FRÜHLINGSFIT: Zwei Frauen vom Fach sprechen über Rollenbilder, Allergiker und Faustformeln

Warum der Auto-Check so wichtig ist

Jennifer Beck, Kfz-Technikermeisterin bei der Hoppmann Autowelt, weiß, worauf es in diesen Tagen ankommt: Wer den Wert seines Autos erhalten und sicher auf der Straße unterwegs sein möchte, sollte es jetzt im Rahmen eines Frühjahrschecks kontrollieren lassen. Fotos: Michael Wetter

2.04.2021

Jennifer Beck und Amelie Gräf sind froh, einen Beruf in der Kfz-Branche gewählt zu haben. 

Mit den Rollenbildern ist das ja bekanntlich so eine Sache. Während die einen irgendwie immer noch meinen, Frauen gehörten an den Herd oder allenfalls als Erzieherin in den Kindergarten, sind die anderen – und das ist glücklicherweise die Mehrheit – längst im 21. Jahrhundert angekommen. Frauen in klassischen Männerberufen und Männer in einstigen Frauendomänen sind heutzutage keine Seltenheit mehr.
  

Auto-Service Krombach

Auch Jennifer Beck und Amelie Gräf, beides junge Frauen, mögen es nicht, in vorgefertigte Schablonen gepresst zu werden. Der einzige Stempel, den sie sich aufdrücken lassen, ist sozusagen der TÜV-Stempel. Beide sind seit vielen Jahren in der Kfz-Branche tätig – und haben sich dort mit ihrem Fachwissen längst etabliert. Früher, erinnert sich Jennifer, die aus einer Handwerkerfamilie stammt und der das Anpacken im Blut liegt, sei es als Frau gar nicht so einfach gewesen in der Kfz-Branche. Gar nicht mal der Arbeit wegen, merkt die heutige Kfz-Technikermeisterin an, sondern vielmehr aufgrund der räumlichen Umstände, die die Geschlechtertrennung nun mal mit sich bringt. „Einige Unternehmen haben mir deshalb abgesagt, als ich mich bei ihnen um einen Ausbildungsplatz beworben habe. Fehlende Umkleidemöglichkeiten oder auch Hygienestandards wurden mir als Gründe genannt.“ Unterkriegen ließ sie sich nicht, auch ihren Traum musste sie nicht aufgeben: Im Jahr 2007 durfte sie bei der Hoppmann Autowelt ihre Lehre zur Kfz-Mechatronikerin beginnen – als Auszubildende, die heute, 14 Jahre später, im Betrieb und darüber hinaus vollumfänglich akzeptiert und respektiert wird.

Auch Amelie Gräf, die 2017 ihre Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin begann und im Januar dieses Jahres bei Hoppmann übernommen wurde, hat im Lauf der Jahre gemerkt, dass Klischeedenken und Vorurteile nicht mehr aktuell sind. „Für uns ist das natürlich gut“, freut sie sich. Ja, natürlich drücke ihr der Kollege schon mal einen Spruch. „Aber genauso kriegt er natürlich auch einen Spruch von mir. Scherze gehören doch dazu“, sagt sie und lacht. Sie sehe das ganz normal: Der Austausch erfolge zwischen zwei Kollegen, nicht zwischen Mann und Frau. Und das sei doch auch in anderen Betrieben Normalität.

Noch etwas liegt der jungen Fachfrau am Herzen zu betonen: Die Arbeitsumstände, erzählt sie, hätten sich im Laufe der Jahre immer mehr verbessert. „Beim Punktschweißgerät zum Beispiel brauchte ich am Anfang noch Hilfe, jetzt aber gibt es einen Flaschenzug und ich kann alleine arbeiten. Die Arbeiten werden immer einfacher – es ist ja ohnehin der Trend, dass man alles vereinfacht, auch für die Männer“, sagt sie.


"Die Arbeiten werden immer einfacher – es ist ja ohnehin der Trend, dass man alles vereinfacht, auch für die Männer."

