SCHÜLLAR / WEMLIGHAUSEN: Dorfjugend arbeitet seit August mit Liebe zum Detail / Landwirte liefern Obst und Gemüse

Wie ein Erntewagen in Rekordzeit entsteht

So ähnlich wird der Wagen aussehen, wenn er fertig ist – noch ist aber viel zu tun. Die Dorfjugend Schüllar-Wemlighausen fiebert der Präsentation am kommenden Sonntag entgegen. Fotos (3): schn

7.10.2021

Die Präsentation ist der Lohn für den großen Aufwand. 

Der Erntewagen für den Brotmarkt- und Erntedank-Sonntag ist noch lange nicht fertig. In den Tagen vor dem 3. Oktober herrscht Hochbetrieb auf dem Schützenplatz in Wemlighausen. Die Mitglieder der Dorfjugend Schüllar-Wemlighausen schrauben und wickeln, streichen und schleifen. „Wir sind jetzt seit Anfang August in den Vorbereitungen“, berichtet Joshua Grund, der 2. Vorsitzende der Dorfjugend. Für die freiwilligen Helfer ein strammes Programm, denn eigentlich nimmt man sich deutlich länger Zeit.

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Aber lange war ja nicht klar, ob es überhaupt etwas gibt. Dann haben wir gesagt, wir fangen jetzt einfach an, damit wir vorbereitet sind“, so Joshua Grund. Während er das berichtet, werden gleich nebenan Kornähren auf dem Dach des Wagens befestigt. An den Seitenwänden sind Teile des Fachwerks schon mit Korn bestückt. „Das Fachwerk haben wir vorher neu gestrichen und den Wagen auf Vordermann gebracht, der soll ja gut aussehen“, erzählt der Mann aus dem Vorstand. Das Korn hat die Landjugend gestellt, dafür gibt es extra ein Feld auf dem Sengelsberg. Kartoffeln, Obst und Gemüse kommen von Landwirten aus der Umgebung. „Wir haben das Glück, dass es hier noch Landwirte gibt, auch bei uns in der Dorfjugend“, sagt Celine Wirth, die Schriftführerin.

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Erst Stunden bevor es mit der Präsentation losgeht, werden die Obst- und Gemüseketten am Wagen angebracht. „Sonst würden die Früchte schon faul sein und das soll ja nicht passieren“, erklärt Celine Wirth. Zum Brotmarkt soll der Wagen in seinem größten Glanz erstrahlen. Nach der Präsentation geht aus auf Tour durch die Dörfer (siehe Extrabericht). Auf die große Runde freuen sich die Mitglieder der Dorfjugend schon. „Die gehört einfach dazu, das ist auch eine Belohnung für die Arbeit hier“, sagt Joshua Grund. Mehrere Hundert Arbeitsstunden stecken in dem Erntewagen, Stunden, die die Mitglieder der Dorfjugend gerne investieren. „Das gehört zur Tradition und die wollen wir vermitteln und weiter geben“, macht Joshua Grund deutlich und Celine Wirth pflichtet ihm da bei. Tradition ist wichtig und gehört im Landleben einfach mit dazu.

Den Wagen, der in den Wochen vor dem Brotmarkt auf dem Schützenplatz in Wemlighausen hergerichtet worden ist, erkennt man an der lauten Hupe. „Das hat was von Eiswagen“, lacht Joshua Grund. Auch die laute Musik aus dem Inneren tut ihr Übriges, damit man an der Dorfjugend nicht vorbei kommt. Die Mitglieder sind froh, dass in diesem Jahr Erntedank wieder gefeiert wird. Es sei sehr schade gewesen, dass im vergangenen Jahr nichts stattfinden konnte. Die Dorfjugend hat die Aktivitäten vermisst und so geht es diesmal mit großem Elan ans Werk.


"Aber lange war ja nicht klar, ob es überhaupt etwas gibt."

Joshua Grund, 1. Vorsitzender Dorfjugend


Der Wagen wird am Sonntag an den Bad Berleburger Sengelsberg gefahren und dort präsentiert. Danach geht es auf die Tour durch die Dörfer. Ein besonderer Stopp wird in Wemlighausen sein. Dort gibt es zum ersten Mal ein Erntedankfest, organisiert von der Dorfgemeinschaft. „Da sind wir natürlich mit dabei. Es ist toll, dass das hier stattfindet“, so Joshua Grund. Der Sonntag kann kommen. schn  


Die Tour über die Dörfer

Jugendförderverein schließt sich mit „Brotmarkt to go“ an

Bad Berleburg. Mit dabei beim „kleenen Erntedankfest“ sind auch die heimischen Land- und Dorfjugenden, die in den vergangenen Wochen erneut die Erntewagen aufwendig geschmückt haben. Die Landjugend Wittgenstein und die Dorfjugend Schüllar-Wemlighausen präsentieren ihre mit Getreide, Gemüse und Blumen dekorierten Fahrzeuge ebenfalls direkt am Sengelsberg.

Die Dorfjugend Berghausen hat sich dazu entschlossen, in diesem Jahr keinen Erntewagen zu stellen. Die Jugendlichen möchten ihren Wagen zuerst mit einem neuen Zugang umbauen, damit auch Laura Pott weiterhin teilnehmen kann. Die junge Frau aus Berghausen war im Frühjahr 2020 beim Osterfeuer verunglückt und ist seither querschnittsgelähmt (die Siegener Zeitung berichtete). Um ihre Freundin aber weiterhin in der geselligen Mitte zu haben, wollen die Berghäuser ihren Erntewagen behindertengerecht ausbauen. Am Erntedankfest beteiligen sich die Berghäuser aber trotzdem und unterstützen die Veranstalter beim Getränkeverkauf.

Zu ihrer traditionellen Tour über die Dörfer starten die Erntewagen gegen 13 Uhr. Im Tross der Wagen ist erstmals auch der Jugendförderverein Bad Berleburg mit seinem Bus. „Wir möchten das Erntedankfest zu den Leuten in die Ortschaften bringen“, sagt Holger Saßmannshausen vom Jugendförderverein und ergänzt: „Im Auftrag der Stadt erarbeiten wir im Rahmen eines Leader-Projektes coronataugliche Veranstaltungsformate. Der Brotmarkt to go ist dafür eine super Sache.“

In Kooperation mit der Bäckerei Schwan aus Diedenshausen wird der Jugendförderverein das Wittgensteiner Krustenbrot verkaufen. „Unser Brot besteht zu 70 Prozent aus Roggen und zu 30 Prozent aus Weizen“, verrät Bäckermeister Marco Frank. Es werde mit Sauerteig aufgelockert und dann auf Stein gebacken.

Einen Teil des Verkaufserlöses aus dieser Brotaktion wird der Jugendförderverein übrigens für das ehrgeizige Umbau-Projekt der Dorfjugend Berghausen spenden. Neben Erntewagen und Brot kommt auch noch Musik in die Dörfer. Der Jugendförderverein hat Frank Hillwig und sein Akkordeon an Bord. Er wird für die musikalische Unterhaltung an den einzelnen Stationen sorgen. „Wir freuen uns schon auf diese ergänzende Form des Marktes“, so Holger Saßmannshausen. sz 
 

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