicht hin.“ Da wäre auch der Versicherungsschutz, denn Versicherer hätten zum Teil klare Vorgaben in ihren Verträgen und verlangten im Schadensfall mitunter ein sogenanntes Installationsattest. „Viele wissen dann noch nicht einmal, was das ist.“

Die Versicherer legten unter anderem fest, welche Alarmanlagen mit welchem Überwachungsumfang erforderlich seien. Das wiederum hänge von der Versicherungssumme ab oder auch von der Frage, wie oft in der Branche eingebrochen wird. All das kann sein, muss aber nicht sein, betont der Hilchenbacher.

Stefan Jaeger jedenfalls weiß, was möglich ist – in beide Richtungen. Wie sich ein fehlender Einbruchschutz bemerkbar macht, wie sich aber auch gute Sicherheitstechnik auswirken kann. Wo immer er nur kann, wirbt er für die Kombination von mechanischer und elektronischer Sicherheitstechnik.

„Nochmal: Es bringt doch nichts, in der Haustür aus Holz eine Fünffachverriegelung zu haben und dann kommt einer und bohrt unten eine kleine Katzenklappe rein. Und es bringt doch auch nichts, wenn ich auf dem Werksgelände die Fenster und Türen meiner Leichtbauhalle mit Gittern gesichert habe und dann macht mir jemand mit seiner Akku-Stichsäge eine Tür dorthin, wo vorher noch keine war. Die Kombination aller Maßnahmen ist doch sinnvoll.“ wette

Effizienter Schutz

Um ein Gebäude effizient zu sichern, bietet sich die Außenhautüberwachung, die Innenraumsicherung oder die Kombination aus beiden Sicherungen an.

- Außenhautüberwachung: Bei der Außenhautsicherung werden alle Zugänge zum Objekt überwacht. Hierzu zählen Haustüren, Terrassentüren, Kellertüren, Luken und alle Fenster. Damit ist die Außenhautsicherung vor allem im privaten Bereich sinnvoll. Optimal ist sie auch für Personen, die Angst haben, im Schlaf überfallen zu werden. Vorteile der Außenhautsicherung: Es wird Alarm ausgelöst, noch bevor der Einbrecher im Haus ist. Überwachung mit gleichzeitigem Aufenthalt in der Wohnung ist möglich.

- Innenraumsicherung: Bei der Innenraumsicherung wird nur der Innenbereich des Objektes gesichert. Dabei werden vor allem die Bereiche, die ein Einbrecher mit hoher Wahrscheinlichkeit durchqueren muss, mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Damit ist eine Innenraumsicherung vor allem für Haus- und Wohnungseigentümer, die täglich zur Arbeit fahren, und für Gewerbebetriebe sinnvoll. Vorteil der Innenraumsicherung: Kostengünstige Absicherung, da wenige Melder genügen.

- Kombination: Bei der Kombination aus Außenhaut- und Innenraumsicherung werden die Vorteile beider Methoden vereint. Idealerweise werden sämtliche Eingangsbereiche mit einem Öffnungsmelder und einem Bewegungsmelder überwacht. Räume, in denen man sich im abgesicherten Zustand nicht aufhält, werden mit Bewegungsmeldern überwacht, während Räume, in denen man sich aufhält, mit Öffnungsmeldern und Glasbruchmeldern überwacht werden. Die Außenhaut wird mit den mechatronischen Meldern gesichert. Diese sind eine Kombination von mechanischen und elektronischen Sicherungskomponenten, wie zum Beispiel elektronisch gesicherter Zusatzverriegelungen.

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