Amelie Gräf
Kfz-Mechatronikerin


Was die beiden Frauen – übrigens nur zwei von mittlerweile sehr vielen im Unternehmen – im weiteren Gesprächsverlauf sehr deutlich unter Beweis stellen: Fachwissen zeigt sich nicht im Geschlecht, sondern in den Kenntnissen, die in Theorie und Praxis erworben wurden. Und so haben auch die beiden Fachfrauen wichtige Ratschläge, auf was es jetzt nach dem langen und schneereichen Winter ankommt. Im SZ-Gespräch geben sie abschließend einen kurzen Überblick.

- Scheibenwischer: Dass viele von uns in den vergangenen Monaten ihren Scheibenwischer als Eiskratzer eingesetzt haben, kann jetzt zum Problem werden. So kann unter Umständen das Wischergummi gerissen oder lädiert sein, was dazu führt, dass der Fahrer kein klares Sichtfeld mehr hat. Spätestens dann sollten die Scheibenwischer gewechselt werden.

- Kühlsystem: Zusätze sind wichtig. „Gerade der Frostschutz ist wichtig“, sagt Jennifer Beck. Sei der Gehalt nicht richtig dosiert, drohe ein Schaden. „Wir sprechen hier von Winter und Sommer und einem Temperaturunterschied von minus 20 bis plus 80 Grad. Ist das Kühlsystem darauf nicht ausgelegt, kann ein Schaden auftreten.“ Die Experten in den heimischen Werkstätten könnten die Werte problemlos prüfen und, beispielsweise im Rahmen des Frühlingschecks, bei Bedarf nachbessern.

Auch die Kfz-Mechatronikerin Amelie Gräf hat im Laufe der Jahre gemerkt, dass Klischeedenken und Vorurteile nicht mehr aktuell sind. Frauen in Werkstätten sind längst keine Seltenheit mehr.
Auch die Kfz-Mechatronikerin Amelie Gräf hat im Laufe der Jahre gemerkt, dass Klischeedenken und Vorurteile nicht mehr aktuell sind. Frauen in Werkstätten sind längst keine Seltenheit mehr.

- Unterbodenschutz: Der Winter war lang und es wurde viel gestreut. Das hat auch an beziehungsweise unter unseren Fahrzeugen Spuren hinterlassen. „Eventuell ist man ins Rutschen gekommen und hat mit dem Auto irgendwo aufgesetzt. Dort kann sich dann Rost entwickeln oder es ist ein Schaden aufgetreten, der dem Fahrzeughalter noch gar nicht bekannt ist“, erklärt Amelie Gräf. Steinschläge täten hier ihr Übriges. „Rost kann sich ansetzen und dann ist in einem Jahr ein Loch im Unterboden.“ Der Arbeitsaufwand – und damit eben auch die Reparaturkosten – sei dann sehr groß. Also empfehle sich die Kontrolle schon jetzt im Frühjahr.

- Pollenfilter: Regelmäßig den Pollenfilter auszutauschen, macht gerade für Allergiker Sinn. In diesem Zusammenhang wird auch die Umgebung des Pollenfilters desinfiziert. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Verdampfer. „Ein Problem für Allergiker ist beim Verdampfer das Kondenswasser, das – ähnlich wie eine feuchte Kellerwohnung oder ein ungelüftetes Bad – als Nährboden für Keime und Bakterien dient.“

- Klimaanlage: Wer gut durch das Frühjahr und insbesondere den Sommer kommen möchte, sollte auch seine Klimaanlage durchchecken lassen. „Weil es sich dabei um ein geschlossenes System mit Kältemittelgas handelt, sollte der Füllstand geprüft und eventuell nachgebessert werden“, lautet der Rat von Jennifer Beck.

- Radwechsel: Ganz klar, mit dem Wechsel von Winter auf Frühling sollte auch die Bereifung gewechselt werden. Klimawandel hin oder her, nach wie vor gilt die Faustformel „Von O bis O“ – von Oktober bis Ostern. „Den perfekten Zeitpunkt für den Reifenwechsel gibt es allerdings nicht“, weiß Jennifer Beck. Sobald es dauerhaft 5 bis 7 Grad sind, also auch nachts, sollte der Reifenwechsel erfolgen. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe betrage zwar 1,6 Millimeter, die Fachfrau empfiehlt für ein sicheres Fahren in unserer Region aber ein Mindestmaß von 4 Millimetern. Zumindest im Winter. Für den Sommer empfiehlt sie eine Profiltiefe von mindestens 3 Millimetern. wette
   

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.