Vor 50 Jahren öffnete in Kreuztal die erste vollautomatische Auto-Waschstraße

Pioniere moderner Autowäsche

Ein Blick auf das Tankstellen- und Waschstraßengelände in den 80er-Jahren; rechts steht bereits das 1981 eröffnete „plaza“-Warenhaus, heute Standort des Dornseifer-Marktes. Foto: Firma

24.02.2021
Büroservice Nüs, Monika Nüs

Mit Mut und Unternehmergeist von Albert Hoffmann begann vor 50 Jahren eine lokale Erfolgsgeschichte: 1971 öffnete bei der heutigen „Hoffmann GmbH + Co. KG“ die erste vollautomatische Waschstraße ihre Tore. Die Anfänge des Autowasch-Service liegen noch weiter zurück. Albert Hoffmann war der Großvater des heutigen Geschäftsführers Martin Hoffmann und des zweiten Gesellschafters Thomas Hoffmann, die mit „Best Carwash“ die dritte Waschstraßen-Generation in Kreuztal betreiben. Drei Jahre vor Eröffnung der ersten Waschstraße, also im Jahr 1968, übergab Albert Hoffmann die Geschäftsführung sowohl der Aral-Tankstelle als auch der Wasch- und Servicedienste rund ums Auto seinem Sohn Friedhelm. Zur gleichen Zeit trat sein weiterer Sohn Eberhard ebenfalls als Gesellschafter in den Familienbetrieb ein. Albert Hoffmann starb 1972 plötzlich und unerwartet.   
   

Best Carwash Hoffmann GmbH + Co. KG

Für den 1898 in Unglinghausen geborenen Unternehmer Albert soll die Eröffnung der ersten Waschstraße ein aufregender Tag gewesen sein, so erinnert sich seine Schwiegertochter Karin Hoffmann noch heute. Die Anlage, System Kleindienst mit einer Länge von 22,5 Metern, lockte so viele Autofahrer an, dass sich die Fahrzeuge bis zur Hauptstraße stauten. Eberhard Hoffmann erinnert sich: „Wenn meinem Vater der Ansturm zu viel wurde, setzte er sich kurzerhand ins Auto und brach zu einer Spritztour ins Sauerland auf.“ Er hat seinen Vater Albert als einen „kreativen Kopf“ in Erinnerung, dessen Blick in Fragen der Weiterentwicklung immer in die Zukunft gerichtet war. Den Block mit Millimeterpapier samt Lineal, Bleistift und Radiergummi, womit er Notizen und Planungs-Skizzen zu machen pflegte, habe er stets zur Hand gehabt.

Bereits vor 1951, am ersten Standort des Tankstellen-Betriebes Ecke Heesstraße/Siegener Straße („alte Kreuzung“), gehörte die Autowäsche zu den Serviceleistungen. 30 bis 40 Fahrzeuge seien dort an einem gut gehenden Samstag komplett mit der Hand gewaschen worden, weiß Eberhard Hoffmann. Als Teenager genoss der Kredenbacher eine heute undenkbare Form der Mitarbeit: „Als 14-Jähriger durfte ich das Auto des Kreuztaler Schuhhändlers Lapp zum Waschen abholen und später wieder hinbringen. Das war ein Erlebnis für mich, den Opel selber fahren zu dürfen. Dass ich noch keinen Führerschein besaß, spielte damals bei dem geringen Verkehrsaufkommen keine so große Rolle.“


"Wenn meinem Vater der Ansturm zu viel wurde, setzte er sich kurzerhand ins Auto und brach zu einer Spritztour ins Sauerland auf."


Auf dem heutigen Betriebsgelände von „Best Carwash“ bot Albert Hoffmann bereits im Jahr 1954 eine Auto-Wäsche mit „einer Durchlaufbürste unter freiem Himmel“ an. Noch im selben Jahr begann er mit dem Bau der ersten Fahrzeugpflegehalle, bevor 1961 die erste maschinelle Waschanlage, nämlich eine „Shampoo-Handwäsche mit Trockengebläse“, in Betrieb ging, ab 1966 sogar zusätzlich mit Hochdruckreiniger.

Im Jahr 1971 wurde dann erstmalig eine automatische neue Auto-Waschstraße errichtet und kam bei den Siegerländer Autobesitzern hervorragend an: Die Anlage, bei deren Durchfahrt die Fahrzeugführer im Wagen sitzenblieben, arbeitete mit einer zur damaligen Zeit modernen Bürstentechnik. Um mit der Zeit zu gehen, machten sich Eberhard und Friedhelm Hoffmann in den USA auf die Suche nach innovativen Waschmethoden. Als Ergebnis dessen entstand 1983 mit „Car Wash“ eine völlig neue Autowaschstraße an gleicher Stelle, die deutlich schonender arbeitete: Statt Bürsten sorgten nun textile Materialien für glänzenden Lack. Die Autobesitzer konnten fortan hinter Glas und bei einer Tasse Kaffee den Waschvorgang verfolgen. „Das war eine Revolution in dieser Branche“, erinnert sich Martin Hoffmann. Von 1989 an unter dem Namen „Car Wash Palace“ beworben, tritt der Betrieb seit 1999 schließlich in der Zusammenarbeit von selbstständigen Unternehmern bundesweit unter dem Namen „Best Carwash“ am Markt auf.

Den jüngsten Schritt in der Firmenentwicklung läuteten Hoffmanns 2016 mit dem Beschluss für einen umfassenden Neubau des Waschstraßenbetriebes ein. Dies erforderte den Abriss des 1937 durch Großvater Albert errichteten Wohnhauses gegenüber von Dreslers Park. Die Stadt ermöglichte einen Grundstückszukauf oberhalb der Grundschule.

Nur so war ausreichend Platz, um die 50 Meter lange Förderkette der jetzt neusten Waschanlage zu platzieren. Auf einer Grundfläche von 2.600 qm sind die Waschstraße nebst Pflegehalle und – eine Etage darüber – die SB-Waschanlage mit sechs Wasch- und zehn Saugerplätzen sowie Büroräume zu finden. Dies dürfte, so glaubt Martin Hoffmann, in dieser architektonischen Form, wie sie Tarja Katz von „Jung und Katz Architektur“ konzipiert hat, in Deutschland einzigartig sein. Für Martin Hoffmann entscheidend ist jedoch die Feststellung, „dass der Neuaufbau mit dem Know-how aus über 40 Jahren entstanden ist und sich in der Praxis bereits zu 100 Prozent bewährt hat.“

Die zurzeit unbebaute Fläche am einstigen Standort der bisherigen Waschstraße harrt einer neuen Nutzung. Die Ideen reifen noch; in jedem Fall soll sich Neues städtebaulich gut in die Umgebung einfügen. bjö
  

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