Ungeschriebenes Gesetz: Der Heiratsantrag ist eher Sache des Mannes

Die Frage aller Fragen

Der Heiratsantrag ist stark mit traditionellen Vorstellungen verknüpft. Foto: dpa

20.03.2021

Kaum ein Thema in der Liebe ist so stark mit fixen Vorstellungen verknüpft wie der Heiratsantrag. Darunter fällt auch die Erwartung, dass der Mann für den Heiratsantrag zuständig ist. „Das ist eine Tradition, die über lange Zeit gewachsen ist“, erklärt Eric Hegmann, Paarberater in Hamburg. „Schließlich hatten Frauen vor 200 Jahren noch kein Mitspracherecht bei der Frage, mit wem sie eine Ehe eingehen möchten.“ Damals richtete der Bräutigam seinen Heiratswunsch nicht an die Angebetete selbst, sondern an ihren Vater. Gab die Familie der Braut ihre Zustimmung, ging es vor den Altar. Heutzutage wird der väterliche Segen höchstens symbolisch eingeholt. Das Muster, dass meist der Mann die Initiative ergreift, ist geblieben. „Ob das noch zeitgemäß ist, sehe ich sehr kritisch“, urteilt Hegmann. Doch warum werden Frauen vergleichsweise selten aktiv, wenn es um den Antrag geht? Robert A. Coordes, Leiter des Instituts für Beziehungsdynamik in Berlin, hat eine Erklärung: „Heiratsanträge werden romantisch verklärt. Für viele Frauen ist ein Antrag des Mannes eine Bestätigung, ein ,Er bekennt sich endlich zu mir.’“ Viele werten einen Antrag als ultimativen Liebesbeweis – eine Vorstellung, die durch Filme, Romane und soziale Medien genährt wird. „Die wahren Liebesbeweise finden jedoch im Zusammenleben statt“, sagt Hegmann. Hier hilft es, sich klarzumachen, dass die Unterstützung in Krisen das Wichtigste ist. Nicht zuletzt vermittelt das Konzept „Mann fragt Frau“ auch Sicherheit, weil es klare Zuständigkeiten benennt. „Je moderner die Gesellschaft wird, desto eher orientieren wir uns an Traditionen“, beobachtet Vera Matt, Paartherapeutin in Berlin. Frauen, die sehnsüchtig auf einen Antrag warten, rät Hegmann, darüber nachzudenken, warum es ihnen so wichtig ist, dass der Liebste diesen Schritt macht. Steckt dahinter der Wunsch nach Bestätigung? Nach Sicherheit? Oder liegt es daran, dass nahezu alle im Freundeskreis einen Ring am Finger tragen? Das hilft, die eigene Situation einzuordnen.

Wer sich einen Antrag wünscht, kann drei Dinge tun: abwarten, ansprechen oder aktiv werden. Abwarten ist dabei – so die Experten – die schlechteste Wahl. Stillhalten und hoffen, das führt meist zu Frust. Und der sorgt womöglich dafür, dass man mit kleinen, spitzen Äußerungen Druck und Vorwürfe in die Beziehung bringt. „Besser ist es, seinen Wunsch nach einer Hochzeit klar anzusprechen“, rät Matt. In diesem Gespräch kann man deutlich machen, warum man die Ehe für wichtig hält. Natürlich bleibt auch die Option, sich von gängigen Vorstellungen zu lösen – und als Frau den Antrag zu machen. „Ein Heiratsantrag ist ein festgelegtes Ritual. Wer sagt, dass man das als Paar genau so, wie es immer vermittelt wird, nachtanzen muss?“, regt Matt an. Heißt: Bei Antipasti und einer Flasche Wein am Küchentisch auszuhandeln, ob man heiraten möchte, ist genauso legitim wie der klassische Antrag. dpa
    

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