MELBOURNE: Sebastian Vettel will Ferrari endlich wieder zum Titelgewinn führen

„Mein WM-Auftrag ist klar“

  • Bereits im vergangenen Jahr absolvierten Luca Stolz und Maro Engel zwei erfolgreiche Testeinsätze mit dem Toksport WRT Mercedes AMG GT3. In diesem Jahr bestreitet das Mercedes-AMG-Duo die komplette Serie und möchte um den Titel kämpfen. Foto: simon

dpa. Für Sebastian Vettel zählt nur die WM. In seinem sechsten Ferrari-Jahr will sich der viermalige Formel-1-Weltmeister endlich mit der Scuderia zum Titelträger krönen. Es gibt vor dem Saisonstart in Australien genügend Zweifel an dieser komplizierten Mission – allerdings spricht auch einiges für Vettel.

Pro: Vettel packt es noch!

Sebastian Vettel fühlt sich bei Ferrari wohl, er versteht sich als Teil dieses Prestigerennstalls. Auch nach fünf Jahren ohne WM-Titel mit der Scuderia ist bei ihm kein Spannungsabfall zu erkennen. „Sebastian weiß, dass für den Erfolg entscheidend ist, ein Team zusammenzuschweißen und ein hohes Maß an Motivation zu behalten“, sagte sein früherer Teamchef bei Toro Rosso – heute Alpha Tauri –, Franz Tost. Für ihn ist mit der Anstellung bei der Scuderia ein Traum aus Kindheitstagen wahr geworden, den er unbedingt mit dem WM-Titel krönen will. Diesen Anspruch lebt der Heppenheimer, der nicht ohne Grund mit Red Bull von 2010 bis 2013 die Formel 1 beherrschte, auch vor. „Ich weiß, dass ich mich steigern kann und steigern muss“, meinte der 32-Jährige selbstkritisch.

Sein neuer Dienstwagen SF1000 liegt ihm mehr, ist das schmalere und kompaktere Heck doch nicht mehr so unruhig wie zuletzt. Da das Regelwerk stabil geblieben ist, dürfte das Fahrerfeld noch enger zusammenrücken. Das könnte auch heißen, dass sich Titelverteidiger Lewis Hamilton nicht mehr so deutlich absetzen dürfte. Mercedes offenbarte zudem in den Tests unerwartete Probleme mit dem Motor, was Zweifel an der Zuverlässigkeit des Wagens weckt. Das kann Ferrari und Vettel nur dienlich sein. „Wir verlangen uns mehr ab als jeder andere“, meinte Ferrari-Präsident Louis Camilleri kämpferisch.


„Ich weiß, dass ich mich steigern kann und steigern muss“, meint der 32-Jährige selbstkritisch.


Die Scuderia hat nach der enttäuschenden Saison 2019 zudem etwas Verblüffendes getan: Sie hat auf Kontinuität auf der Führungsebene gesetzt. Mattia Binotto blieb Teamchef und durfte an der Weiterentwicklung des Wagens arbeiten. Vettel selbst ist ein Befürworter von Beständigkeit. „Ich denke, er ist ein großartiger Anführer für das Team“, sagte Binotto über den Hessen.

Contra: Vettels WM-Zeit ist vorbei!

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hat den Nummer-eins-Status von Vettel aufgehoben. „Sie werden auf demselben Level sein, sie können beide darum kämpfen, vorne zu sein“, sagte der frühere Technikdirektor bei der Vorstellung des SF1000 über den Deutschen und dessen Stallrivalen Charles Leclerc. Der 22-jährige Monegasse zeigte eine imposante Premierensaison bei der Scuderia: Er lag bei den Siegen (2:1) vor Vettel, in den Qualifikationsduellen (12:9) und auch im WM-Klassement (4.:5.). Leclerc muss in seinem zweiten Ferrari-Jahr zwar seine Leistungen bestätigen, er steht aber längst für die Zukunft der Italiener. Nicht umsonst erhielt er einen Vertrag bis Ende 2024.

Und Vettel? Nach fünf Jahren hat er Ferrari noch immer nicht zum WM-Titel geführt. Seinem Idol Michael Schumacher war genau das 2000 gelungen. Vettel erlaubte sich 2019 selbst zu viele Fahrfehler und wurde auch oft genug vom Kommandostand im Stich gelassen. In den Tests vor dieser Saison zeigte sich der rote Rennwagen zwar in den Kurven deutlich schneller, hat aber den Eindrücken aus Barcelona zufolge dafür auf den Geraden an Speed eingebüßt. Der Wagen scheint nicht der ganz große Wurf zu sein, um die Silberpfeile zu stürzen.

