Martin Oberliesen brachte die faszinierende Welt der Buntbarsche aus dem afrikanischen Tanganjikasee in seinen Wintergarten

Leuchtend blaue Exoten und ein großes Abenteuer

Majestätisch tauchen sie im Schwarm aus der Tiefe des riesigen Aquariums auf. Im Wasser leuchten die gefleckten Schuppen ihrer großen, anmutigen und oval geformten Körper in schillernden, tiefen Blautönen und in Weiß, wie auch die hochgestellten Flossen, mit denen sie sich geschickt im nassen Element bewegen. Das Licht schimmert dazu mystisch zwischen den Pflanzen, Steinen und Muscheln und dem sandigen Grund. Und auch die geschmeidigen Bewegungen der übrigen Exoten breiten eine nie gekannte Ruhe aus. Was der Aquarianer Martin Oberliesen hier in seinem Wintergarten in Eisern erschaffen hat, ist zweifelsohne faszinierend. Schließlich ist es ihm gelungen, einen Teil des eindrucksvollen afrikanischen Tanganjikasees zu sich nach Hause zu holen.


Plötzlich öffneten sich spannende Welten unter Wasser.


In diesem Zusammenhang starteten er und ein vierköpfiges Team im Jahr 2008 eigens eine spannende Expedition nach Afrika. Seit Martin Oberliesen mit etwa 20 Jahren erstmals in der Zooabteilung eines Siegener Kaufhauses eine „Großfamilie“ der „Prinzessin von Burundi“ (Neolamprologus brichardi) in einem dort ausgestellten Aquarium sah, war für ihn klar, dass er ebenfalls diese wunderschönen Fische haben musste. Wie es der Zufall wollte, hatte er bald die Möglichkeit, über einen afrika-erfahrenen Aquarianer einmal in das Ursprungsland der besonderen Buntbarsche zu reisen und diese auch an Ort und Stelle zu fangen.
    

Leuchtend blaue Exoten und ein großes Abenteuer Image 2

„Natürlich habe ich mir erst einmal jede Menge Literatur zu dem Thema besorgt, und auch heute noch sind meine Schränke und Regale voll mit zahlreichen Büchern über den Tanganjikasee und seine exotischen Bewohner“, sagt Martin Oberliesen. Nach einem Check ihrer Hausärzte und ensprechenden Impfungen wagten die vier Männer schließlich komplett vorbereitet und fachmännisch ausgestattet das große Abenteuer. „Ich werde nie vergessen, wie ich zum ersten Mal das sandige Ufer des Tanganjikasees betrat und mich dann mit dem Schnorchel ins Wasser wagte. Dort öffneten sich mir unglaublich faszinierende Welten. Das Wasser war so klar, dass man 20 bis 30 Meter weit schauen konnte. So etwas hatte ich vorher noch nie erlebt, das war einfach unglaublich“, schwärmt Martin Oberliesen, als sei das Ganze erst vor ein paar Tagen geschehen. „So viele Fische schwammen um mich herum und man konnte alles ganz genau erkennen.“


Mit diesen Erlebnissen könnte man Bücher füllen.


Auf Booten und mit einheimischer Begleitung ging es für die vier dann weiter hinaus auf den See. Täglich erkundete die Gruppe die fasziniernde Unterwasserwelt des Sees und tauchte nach den lebendigen Schätzen, die ihnen den Fang gar nicht mal so leicht machten. „Das war schon eine Herausforderung, sich den Buntbarschen mit Kescher zu nähern, und es gehört wirklich jede Menge Geduld und Fingerspitzengefühl dazu, mit einem erfolgreichen Fang wieder aus dem Wasser zu steigen.“ Die Reise für die vier ging weiter, immer am Ufer des Sees entlang, durch Sambia, bis an die Grenze zum Kongo. „Hier erklärten uns die Guides aber auch die Aufschriften der vielen Warntafeln, dass es ab hier zu gefährlich sei, weiter zu fangen“, erinnert sich Martin Oberliesen. Und so reisten die Aquarianer weiter zum Nsumbu Nationalpark. „Was wir in diesen Tagen alles erlebt haben, neben dem Fang und dem Schnorcheln, darüber könnte man ganze Bücher verfassen“, so der Eiserner. „Viele Begegenungen mit wilden Tieren gehörten allem voran dazu. So mussten wir zum Beispiel einmal, als wir im Wasser waren, vor einem Nilpferd Reißaus nehmen, das mit weit aufgerissenem Maul sein Revier verteidigen wollte. Aber wir haben auch Krokodile gesehen und Antilopen.“ In den Nächten zogen sich die Abenteurer dann in ihre mitgebrachten Einmann-Zelte zurück. „Und es war schon unheimlich, wenn man in der Nacht erwachte und nach draußen kroch, um dann mitzuerleben, welche Laute und Geräusche in der Dunkelheit zu hören waren.“
    

