WILDUNFALL-MONATE: Im April und Mai steigt das Risiko für einen Wildunfall

Probleme durch Zeitumstellung

Viele Wildtiere machen sich in der Dämmerung auf den Weg. Speziell dort, wo Schilder auf Wildwechsel hinweisen, gilt: Fuß vom Gas. Foto: dpa

2.04.2021

Auch die Futter- und Reviersuche macht jetzt vor allem Rehe aktiv. 

Der Frühling ist da – und bringt nicht nur Idylle. Autofahrer fahren jetzt besser ganz besonders vorsichtig. Denn die Zahl der Wildunfälle steigt im April und Mai gegenüber dem März mehr als das Doppelte an (plus 61 Prozent im April und 56 Prozent im Mai).
     

Das hat eine Auswertung des Tierf-und-Katasters des Deutschen Jagdverbandes (DJV) ergeben. Besonders gefährlich ist dabei die Zeit von 6 bis 9 Uhr. Im Juni gehen die Zahlen dann wieder deutlich zurück. Im Frühjahr begeben sich vor allem Wildtiere wie Rehe verstärkt auf die Suche nach Futter und Revieren. Sie nutzen dafür überwiegend die Dämmerung. Das macht die Zeitumstellung risikoreich. Wenn die Uhren wieder eine Stunde vorgestellt werden, fällt der Berufsverkehr für einige Wochen wieder in die Zeit der Dämmerung. Besonders hoch ist die Gefahr auf Straßen durch den Wald oder an unübersichtlichen Wald- und Feldrändern, erklärt der DJV. Speziell, wenn neu gebaute Straßen durch solche Gebiete führen. Denn die Tiere laufen weiterhin ihre gewohnten Strecken.

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Also gilt in den kommenden Wochen noch mehr: Fuß vom Gas und Tempo drosseln. Denn schon wer anstelle von 100 nur 80 km/h fährt, kann im Ernstfall seinen Bremsweg um 25 Meter verringern und so vielleicht noch einen Unfall verhindern. Taucht ein Tier am Straßenrand auf, sollten Fahrer das Tempo kontrolliert drosseln, die Scheinwerfer kontrolliert abblenden und hupen. Doch Vorsicht, man sollte immer auch mit Nachzüglern rechnen. Lässt sich ein Unfall nicht verhindern: Bremspedal treten und Lenkrad festhalten.

Und wichtig: Keine unkontrollierten Ausweichmanöver starten, sie erhöhen das Unfallrisiko. Nach einem Aufprall sollte die Warnblinkanlage eingeschaltet, eine Warnweste übergezogen und die Polizei gerufen werden, nachdem die Unfallstelle mit einem Warndreieck abgesichert wurde.

Tote Tiere sollte man nur mit Handschuhen anfassen und Abstand zu lebenden Tieren halten, da sie nicht nur Krankheiten übertragen können, sondern auch noch um sich treten könnten. Auch wenn es gut gemeint ist, ein verletztes Wildtier darf man nie mitnehmen. Das gilt als Wilderei, so der DJV.

Unfallverursacher sollten außerdem keinen flüchtigen und möglicherweise verletzten Tieren folgen. „Schildern Sie in der Unfallmeldung die Fluchtrichtung, damit der zuständige Jagdpächter das Tier besser finden kann“, so die Empfehlung. Nicht vergessen sollten Betroffene, sich von Jäger oder Polizei für die Versicherung eine Wildunfallbescheinigung ausstellen zu lassen.

Für die Auswertung untersuchte der DJV knapp 12 500 Datensätze aus den Jahren 2017 bis 2019. Grundlage ist das bundesweite Tierfund-Kataster gemeldeter Wildunfälle. dpa


Fehler vermeiden

Motorradfahrer sollten nicht unvorbereitet auf die Straße

Mit den steigenden Temperaturen rollen viele ihre Motorräder wieder aus den Garagen. Besonders zu Beginn der Saison ist die Unfallgefahr hoch – Biker und andere Verkehrsteilnehmer müssen sich oft erst wieder aneinander gewöhnen. Manchmal übersehen Auto- oder Lkw-Fahrer die Zweiräder.

