BERLIN: Antworten auf die wichtigsten Fragen vor dem WM-Start / Deutscher Ferrari-Pilot will die Dominanz der Silberpfeile beenden / Kein Rennen in Deutschland

Vettels nächste Attacke auf Mercedes

  • Schafft es Sebastian Vettel im sechsten Anlauf mit Ferrari? Der Hesse will endlich wieder Weltmeister werden und die Dominanz von Branchenführer Mercedes beenden. Foto: dpa

dpa. In Silverstone feiert die Formel 1 im Sommer ihren 70. Geburtstag, kurz zuvor bestreitet Ferrari in Frankreich sein 1000. Rennen und der ewige Bernie Ecclestone wird 90 Jahre alt. Rund um die Formel 1 ist in diesem Jahr jede Menge Denkwürdiges geboten - und die Hoffnung auf eine endlich wieder spannende WM ist groß. Sebastian Vettel würde nur zu gerne zum fünften Mal Weltmeister werden und die Dauer-Regentschaft von Mercedes beendet. Lewis Hamilton kann sich bereits zum siebten Mal krönen und so nach Titeln mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleichziehen. Los geht es am 15. März mit dem Großen Preis von Australien in Melbourne.

Kann Sebastian Vettel Mercedes und Lewis Hamilton bezwingen?

- Nach fünf gescheiterten Versuchen glaubt Vettel weiter an den Erfolg seiner WM-Mission. Zwar geht Mercedes mit Weltmeister Hamilton und Vize-Champion Valtteri Bottas erneut als großer Favorit in das Jahr, doch die Scuderia mit dem viermaligen Weltmeister Vettel und Stallrivale Charles Leclerc will endlich die richtigen Schlüsse aus den Fehlern der Vergangenheit ziehen. Sechsmal nacheinander holten die Silberpfeile zuletzt Fahrer- und Konstrukteurstitel. Nicht nur Ferrari und der Rest der Konkurrenz, sondern auch viele Fans sehnen ein Ende der Langeweile herbei. „Ich bin immer zuversichtlich“, sagte Vettel. Auch Red Bull um Supertalent Max Verstappen will endlich wieder ganz vorne mitmischen.

Was ist in der Formel-1-Saison 2020 besonders?

- Es wird ein Übergangsjahr ohne einschneidende Regeländerungen, aber die Weichen für die Zukunft werden gestellt. Ab 2021 gibt es ein neues Reglement inklusive erstmaliger Einführung einer Kostenobergrenze für alle Rennställe. Diese liegt bei 175 Millionen US-Dollar (157 Millionen Euro) pro Saison. Die Autos werden schwerer, langsamer und die Aerodynamik wird verändert, damit es künftig mehr Überholvorgänge geben kann. Darauf müssen sich Mercedes und Co. schon 2020 vorbereiten. Auch auf dem Fahrermarkt wird es spannend: Die Mehrfach-Cham pions Vettel und Hamilton sind für 2021 derzeit noch ohne Vertrag - und bei den Top-Teams gibt es freie Cockpits.

Welche Fahrer sind neu dabei?

- Nicholas Latifi aus Kanada ist der einzige Neuling. Der 24-Jährige erhält beim Traditionsrennstall Williams das Cockpit von Robert Kubica. Der Pole hat sich nach seiner ernüchternden Comeback-Saison wieder verabschiedet. Latifi fährt künftig mit der Nummer sechs auf seinem Wagen. Mit dieser Zahl war der Deutsche Nico Rosberg 2016 Weltmeister geworden. In Esteban Ocon gibt es einen Rückkehrer, der anstelle von Nico Hülkenberg bei Renault fährt. Der 23 Jahre alte Franzose war allerdings bereits von 2016 bis 2018 in der Formel 1 aktiv und bekam lediglich im Vorjahr keinen Sitz.


RTL überträgt bis zum Jahresende im Free-TV. Derzeit laufen Verhandlungen, wie es danach weitergeht.


Wie viele deutsche Piloten sind am Start?

- In Sebastian Vettel ist nur noch einer übrig geblieben. Die Zeiten mit bis zu sieben deutschen Piloten wie 2010 ist längst vorbei - und nach dem Aus von Nico Hülkenberg bei Renault ist Vettel nun der deutsche Alleinunterhalter. Das hatte es zuletzt 1993 mit Michael Schumacher gegeben. Pascal Wehrlein bleibt weiterhin im Umfeld der Königsklasse und behält seine Rolle als Simulatorfahrer bei Ferrari. Hoffnungen auf ein Cockpit darf sich in Zukunft Mick Schumacher machen. Der Sohn von Rekordchampion Michael Schumacher fährt aber erstmal weiterhin in der höchsten Nachwuchs-Rennserie Formel 2. Er will vor einem Wechsel weitere Erfahrung sammeln.

Was hat vor dem ersten Rennen für Diskussionen gesorgt?

- Die Verlegung des Großen Preises von China am 19. April. Das vierte Saisonrennen kann unter dem Eindruck der Epidemie durch das Coronavirus nicht wie geplant stattfinden. Der Grand Prix in Shanghai soll zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr nachgeholt werden. Einen Termin gibt es allerdings noch nicht. Ob es wirklich zur Rekordsaison mit den geplanten 22 Rennen kommt, ist daher offen. Eine Debatte hatte es auch um den Premieren-Grand-Prix in Vietnam gegeben. Der Stadtkurs in Hanoi liegt nur rund 150 Kilometer von der Grenze zu China entfernt. Am 5. April soll in Südostasien gefahren werden (weitere Infos zur Coronavirus-Krise und der Formel 1 im Extra-Kasten auf dieser Seite).

