Der neue Integrationsbeirat ist voller Tatendrang mit einem Bündel an Ideen

“Mitmachen kann jeder“

Giovanni Affronte

24.02.2021

„Ausländer können in Kreuztal das Gefühl haben, dass sie gesehen und ernstgenommen werden“, sagt Tibor Zachar. Damit beschreibt er eigentlich günstige Voraussetzungen für das international besetzte Gremium, dessen zweiter stellvertretender Vorsitzender er seit wenigen Wochen ist: den Kreuztaler Integrationsbeirat. Elf Kreuztalerinnen und Kreuztaler gehören dem Beirat an. 5.274 Kreuztaler mit nicht-deutschen Wurzeln waren berechtigt, ihn zu wählen. Zwar machten mit 528 abgegebenen Stimmen nur knapp zehn Prozent der Wahlberechtigten davon Gebrauch; doch der Motivation der aktuellen Mitglieder tut dies keinen Abbruch. „Lediglich Corona hat uns in vollem Galopp gestoppt“, erklärt der Vorsitzende José Sobrino Ramirez. Die konstituierende Sitzung am 30. November konnte noch „live“ stattfinden, die zweite im neuen Jahr fiel dem Lockdown zum Opfer. Doch online basteln die kreativen Köpfe längst weiter an ihrer Agenda, mit der der Integrationsbeirat in den kommenden viereinhalb Jahren Menschen unterschiedlicher Herkunft mit verschiedensten Veranstaltungsformaten zusammenbringen möchte: „Wir sind voller Ideen, Power und Optimismus“, versichert der erste stv. Beiratsvorsitzende Giovanni Affronte.
    

Provinzial - Hirsch, Mettbach & Picker

Dass der Integrationsbeirat aus elf offiziellen Mitgliedern besteht, verstehen diese eher als Formsache: „Jeder ist bei uns willkommen, der sich für ein friedliches Miteinander einsetzen möchte“, sagt der Vorsitzende. Mitreden, -planen und machen könne jeder; lediglich bei Abstimmungen ist der Kreis auf die elf „ordentlichen“ Mitglieder beschränkt. Dass nicht eine Nationalität die Beiratsarbeit dominiert, garantiert schon die Tatsache, dass sich alle Kandidaten, darunter übrigens auch Deutsche, auf einer gemeinsamen, 24-köpfigen Liste aufstellen ließen, die Wahl in diesem Sinne keine Überraschungen hervorbrachte. Aus den Beiratsmitgliedern hat trotz Corona bereits der „Arbeitskreis Zukunft“ seine Arbeit aufgenommen und erweist sich als eine sprudelnde Quelle von Ideen und Plänen für die nächsten Jahre.

So bleibt das alle zwei Jahre stattfindende Frühlingsfest – hoffentlich wieder im Jahr 2022 – eine feste Größe in den Aktivitäten des Integrationsbeirats. Auch bei anderen städtischen Großveranstaltungen wie Märkten und Aktionswochen will dieser sich international und multikulturell einbringen. Ansonsten scheint der Pool an weiteren Ideen unerschöpflich: Dazu gehören ein Tag der Religionen, interreligiöse Podiumsdiskussionen, Vorträge über die Realität von Geflüchteten, Rassismus und Sicherheit, internationales Kochen, Lesungen mit internationaler Literatur, Filmvorführungen, multikulturelle Bilder- und Kunstausstellungen sowie „regionales Wandern“. Außerdem will der Beirat einen Ehrenpreis zur Anerkennung von integrativen Leistungen ausloben und denkt an eine Aktion in der multinational bewohnten Fritz-Erler-Siedlung, in der eine Menschenkette die Siedlung symbolisch „umarmen“ soll. Die Netzwerkarbeit mit sozialen und städtischen Einrichtungen, Parteien und Vereinen ist für den Beirat eine Selbstverständlichkeit. Türen öffnen will er unter anderem auch jenen ausländischen Mitbürgern, die er bislang schwer mit seinen Angeboten erreichen konnte – beispielsweise solchen aus dem osteuropäischen Raum.

Immer wieder bestätigte sich, so die Vorsitzenden, dass die Sprache der „Schlüssel zu einer gelingenden Integration“ sei. Und die offene Grundstimmung in einer Stadt, in der rund 100 Nationalitäten vertreten sind, die respektvolles Miteinander als gelebte Selbstverständlichkeit erfahren. Ein guter Nährboden also für spannende Pläne eines tatenlustigen Integrationsbeirats. bjö
   

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