Warum wir unsere Kinder in der Corona-Krise vor Krankheits-Berichterstattungen in den Medien und Übergriffen schützen müssen

Kinder brauchen besonderen Schutz

Die Corona-Krise ist allgegenwärtig. Wenn Katastrophen für uns im eigentlich friedlichen Europa sonst immer weit weg erschienen, hat uns die Covid-19-Pandemie dieses Mal voll erwischt. Vor allem die Medien bringen rund um die Uhr belastende Bilder und noch erdrückendere Fakten in unsere Wohnzimmer. Natürlich möchten wir alle über aktuelle Entwicklungen informiert werden. Daher ist eine entsprechende Präsenz auch nur allzu verständlich. Sogar die speziellen Kinderfernsehsendungen arbeiten die Themen „kindgerecht“ auf.


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ANTJE MAASS-QUAST

Systemische Supervisorin und Kinder- und Jugendlichentherapeutin (SG), Telefon: 02 71/23 45-240, E-Mail: beratungsstelle@drk-kinderklinik.de, Telefonsprechzeiten: dienstags 9.00 bis 11.00 Uhr, donnerstags 14.00 bis 15.00 Uhr.


Aber Achtung: Insbesondere kleinere Kinder sollten vor solchen Krisenbildern besser geschützt werden. Diese Bilder, aber auch die dazugehörigen Fakten können bei Kindern unter zehn Jahren sogar zu Angststörungen und Verwirrungen führen, da sind sich die Experten aus der Pädiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie einig. Erwachsene sollten deshalb nicht nur bei der aktuellen Berichterstattung genau darauf achten, was Kinder im Fernsehen und Internet anschauen. Dies gilt insbesondere für jüngere Kinder bis zu zehn Jahren, da diese besonders Probleme damit haben, die Realität und das, was im Fernsehen, im Internet, dem Radio oder der Tageszeitung gezeigt und angesprochen wird, hinreichend zu verarbeiten. Und das gilt nicht nur für Fernsehbeiträge, sondern auch für eine Vielzahl der PC- und Online-Artikel.

Mediennutzung besser immer im Auge behalten

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Grundsätzlich sollten Eltern immer beim Fernsehen bzw. der Mediennutzung der Kinder dabei sein oder zumindest Kenntnis von den gewählten Sendungen bzw. Themen haben und im Anschluss für gemeinsame Gespräche zu den gezeigten Themen offen sein oder gar aktiv dazu anregen. Bei jeglicher Katastrophenberichterstattung empfehlen die Experten aber ganz klar das Um- oder Abschalten. Aufgrund der in den vergangenen Jahren stark zugenommenen Anzahl der Fernsehkanäle, aber nicht zuletzt auch durch die Vielzahl an neuen Medien sind Kinder heutzutage in der Medienwelt einer steten Informationsflut ausgesetzt. Um dann später einerseits nicht zum Medienjunkie zu werden, muss eben auch rechtzeitig gelernt werden, abzuschalten. Und zwar nicht nur den Fernseher, sondern auch die inzwischen stark verbreiteten Smartphones, Tablett-PCs oder gar den PC selbst. Wenn sich bereits erste erkennbare Belastungssymptome zeigen, sollten die Eltern das Gespräch suchen. Sollte nicht nachhaltig Besserung eintreten, dann darf man sich nicht scheuen, seinen niedergelassenen Kinder- und Jugendarzt oder entsprechend ausgebildete Psychologen, Psychiater oder Therapeuten aufzusuchen.

Doch die wahre Medienflut mit ihren Berichten zur Pandemie ist nicht die einzige Gefahr für unsere jungen Mitmenschen. In solchen Zeiten muss man leider auch nachfragen, wie es um den Kinderschutz selbst gestellt ist. Viele bislang häufig genutzte Hilfsangebote für von Vernachlässigung, Missbrauch oder Misshandlung Betroffene können bzw. konnten aufgrund des Kontaktverbotes in den vergangenen Monaten nicht in Anspruch genommen werden. Studien zeigen leider, dass bei Krisen gerade auch ein Anstieg von körperlicher, emotionaler und sexualisierter Gewalt gegen Kinder zu verzeichnen ist. Der bereits dokumentierte, erhöhte Alkoholkonsum in den Quarantänezeiten trägt leider auch seinen Teil dazu bei.

Hilfsangebote rechtzeitig in Anspruch nehmen

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Ein hilfreiches Angebot kann dann der Telefonkontakt mit der Medizinischen Kinderschutzhotline (0800 1921000) sein. In der Region ist die Ärztliche Beratungsstelle an der DRK-Kinderklinik Siegen eine hilfreiche Kontaktstelle, die als spezialisierte Fachstelle gegen alle Formen von Gewalt an Kindern und Jugendlichen, insbesondere bei Kindesmisshandlung, bei sexuellem Missbrauch und bei Vernachlässigung auch anonym telefonisch oder direkt persönlich Hilfe anbietet.

Kinder und Jugendliche können sich an die ÄBS wenden, wenn sie Kummer und Sorgen in der Familie haben, sie seelisch oder körperlich misshandelt, vernachlässigt oder sexuell missbraucht werden, sie von häuslicher Gewalt betroffen sind. Mütter und Väter finden Unterstützung, wenn ihnen alles über den Kopf wächst, die Belastungen zu groß werden und sie sich überfordert erleben, sie vermuten oder wissen, dass ihr Kind sexuellen Übergriffen ausgesetzt ist, sie das Wohl eines Kindes gefährdet sehen. Und professionelle Helfer finden dort fachliche Unterstützung im Umgang mit betroffenen Kindern und Jugendlichen. Jeder kann anrufen. Was besprochen wird, bleibt vertraulich und unterliegt der Schweigepflicht. Die Gesprächs- und Therapieangebote sind dem Grundsatz „Hilfe statt Strafe“ verpflichtet und sind kostenfrei. Zur Krisenintervention ist bei Bedarf eine stationäre Aufnahme in Zusammenarbeit mit der DRK-Kinderklinik Siegen möglich.

Wichtig ist, bei möglichen Konfliktsituationen auf jeden Fall professionelle Hilfe und Unterstützung zu suchen. Denn gerade bei den Fachleuten besteht Verständnis für die Thematik, aber es findet sich dort auch die Kompetenz, die Probleme anzugehen. +
   

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