Die Kniearthrose zählt mit zu den häufigsten Abnutzungserscheinungen der Gelenke

Wenn es nicht mehr geschmeidig läuft


5.07.2021

Wenn das Knie anhaltend schmerzt und die Bewegung eingeschränkt ist, sollte der Gang zu einem Facharzt führen, denn eine Arthrose des Kniegelenks ist in vielen Fällen wahrscheinlich. Die Kniearthrose zählt zusammen mit der Arthrose des Hüftgelenks zu den häufigsten Abnutzungserscheinungen der Gelenke. Doch was ist eine Kniearthrose überhaupt genau und besteht eine Chance auf Heilung oder Besserung?

Starke Bewegungseinschränkung

Unter einer Kniearthrose versteht man den vorzeitigen, krankhaften Verschleiß des Gelenkknorpels im Knie. Normalerweise sorgt ein gesunder Knorpel für die Gleitfähigkeit der Knochen und ermöglicht eine reibungsarme Bewegung des Kniegelenkes. Bereits bei oberflächlichen Knorpelschädigungen findet aber keine ausreichende Heilung des Knorpels statt, dieser kann sich nicht mehr selbst regenerieren. Durch die fehlende schützende Knorpelschicht verschmälert sich der Gelenkspalt und die Knochen reiben im weiteren Verlauf immer mehr aufeinander. Genau dadurch entstehen die Schmerzen im Knie.

Generell äußert sich eine Arthrose durch viele verschiedene Symptome, wobei eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung das führende Symptom ist. Es entstehen zudem oftmals Entzündungen mit Rötungen und Schwellungen, welche die Betroffenen zunehmend einschränken. Mit dem Voranschreiten des Verschleißes gewinnen die Symptome an Intensität, die sich in verschiedene Schweregrade unterscheiden lassen. Zu Beginn schmerzt das Kniegelenk fast ausschließlich bei Belastung. Im weit fortgeschrittenen Stadium spüren Betroffene die Schmerzen sogar nachts und im Ruhezustand. Je weiter die Beeinträchtigung des Kniegelenks fortgeschritten ist, desto spürbarer sind die Symptome.

Entstehung durch Kombination aus Ursachen

Eine Arthrose im Knie kann verschiedene Ursachen haben. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer primären und einer sekundären Kniearthrose. Bei der primären Gonarthrose sind die genauen Ursachen für die Entstehung der Knorpelproblematik nicht erkennbar, Faktoren könnten dabei aber ein höheres Lebensalter, Bewegungsmangel sowie eine erbliche Veranlagung sein. Eine sekundäre Kniearthrose wird hingegen durch äußere Faktoren wie Gelenkverletzungen und Knochenbrüche im Bereich des Kniegelenks, aber auch durch Übergewicht und Fehlstellungen (X- oder O-Bein) verursacht. In den meisten Fällen spielt eine Kombination der verschiedenen Ursachen eine Rolle für die Entstehung einer sekundären Kniegelenksarthrose. Diese sollten möglichst genau identifiziert werden, um gezielt therapeutisch gegen die Beschwerden vorgehen zu können.

Führt der Gang bei Beschwerden zu einem Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, so wird im ersten Schritt die Krankheitsgeschichte des Betroffenen aufgenommen. Der Facharzt versucht so, Rückschlüsse auf die Schmerzursache und die Lokalisierung der Arthrose ziehen zu können. Darauf folgen eine körperliche Untersuchung, bei der die Muskulatur im Bein und das Gangbild bewertet werden, sowie die Palpation, bei der das betroffene Kniegelenk mit den Händen abgetastet wird. Dabei lässt sich prüfen, ob das Knie druckempfindlich, überwärmt oder geschwollen ist. Mitunter kann auch eine Ultraschall-Untersuchung zum Nachweis eines Gelenkergusses durchgeführt werden. Unterstützt wird die orthopädische Untersuchung durch bildgebende Verfahren wie Röntgen und MRT, die eine eindeutige Diagnosestellung ermöglichen. In den meisten Fällen lässt sich eine Kniearthrose schon durch eine Röntgenuntersuchung bestätigen. Dort erkennt man die für eine Arthrose typische Verschmälerung des Abstands zwischen den Kniegelenksflächen. Dabei gilt: Je kleiner der Gelenkspalt, umso fortgeschrittener ist die Kniearthrose. Im Rahmen einer MRT-Untersuchung (Kernspintomografie) können auch Schäden an weiteren Strukturen wie Bändern, Sehnen oder Menisken des Kniegelenks gut dargestellt werden. Meist kommt der behandelnde Arzt jedoch durch die Anamnese und eine körperliche Untersuchung in Verbindung mit einer Röntgenuntersuchung zu der Diagnose Arthrose.

Bewegen statt schonen

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Ist die Diagnose einer Kniegelenksarthrose gestellt worden, wird von Arzt und Patient gemeinsam zwischen den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten die ideale, auf den Patienten abgestimmte Therapie gewählt. In den meisten Fällen steht zunächst ein konservativer nicht-operativer Therapieansatz im Vordergrund. Dazu gehören möglichst viel Bewegung, beispielsweise durch Radfahren oder Schwimmen, sowie ein Aufbau der oberschenkel- und kniegelenksumfassenden Muskulatur oder auch physikalische Therapieformen. Die Vermeidung von Bewegungen ist daher vielmehr der falsche Weg, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Auch die Gewichtsreduktion spielt bei vielen Betroffenen eine wichtige Rolle. Gegebenenfalls können auch Einlagen einen Beitrag zur Beschwerdelinderung leisten. Viele Betroffene mit leichteren bis mittleren Arthrosegraden profitieren auch von einer Spritzentherapie mit Eigenblut (zur Förderung der bioregenerativen Heilungskräfte des Körpers), Hyaluronsäure-Injektionen oder einer Akupunkturbehandlung. Somit stehen viele verschiedene wirksame, gelenkerhaltende Verfahren zur Verfügung, um die Arthrose und die Beschwerden, an denen die Betroffenen leiden, zu verbessern. Durch die Verbindung der einzelnen konservativen Behandlungsformen können Schmerzen gelindert und die Beweglichkeit verbessert werden.


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DR. MED. ALEXANDER BELZ

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, MedCenter Orthopädie am Kreisklinikum Siegen


Letzte Maßnahme: OP

Erst wenn konservative Maßnahmen keinen Erfolg erzielen, kommt eine operative Behandlung infrage. Auch hier wird individuell auf die Entstehung der Arthrose und den Patienten eingegangen. So kann bei einem jüngeren Patienten mit Achsenfehlstellung eine operative Umstellungsoperation hilfreich sein, um das Fortschreiten der Arthrose zu verhindern. Wenn die Funktionalität des Kniegelenks aber massiv gestört und durch andere Maßnahmen nicht wieder herstellbar ist, kann das Kniegelenk durch eine Knieprothese ersetzt werden. Je nach Fortschritt der Erkrankung kann der Operateur dabei auf verschiedene Implantate zurückgreifen. Ist eventuell nur ein Bereich des Kniegelenkes betroffen, ist oftmals schon ein Teilersatz, eine sogenannte Schlittenprothese, ausreichend. Bei vollständiger Arthrose des Kniegelenkes muss dieses jedoch auch vollständig ersetzt werden. Dabei kann inzwischen auch auf individuell angefertigte Prothesen zurückgegriffen werden.

Schmerzen im Knie müssen also kein Verlust der Lebensqualität mehr sein. Die moderne Medizin hält mittlerweile viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten bereit, um zu einem Leben ohne Schmerzen beizutragen. +
    

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