Der viermalige Weltmeister aus Heppenheim glaubt unverdrossen an seine Chance, der erste Ferrari-Champion seit Kimi Räikkönen 2007 zu werden. „Mein WM-Auftrag ist klar“, versicherte Vettel. Er rast aber in seinem vorerst letzten Vertragsjahr auch gegen sein Aus beim traditionsreichsten Formel-1-Rennstall an. Ausschließlich auf die Arbeit im Cockpit kann sich der Familienvater nicht konzentrieren. Selbst wenn Vettel im Teamduell mit Leclerc die Oberhand gewinnen sollte, hat er in Lewis Hamilton noch ein ganz anderes Problem. Der Mercedes-Pilot will sich nicht entthronen lassen und in diesem Jahr zum siebten Mal Weltmeister werden – wie einst nur Schumacher


Mercedes will bis Ende 2020 klimaneutral sein

dpa Stuttgart. Mercedes will nicht nur sportlich in der Formel 1 weiter vornewegfahren, sondern auch beim Thema Nachhaltigkeit das Tempo vorgeben. Der deutsche Autobauer, der in diesem Jahr den siebten Titel in Serie sowohl in der Fahrer- als auch in der Konstrukteurswertung gewinnen kann, stellte jetzt ein entsprechendes Programm vor. Darin kündigte der Hersteller an, dass sein Formel1-Team bis zum Ende dieses Jahres klimaneutral sein soll. Davon betroffen seien auch die beiden Werke in Brackley und Brixworth. „Das Mercedes-Werksteam hat bereits wichtige Schritte eingeleitet, um seine Emissionen für die kommende Saison durch eine Umstellung auf erneuerbare Energien in seinen Werken zu reduzieren“, hieß es in einer Mitteilung von Mercedes. Bis ins Jahr 2022 werde der Rennstall den CO2-Ausstoß verglichen mit dem Ausgangswert von 2018 um 50 Prozent von 20 000 Tonnen auf 10 000 Tonnen verringern.


Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

Formel E hat sich bewährt / Rennserie mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen in sechster Saison

sz Berlin. Die Formel E ist eine internationale Rennserie, die ihre Läufe ausschließlich mit elektrisch angetriebenen Formelfahrzeugen austrägt und sehr gut angenommen wird.

In zahlreichen Metropolen in aller Welt treten dabei zwölf Teams mit insgesamt 24 Fahrern, darunter einige ehemalige Formel-1-Piloten, gegeneinander an. Das erste Rennen fand am 13. September 2014 statt. Inzwischen läuft die sechste Saison.

Der Automobilweltverband FIA, der auch die Formel 1 veranstaltet, schlägt mit der Formel E grundsätzlich einen anderen Weg ein als mit allen anderen Rennserien in seinem Portfolio. Das Ziel: neue und vor allem junge Zielgruppen ansprechen. Nicht zuletzt aus diesem Grund finden die Formel-E-Events meist komprimiert an nur einem einzigen Tag statt.

Im Markenkern der Formel E stehen Werte wie Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und technologischer Fortschritt. Die Elektro-Rennserie soll als Inkubator für die Automobilindustrie dienen, um die Entwicklung von Elektroautos voranzutreiben, sie attraktiver zu machen und somit gegen den Klimawandel vorzugehen. Mit dabei sind u.a. Mercedes, Porsche, Audi, BMW, Jaguar und Nissan.

Die Formel E trägt ihre Rennen größtenteils auf eigens entworfenen Straßenkursen direkt in den Stadtzentren aus, um das Event direkt zu den Zuschauern zu bringen – und nicht umgekehrt. Zudem will die FIA die Elektromobilität dort bewerben, wo sie vereinzelt schon heute, aber vor allem in Zukunft stattfinden wird: im urbanen Raum.

Die Formel E hält ihre Rennveranstaltungen im Normalfall an einem einzigen Tag ab: zwei Freie Trainings am Vormittag, Qualifying in der Mittagszeit und Rennen am Nachmittag. Üblicherweise finden die sogenannten E-Prix (in Anlehnung an den Begriff „Grand Prix“) samstags statt. Hin und wieder kommt es vor, dass einzelne Events auf Sonntag oder gar Freitag ausweichen. Darüber hinaus veranstaltet die Formel E in ausgewählten Städten Events mit zwei Rennen – etwa beim Saisonfinale in London. Bei einem solchen „Double-Header“ finden jeweils zwei Saisonläufe an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt.

Im Fahrerfeld sind auch einige frühere Formel-1-Piloten wie Pascal Wehrlein, Stoffel Vandoorne und Felipe Massa. Nach fünf von insgesamt 13 Rennen führt Antonio Félix da Costa die Gesamtwertung an (67 Punkte). Auf den Plätzen folgen Mitch Evans (56), Alexander Sims (46), Maximilian Günther (44) und Lucas di Grassi (38).
    

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