HÜNSBORN: In der katholischen St.-Kunibertus-Kirche treten dem Besucher bedeutsame Charaktere der Geschichte auf lebendige Weise entgegen

Wo große Geister Mut zusprechen


30.12.2020

„Die Geschichte der Kirche in Hünsborn reicht in der Zeit viele Jahrhunderte zurück”, sagt Christian Albert, Vikar an St. Severinus zu Wenden und Mitarbeiter im Pastoralen Raum Pastoralverbund Wendener Land. „Der Ort Hünsborn selbst wird dabei erstmals in einem Verzeichnis erwähnt, das die Einkünfte des Marschalls von Westfalen zwischen 1293 und 1300 angibt“, erklärt auch Heimathistoriker Albert Stahl, der auch verantwortlich für den Kirchenführer zeichnet und sich intensiv mit der Geschichte des Gotteshauses beschäftigt hat. „Um 1330 wurde Adolf von Holdingshausen, der im Notfall die damalige Waldenburg bei Attendorn zu verteidigen hatte, mit dem Haupthof Hünsborn und dem zugehörigen Hofesgericht belehnt. Besitzer der Waldenburg und Lehnsherr über Hünsborn war der Erzbischhof von Köln. Dieser Haupthof gehörte später der Wendener Kirchengemeinde.“

Auf dem Platz, auf dem die heutige katholische St.-Kunibertus-Kirche in ganzer Pracht steht, muss sich viele Jahrhunderte zuvor einmal eine kleinere Kapelle befunden haben. „Eine Kapelle für Hünsborn wird erstmals im Olper Taufbuch erwähnt“, so Albert Stahl. „Dort heißt es, der Kölner Weihbischhof und Generalvikar Johann Anathan habe am 4. Juni 1669 in Hünsborn einen Altar, eine Glocke und einen Friedhof geweiht. Diese Urkunde aber schließt nicht aus, dass auch schon vorher hier an Ort und Stelle eine Vorgänger-Kapelle stand.“ Durch die Jahrhunderte hindurch wurden die Mauern der altehrwürdigen Kapelle von 1669 immer mehr vergrößert und erweitert. Zunächst kam ein großer Altarraum hinzu, bald konnte das Kirchenschiff um die Kapelle herumgebaut werden, es folgte eine Erweiterung des Altarraumes und ein Bau der Querschiffe mit Sakristei, bis bald ein stattlicher Turm und eine weitere neue kleine Kapelle entstanden. „Diese Erweiterungsmaßnahmen wurden einfach zwingend nötig, da sich die Ortschaft mit der Zeit immer mehr vergrößerte und die Menschen eben einen entsprechend größeren Treffpunkt für die Gottesdienste benötigten“, erinnert Christian Albert.

So entstand bald ein einheitlicher, dem barocken Stil nachempfundener Sakralbau mit hellem Außenputz und beschiefertem Satteldach, bei dem gerade auch von Weitem die Zwiebelhaube des Dachreiters und die mächtige Kugel des großen Turmes die Blicke auf sich ziehen. „Diese Kirche ist vornehmlich ein Haus des Gebetes, eine Stätte, an der wir die Eucharistie feiern“, sagt Vikar Christian Albert. „Dieser Aufgabe haben Gebäude und Einrichtung zu dienen, und sie tun dies auch auf eine unmittelbare Art und Weise.“ Denn betritt man die St.-Kunibertus-Kirche, wird die gesamte Aufmerksamkeit der Eintretenden direkt an den vielen Säulen und übersichtlich angeordneten Sitzreihen vorbei auf die reich ausgestatteten Altäre im Chorraum gelenkt. Prunkvoll ausgestaltete Bilder und Symbole aus Gold und Stein offenbaren sich dem Betrachter, in deren Zentrum die Darstellung eines edel geformten Pelikans als Sinnbild des sich aufopfernden Christus thront. Die Heilsgeschichte wird wieder lebendig und lädt dazu ein, den geschäftigen Geist zur Ruhe kommen zu lassen und Andacht zu halten.

„Und natürlich finden sich in dem Gotteshaus St. Kunibertus immer wieder aufs Neue deutliche und einprägsame Hinweise auf Jesus Christus selbst. Einem der zahlreichen Kunstwerke und Darstellungen sollte dabei ein besonderes Augenmerk geschenkt werden: So hängt im linken Seitenschiff als zwölfte Kreuzwegstation ein Bild des sich aufopfernden Christus, das aus dem Jahr 1687 stammt und das auf besondere Art und Weise eines zum Ausdruck bringt: Jesus hat sein Leben für uns alle gegeben und erlöst uns durch sein Blut, das aus seinen Wunden strömt.“