Leuchtend blaue Exoten und ein großes Abenteuer Image 3

Von der Afrika-Expedition brachte Martin Oberliesen schließlich einige besondere Exemplare mit ins Siegerland, von denen sich noch heute, elf Jahre später, einige Exoten in dem riesigen Aquarium im Wintergarten sehr wohl fühlen. Auch andere Arten sind über die Jahre dazugekommen. So nennt der Aquarianer beispielsweise unter anderem bei den Buntbarschen 28 Frontosa Blue Zaire Kapampa, 40 Cyrichromis microlepidotus „Karilani“ und C. Leptosoma „Kitumba“ sein Eigen. Vor, über und zwischen den Felsaufbauten des Aquariums wohnen drei Altolamprologus calvus „Black Pectoral“, je fünf A. Compressiceps „Red Fin Kigoma“ und A. Compressiceps „Mutondwe Gold Head“, acht Neolamprologus longicaudatus, sechs N. Nigriventris, vier N. Buescheri „Kachese“, fünf N. Ocellatus „Gold“, fünf N. Longior, fünf N. Callipterus, sechs Telmatochromis burgeoni und ungefähr zehn Julidochromis transcriptus „kissi“ (nebst Nachwuchs). Drumherum tummeln sich 20 Tropheus moorii „Moliro“ und ein „T. Moori „Kiriza“. Die teils freien, teils mit leeren Schneckenschalen bedeckten Bodenzonen des Aquariums gehören verschiedenen Sandbe wohnern, die im Untergrund nach Nahrung suchen oder ihre Nestgruben bauen: Cyathoharynx foai „Kigoma“ sowie zwei Gnathochromis permaxillaris. Martin Oberliesens absolute Lieblinge wiederum sind die 28 Cyphotilapia frontosa „Blue Zaire“, die in Gesamtlängen von zwölf bis 40 Zentimetern das Tanganjikasee-Becken bevölkern.

Dass diese Exoten mehr als nur eine Freizeit-Leidenschaft sind, beweist alleine die einrucksvolle Anlage, die fast die Hälfte des gesamten Wintergartens für sich einnimmt. Sechseinhalb Stunden dauerte es seinerzeit, bis das 300 x 120 x 100 Zentimeter große Becken auf einem soldiden Gestell aus Doppel-T-Stahlträgern und 25-Millimeter starken Tischplatten errichtet war. Die Frontscheibe besteht zur besseren Sicht aus 19-Millimeter-Weißglas, die übrigen Seiten aus normalem grünen Floatglas. „Und für eine konstante Wasserwärme von 25 bis 26 Grad Celsius sorgt eine an die Zentralheizung angeschlossene Edelstahl-Heizwendel mit Temperatur-Controller und Fußbodenheizer-Thermostat.“ Die gesamte Heiztechnik ist in dem Drei-Kammern-Filter verborgen, der mit sechs Säulen á fünf Patronen und einem großen Teich-Oxydator bestückt ist. „Das Wasser fließt in drei über dem Aquarienboden angebrachten Einläufen durch PVC-Rohre in den Filter“, so der Aquarianer. „Eine Aqua-Bee-Pumpe (2000 Liter pro Stunde, 15 Watt) fördert es gereinigt zurück. 15 Watt sind sehr energieeffizient für ein 3600-Liter-Aquarium. Zusätzlich sorgen zwei Nitrat-Phosphat-Säulen á 10 Liter für eine gute Wasserqualität.

Der Bodengrund besteht wiederum aus 150 Kilogramm Korallensand, die übrige Einrichtung aus kalkhaltigem Lochgestein, das stellenweise mit Speer- und Einblatt bepflanzt wurde. Stolz ist der gelernte Elektroniker und Elektrotechniker auch auf ein weiteres etwas kleineres Aquarium, das sein Wohnzimmer schmückt, sowie eine Mini-Ausgabe, die in seinem Büro in der Gießerei steht, in der er als Instandhaltungsleiter arbeitet. „Für mich ist die Beschäftigung mit den Fischen ein wunderbarer Ausgleich zu meiner tagtäglichen Arbeit“, sagt Martin Oberliesen. „Und ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen die Begeisterung für Aquaristik für sich entdecken würden.“ Wer sich einmal selbst ein Bild von den afrikanischen Buntbarschen und der imposanten Anlage machen möchte, der kann gerne einmal nach Absprache mit Martin Oberliesen einen Termin unter Tel. 0271 392185 vereinbaren. Auf die Frage, ob er noch einmal zu einer derart abenteuerlichen Reise nach Afrika aubrechen würde, lächelt Martion Oberliesen, dann folgt die Antwort auf dem Fuße: „Das wäre natürlich ein absoluter Traum.“

Text / Foto (1): Dr. Volker Gastreich/Fotos (7): Martin Oberliesen
     

- Anzeige -
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.