Doch: „Rund zwei Drittel der Motorradfahrer haben ihren Unfall selbst verursacht“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Zwar ist bei Unfällen mit weiteren Beteiligten zu zwei Dritteln nicht der Motorradfahrer der Verursacher, aber es kommen sehr viele Alleinunfälle dazu.“ Laut Brockmann werden so rund 600 Motorradfahrer pro Jahr getötet. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, Fehler zu vermeiden – eine Übersicht.

- Fitness: Motorräder wiegen häufig mehr als 200 Kilogramm. Wer untrainiert auf das Bike steigt, riskiert seine Gesundheit. „Die körperliche Fitness ist Voraussetzung, Motorradfahren ist wie Sport“, sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Man sollte die Muskulatur der Unterarme stärken, um richtig Gas- oder Bremsbefehle geben zu können. Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer ergänzt, dass auch das Gleichgewicht gehalten werden muss – das kostet Kraft.


"Rund zwei Drittel der Motorradfahrer haben ihren Unfall selbst verursacht."

Siegfried Brockmann
Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft


- Übung: „Falsche Einschätzung von Gefahrenpotenzial und auch des eigenen Fahrverhaltens ist das Grundübel aller Unfälle“, erklärt Lenzen. Fahrer sollten auf einem Parkplatz Bremsen sowie Achten- oder Kurvenfahrten üben. Nach der Winterpause müssen Automatismen erst wieder trainiert werden. Zudem sollte man das Fahren bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen und auf verschiedenen Belägen trainieren. „Der beste Start in die Saison ist das Sicherheitstraining“, sagt Lenzen. Dabei erhält der Fahrer auch ein vernünftiges Feedback zu seiner Fahrweise. „Und kann daraufhin sein Fahrverhalten umstellen“, sagt Bente.

- Stalleffekt: Auf bekannten Straßen fühlen sich Motorradfahrer sicher, es entsteht eine Art Stalleffekt. „Dadurch sinkt die Aufmerksamkeit“, sagt Bente. Eine Gefahr, denn die Fahrbahn kann sich verändern – etwa nach dem Winter Schlaglöcher plötzlich haben. „Unbekannte Strecken geht man von vornherein vorsichtiger an.“

- Schräglagenangst: Die richtige Einfahrt in die Kurve mit der richtigen Geschwindigkeit ist die beste Voraussetzung, auch wieder gesund aus der Kurve herauszufahren. „Würden alle Motorradfahrer 30 Prozent Schräglage ausnutzen können, gäbe es etwa 60 Prozent weniger Allein-Unfälle in Kurven“, gibt Bente zu bedenken.

- Bremsen: In Kurven ist das richtige Bremsverhalten entscheidend. Sonst richtet sich die Maschine in der Kurve wieder auf und verfehlt den Rest der Kurve. Um rechtzeitig reagieren zu können, sollten Fahrer zudem ausreichend Abstand zum Vordermann einhalten. Immerhin: Bei den Bremsvorgängen gibt es eine deutliche Verbesserung durch das ABS. Brockmann moniert aber, dass es immer noch viele ältere Motorräder ohne ABS gebe.

- Schutzkleidung: Brockmann warnt: „Motorradfahrer überschätzen den Wert der Schutzkleidung.“ Bei Stürzen könne die Kleidung zwar das Aufschürfen der Haut verhindern. „Bei einem Aufprall auf ein Auto oder einen Baum schützen die Protektoren zumindest bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr“, sagt er. Vor allem der Bereich des Brustkorbs ist mehr oder weniger ungeschützt. Dort seien keine Protektoren angebracht. dpa
 

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