„Der kostbarste Schatz der Kirche wiederum ist das eindrucksvolle Triumphkreuz über dem Hochaltar, eine spätgotische Arbeit, wohl aus der Zeit kurz vor 1500 mit den enormen Ausmaßen 2,25 Meter mal 2,15 Meter“, so Christian Albert. Trost finden die Betenden in diesem Gotteshaus auch vor der Pieta aus dem Jahr 1750, die die Gottesmutter Maria mit dem verstorbenen Jesus in ihren Armen zeigt und die den Menschen zugleich im größten Leid mit beispielhafter Größe und Anmut beisteht. „Diese Pieta hatte ihren Platz mehrere Jahre im rechten Mittelschiff der Kirche und war lange Zeit Mittelpunkt der Marienkapelle am Turm. Sie soll ursprünglich aus der Schlosskapelle zu Junkernhees stammen“, so Albert Stahl.

Eine besondere Spannung aber umfängt den Kirchenbesucher, wenn er sich den bunten, meterhohen Fenstern in den Seitenschiffen nähert. Denn plötzlich steht er hier weiteren großen Geistern der Kirchengeschichte gegenüber, die so präsent und lebendig aus der Höhe auf ihn herabschauen, als würden sie jeden Augenblick aus dem bunten Glas heraus in den Kirchenraum treten. In diesem sogenannten „Heiligenviertel“ der vier mächtigen Fenster ist Maria Magdalena zu sehen, wie sie in ihren fromm gefalteten Händen ein Gefäß mit Salböl vor sich trägt. Das Fenster daneben zeigt die heilige Elisabeth, die als große Frau der Caritas gilt. Im dritten der vier Fenster erwacht der heilige Sturmius, der Gründer und erste Abt des Klosters Fulda zu neuem Leben, der das Evangelium im Paderborner Land verbreitete. Und im vierten Fenster wiederum erhebt sich in voller Größe der Namenspatron des Gotteshauses, der heilige Kunibertus. „Diese Heiligen haben uns Menschen der heutigen Zeit immer noch sehr viel zu sagen“, macht Vikar Christian Albert deutlich. „So stammt der heilige Kunibert von Köln als Bischof der Domstadt (zwischen 600 und 664) aus einer Zeit des Umbruchs, des allmählichen Wechsels von der Antike hin zum Mittelalter. Es ist eine Zeit, die große Veränderungen für die Menschen mit sich brachte, nicht zuletzt auch durch die große Völkerwanderung. Bezeichnend ist, dass in Kuniberts Amtszeit die Kirchen und Klöster im Bistum ungemein aufblühten und das in Jahrzehnten der großen Verunsicherung für die Menschen. Der heilige Kunibertus ist damit ein Sinnbild für einen gedanklichen Ruhepol in einer sich drastisch verändernden Welt. Und dies können wir uns gerade heute in einer Zeit mit Corona, mit Kriegen und vielen anderen Krisen eben ganz deutlich zum Beispiel nehmen. In der Begegnung mit solchen Geistern der Geschichte Ruhe und Ausgelichenheit finden, ist dabei ein hohes Gut.“

Nach dem Ableben von Bischhof Kunibert wurden dessen Gebeine in einem Schrein in der Apsis der ihm geweihten Kirche St. Kunibert in Köln aufbewahrt. „Und wir als katholische Kirchengemeinde St. Kunibertus Hünsborn sind zudem sehr stolz darauf, dass wir eine Reliquie seiner Gebeine hier bei uns in der Kirche aufbewahren und ehren dürfen“, sagt Christian Albert. „Diese Reliquie wurde im Jahr 1936 dem Grab des Heiligen in Köln entnommen“, erinnert auch Albert Stahl. „Kardinal Schulte machte sie daraufhin unserer Gemeinde zum Geschenk, zusammen mit weiteren Reliquien des Patrons, die Erzbischhof Johannes Degenhardt am Tag der Kirchweihe am 14. Juli 1991 hier in Hünsborn in den Opferaltar einließ und verschloss.“

Weitere spannende Schätze der Kirche sind unter anderem auch die mächtige mit Gold verzierte Stockmann-Orgel mit ganzen 2222 Pfeifen oder der große Taufbrunnen mit einer Engelsfigur, die die Hand nach dem Taufwasser ausstreckt und an den sagenumwobenen Teich von Bethesda erinnern soll, dessen Wasser jedesmal heiligende Kraft erhielt, wenn es durch einen Engel bewegt wurde. Draußen, vor der Kirche, spendet wiederum ein Bildnis der heiligen Mutter Anna Ruhe und Muße, die früher oft gegen Blitz und Ungewitter angerufen wurde. Und hier, über dem Hauptportal findet man auch den heiligen Kunibertus wieder, der als steinerner Namensgeber über das gesamte Gotteshaus wacht.
   

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