 Gibt es wieder ein Rennen in Deutschland?

- Nein. Den Großen Preis von Deutschland wird es 2020 nicht geben. Im Vorjahr hatte Max Verstappen das Rennen auf dem Hockenheimring vor Sebastian Vettel gewonnen. Der Traum, unweit seiner Heimatstadt Heppenheim erstmals auf der Strecke zu gewinnen, wird für Vettel weiter unerfüllt bleiben. Bereits 2015 und 2017 war Deutschland gar nicht im Rennkalender vertreten gewesen. Auch für die nächste Saison dürften wieder knifflige Verhandlungen anstehen. 2019 hatte auch eine Finanzspritze von Autobauer Mercedes geholfen, dass die Veranstaltung in Baden-Württemberg überhaupt stattfinden konnte.

Wo ist die Formel 1 in diesem Jahr im Fernsehen zu sehen?

- RTL überträgt bis zum Jahresende im Free-TV. Derzeit laufen Verhandlungen, wie es danach weitergeht. Der Kölner Sender signalisierte schon, den PS-Zirkus weiter übertragen zu wollen. Im Jahresdurchschnitt aller 21 Formel-1-Übertragungen kam RTL im Vorjahr auf 4,05 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 23,2 Prozent. Außerhalb des Fußballs gibt es vergleichbare Zuschauerzahlen nur beim Biathlon. Auch Sky besitzt Rechte und ist ebenfalls bis mindestens Ende 2020 dabei. Der Bezahlsender zeigt neben Qualifikation und Rennen auch alle Trainingseinheiten live. Die Formel 1 bietet auch eine eigene Plattform für Rennfans an. 7,99 Euro monatlich kostet das Komplettpaket auf F1 TV.


Vettels nächste Attacke auf Mercedes Image 2

Fahrer dürfen ihr Helm-Design nach Wunsch wechseln

Fragen und Antworten vor einem ganz speziellen Saisonbeginn

dpa Melbourne. Im Fahrerlager von Melbourne sind die Gabelstapler unterwegs. Auch die von roten Planen bedeckte Fracht von Ferrari wird auf dem Kurs im Albert Park von A nach B gefahren. Der Aufbau der Formel-1-Kulisse muss schnell erledigt werden. Die viel größere Herausforderung stellt vor dem Saisonauftakt an diesem Wochenende in Australien jedoch das Coronavirus dar.

Warum wird in Melbourne gefahren?

- Weil die verantwortlichen Instanzen Grünes Licht für das erste von 22 geplanten Rennen in diesem Jahr gegeben haben. Das ist zumindest der aktuelle Stand. „Wir müssen die Angelegenheiten vernünftig angehen und weiterleben, während wir die nötigen Vorsichtsmaßnahmen treffen“, sagte Grand-Prix-Chef Andrew Westacott. Der Veranstalter rechnet an den drei Tagen mit jeweils mehr als 80 000 Besuchern. Vor allem der internationale Ticketverkauf ist Westacott zufolge sehr gut gelaufen. Eine andere Wahrnehmung behördlicher Empfehlungen hat hingegen die US-Sängerin Miley Cyrus, die ihr für Freitag in Melbourne geplantes Konzert abgesagt hat. „Ich muss das Richtige tun, um die Gesundheit und die Sicherheit meiner Band und meiner Crew zu schützen“, schrieb sie in den sozialen Netzwerken.

Wie hat die Formel-1-Führung auf die Coronavirus-Krise reagiert?

- Selbst als milliardenschweres Geschäft fährt die Formel 1 nicht zu jedem Preis. Der für den 19. April geplante Grand Prix von China wurde auf Betreiben der lokalen Veranstalter längst verschoben. In Bahrain entschlossen sich die Organisatoren vor leeren Rängen zu rasen. Die Formel 1 steht nach eigenen Angaben in „konstantem Austausch“ mit Veranstaltern, Regierungsorganen und medizinischen Instanzen. Man versuche „angemessene Schritte“ zu unternehmen, um „Risiken zu minimieren“. Dafür stellte die Formel 1 auch einen Maßnahmenkatalog vor. Die Veranstalter der jeweiligen Rennen würden zum Beispiel auch Quarantänestellen für Verdachtsfälle einrichten. Zudem werden an Flughäfen und Rennstrecken Expertenteams eingesetzt, die bei der Diagnose von Verdachtsfällen mithelfen sollen.

Wie begegnen die Fahrer der Lage?

- Sebastian Vettel & Co. beschäftigt das Thema natürlich. „Man ist zu einem gewissen Level wegen des Coronavirus beunruhigt“, hatte sein früherer RedBull-Teamkollege Daniel Ricciardo bei den Tests dem TV-Sender RTL gesagt. Vor allem die ersehnte Nähe der Anhänger zu ihren Idolen ist nicht unproblematisch. „In unserem Sport gibt es auch viele Fans, die Fotos machen wollen. Wir versuchen natürlich immer nett zu sein, aber es ist schon schwierig“, meinte Ricciardo weiter. Fahrer wurden von ihren Teams jedenfalls über gesundheitliche Vorsichtsmaßnahmen unterrichtet. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Empfehlungen, Handschläge oder auch Selfies zu vermeiden.
   

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