Thomas Grütz ist Leidenschaftlicher Musiker und engagierter neuer Schulleiter am Städtischen Gymnasium Kreuztal

Bewährtes bewahren, moderat modernisieren

Thomas Grütz ist seit Januar neuer Oberstudiendirektor am Städtischen Gymnasium Kreuztal. Foto: bjö

24.02.2021
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Es war ein Anruf von der Bezirksregierung Arnsberg, der Thomas Grütz im Jahr 2018 von Olpe nach Kreuztal lockte: Die Stelle des Oberstufenkoordinators am Städtischen Gymnasium Kreuztal war vakant. Als Routinier in ähnlicher Funktion am Städtischen Gymnasium Olpe schaute er daraufhin beim damaligen Kreuztaler Schulleiter Herbert Hoß vorbei und erinnert sich: „Beim ersten Gespräch wurde mir klar: Da gehe ich hin.“ Das tat Thomas Grütz und hat mittlerweile die Stelle des Oberstufenkoordinators gegen ein höheres Amt „eingetauscht“: Seit Januar dieses Jahres ist er Oberstudiendirektor und Leiter des Städtischen Gymnasiums Kreuztal. Damit hat er die reguläre Nachfolge von Herbert Hoß angetreten; zwischenzeitlich hatte dessen bisherige Stellvertreterin Stefanie Schneider die kommissarische Schulleitung übernommen und ist nun wieder stv. Schulleiterin an der Seite von Thomas Grütz.

Es ist kein Geheimnis, dass sich viele aus der Schule über Thomas Grütz als neuen Chef in Kreuztals einzigem Gymnasium gefreut haben. Keine schlechten Startvoraussetzungen für den Mathematik- und Musikpädagogen, der nach seinem Abitur sein Studium in Siegen begann und nach einem halben Semester im Fach Elektrotechnik merkte, dass doch das Lehramt „sein Ding“ sein müsste. „Eigentlich wollte ich schon immer Lehrer werden. Aber als ich das Abitur in der Tasche hatte, dachte ich eben für kurze Zeit: Jetzt reicht es mal mit der Schule.“ Doch die guten Erinnerungen an die eigene Schulzeit in Bergneustadt überwogen, woran ein „sehr toller Mathelehrer vom alten Schlag“ nicht ganz unschuldig gewesen sein soll: „Er praktizierte eine angenehme Mischung aus Strenge und Zugewandtheit zu den Schülern, die mich beeindruckt hat“, erinnert sich Thomas Grütz. „Wir hatten in seinem Unterricht immer den Eindruck, dass es ihm nicht nur um das Fach geht, sondern vor allem um uns als Menschen.“ Genauso versteht sich Thomas Grütz nun selbst in der Rolle des Lehrenden. „Ich finde es wichtig, den Schüler im Ganzen zu sehen, nicht nur als ein Leistungserbringer im eigenen Fach.“ Gerade im Schulleben zeige sich die Vielfalt an Begabungen junger Menschen, nicht jeder müsse in jedem Fach ein guter Schüler sein. Gut war Thomas Grütz selbst jedenfalls als Schüler vor allem in Musik: Als nebenamtlicher Organist in der katholischen Gemeinde St. Clemens in Drolshagen engagiert er sich schon seit vielen Jahren; das Bistum Paderborn bescheinigte ihm gar eine B-Qualifikation (also einen vollwertigen Berufsabschluss) als Kirchenmusiker. Thomas Grütz ist außerdem seit vier Jahren musikalischer Leiter des Kammerchors Olpe, der große Werke wie zuletzt das Mozart-Requiem aufzuführen pflegt. Ob der Chorleiter nach der coronabedingten Zwangspause dauerhaft sein Engagement im Chor mit dem Beruf vereinbaren kann, werde sich zeigen. Obwohl seine private Leidenschaft also eindeutig im Bereich der Musik liegt („An der Orgel zu sitzen, ist für mich die absolute Erholung“), unterrichte er in der Schule lieber das Fach Mathematik. Immerhin zwei Mathe-Leistungskurse betreut er gegenwärtig, und zwar ganz nach seinem Vorsatz, weiterhin „so viel wie möglich zu unterrichten“.
   

KAF Falkenhahn

Thomas Grütz` Blick auf das Kreuztaler Gymnasium ist geprägt vom Vergleich mit elf Jahren Lehramtstätigkeit am Gymnasium in Olpe, also in einem ungleich charmanteren Gebäude-Ensemble mit dazugehörigem Ambiente. Seine diesbezügliche Ernüchterung, als er den Kreuztaler Betonklotz betrat, kann Thomas Grütz nicht verhehlen. Doch in diesen Mauern wohne „ein guter Geist, und da hat der langjährige Schulleiter Herbert Hoß sicherlich einen großen Anteil dran gehabt“, ist sich dessen Nachfolger sicher. Er schätzt den hier praktizierten Umgang der Lehrer und Schüler miteinander: „Man kümmert sich einfach, und es wirkt auf mich familiärer.“ Klarkommen muss er damit, dass er sich als 44-jähriger Chef im Kreis eines 59-köpfigen Lehrerkollegiums angesichts des niedrigen Durchschnittsalters schon „richtig alt“ vorkomme. Thomas Grütz hat eine Schule mit 760 Schülerinnen und Schülern übernommen, deren große „Baustellen“ sich – abgesehen von Corona – auf buchstäbliche Äußerlichkeiten beschränken: Eine bislang nur von außen begehbare Toilettenanlage wird gerade erneuert und mit der Neugestaltung des Haupteingangs am östlichen Gebäudeende verbunden; der bisherige Haupteingang an der Stadthalle wird mit der Fertigstellung des „Bürgerforums“ (noch Stadthalle) nicht mehr existieren. Auch die fest geplante Aufstockung des Gymnasiums neben den Kunst- und Musikräumen in der obersten Etage wird ein größeres Projekt werden. Auf pädagogischer Ebene sind die zu bohrenden Bretter ungleich dünner. Thomas Grütz denkt über den Aufbau eines Förder- und Forderprogramms für potenzielle „Klassen-Überspringer“ in den Stufen 8 oder 9 nach, weil er generell die Erfahrung gemacht habe, dass „die richtig Guten oft vernachlässigt“ würden. Der neue Schulleiter wünscht sich ansonsten einen moderaten Fortschritt mit der Zeit: „Ich möchte das Bewährte beibehalten, aber ein wenig moderner in die Zukunft gehen.“


„Wir hatten in seinem Unterricht immer den Eindruck, dass es ihm nicht nur um das Fach geht, sondern vor allem um uns als Menschen.“


Der Zwang zu Digitalisierung angesichts des Distanzunterrichts in Corona-Zeiten kommt ihm in dieser Hinsicht sogar entgegen. Doch Corona mag er trotzdem nicht, weder beruflich noch privat: „Mir fehlt nach dem Orgeln im Gottesdienst das Miteinander beim Sonntagsstammtisch.“ . bjö
  

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