Kinderchirurgen der Kinderklinik Siegen müssen häufig kleine Kinder versorgen, die gefährliche Kleinteile verschluckt haben

Kleine Teile – große Gefahren


4.07.2021

Verschluckte Fremdkörper sind regelmäßiger Grund für eine Vorstellung von Kindern in der kinderchirurgischen Ambulanz der DRK-Kinderklinik. Erfreulicherweise verursachen die meisten Gegenstände keinerlei Probleme. Unter bestimmten Umständen können aber auch kleine Fremdkörper große Folgen haben. Anlässlich eines eindrücklichen Falles möchten die Kinderchirurgen der DRK-Kinderklinik Siegen auf die besonderen Gefahren hinweisen, die von verschluckten Magneten und Batterien ausgehen.

Achtung vor Supermagneten

Supermagnete (auch Permanentmagnete oder „Seltene-Erden-Magnete“ genannt) erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, da sie schick aussehen und besonders stark sind. Daher sind sie in vielen Haushalten an der Kühlschranktür, auf dem Schreibtisch und auf Tafeln zu finden, wo sie als Befestigungselemente oder einfach nur als Schmuckstücke dienen. In besagtem Fall hatten die Eltern den Verdacht, dass ihr Kind möglicherweise zwei dieser Magnete verschluckt haben könnte. Wenn Magnete zeitlich getrennt voneinander verschluckt werden, ist dies besonders gefährlich. Die beiden Magnete können sich bei der Passage durch den Magendarmtrakt annähern und dann aneinanderhaften, während sie sich in unterschiedlichen Darmabschnitten befinden. Damit werden die Darmwände zwischen den Magneten eingequetscht. Durch den starken Druck und die daraus resultierende Durchblutungsstörung wird die Darmwand zerstört und ein Loch entsteht. „Durch den austretenden Magen – oder Darminhalt in die Bauchhöhle kann eine lebensbedrohliche Situation entstehen“, so Dr. Stefan Beyerlein, Chefarzt der Abteilung Kinderchirurgie und Kinderorthopädie an der DRK-Kinderklinik. „Ebenso gefährlich ist die Kombination von Magnet und Metallteilen. Ein einzelner Magnet hingegen verursacht in aller Regel keinerlei Probleme“, führt der Kinderchirurg weiter aus.

In diesem Fallbeispiel ergab das angefertigte Röntgenbild den Verdacht auf das Vorliegen zweier Magnete. Eine notfallmäßige Magenspiegelung zeigte einen an der Magenwand fest anhaftenden Magneten. Offensichtlich haftete er an einem zweiten Magneten, der außerhalb des Magens in einem anderen Darmabschnittlag. Aufgrund der starken Anziehungskraft konnten die Magnete im Rahmen der Magenspiegelung nicht voneinander getrennt werden. Es blieb somit keine andere Möglichkeit, als die Magnete im Rahmen einer Bauchoperation zu entfernen. Hierbei musste der Darm an der betroffenen Stelle eröffnet werden. Nur so konnten die Magnete voneinander getrennt und anschließend geborgen werden. Aufgrund des schnellen Vorgehens waren die Magen- und Darmwand an der eingeklemmten Stelle noch intakt, so dass der kleine Patient die DRK-Kinderklinik schon nach wenigen Tagen beschwerdefrei wieder verlassen konnte.

Batterien sind besonders gefährlich
     

Kleine Teile – große Gefahren Image 3

„Neben Magneten oder Magnet-Metall-Kombinationen können auch Batterien (meist in Form von Knopfzellen) gefährlich werden“, erläutert Dr. Stefan Beyerlein. „Dies ist dann der Fall, wenn diese in der Speiseröhre stecken bleiben. Anders als im Magen oder Darm kann sich durch die eng anliegende Wand der Speiseröhre ein geschlossener Stromkreis bilden. Dieser kann schon nach kurzer Zeit schwere Verletzungen bis hin zur Perforation hervorrufen. Daher sollten Knopfbatterien ohne Verzögerung entfernt werden. Ist die Batterie oder Knopfzelle bereits im Magen, erfolgt Anzeige eine Kontrolle nach zwei Tagen. Wird sie in den Darm weitertransportiert, kann die natürliche Ausscheidung abgewartet werden, ansonsten erfolgt auch hier die Entfernung über eine Magenspiegelung.“ Besteht der Verdacht, dass ein Kind einen Gegenstand verschluckt haben könnte ist aus Sicht der Kinderchirurgie in jedem Fall eine Abklärung angezeigt. Auch in der Speiseröhre steckengebliebene Münzen, Haarspangen oder andere Fremdkörper können hier Druckstellen und Verletzungen verursachen. Häufige Alarmzeichen sind Schmerzen, Schluckbeschwerden und ein auffälliger Speichelfluss. Befindet sich der Fremdkörper in oder in der Nähe der Luftröhre, können eine plötzlich auftretende Luftnot oder ein starker (Reiz-) Husten entstehen. „Handelt es sich um unkritische Gegenstände und kann ein Fremdkörper in der Speise- oder Luftröhre ausgeschlossen werden, kann zunächst abgewartet werden. In der Regel werden diese Fremdkörper nach einigen Tagen einfach wieder ausgeschieden.


Kleine Teile – große Gefahren Image 4

DR. STEFAN BEYERLEIN

Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie, Kinderurologie und Kinderorthopädie an der DRK-Kinderklinik Siegen


Nur in den sehr seltenen Fällen, bei denen es im Verlauf zu Beschwerden kommt oder der Fremdkörper nicht ausgeschieden wird, sind weiter Kontrollen erforderlich“, erläutert Dr. Beyerlein abschließend. Im Rahmen der Unfallverhütung sollten daher Magnete und Batterien immer außer Reichweite von Kindern gelagert werden. Da sich aber auch in vielen Geräten und Kinderspielzeugen Magnete oder Batterien befinden, ist es für Eltern wichtig zu wissen, dass bereits kleine Kinder diese Geräte öffnen oder dass durch Defekte diese Gegenstände in Reichweite des Kindes gelangen können. Durch den sorgsamen Umgang mit potenziellen Gefahrenquellen und aufklärende Gespräche mit den Kindern kann in der Regel das Verschlucken von Fremdkörpern verhindert werden. +

DER ÄRZTLICHE BEREITSCHAFTSDIENST

Ihr Kind oder Sie sind krank und die Arztpraxen sind zu? Sie sind nicht lebensbedrohlich erkrankt, können jedoch nicht bis zur nächsten Sprechzeit warten? Dann helfen Haus- und Fachärzte im ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Sie können entweder direkt eine geöffnete Bereitschaftspraxis in Ihrer Nähe aufsuchen oder die 116117 wählen. Die Mitarbeiter der 116117 kennen Ärzte in Ihrer Nähe oder schicken bei Bedarf einen Arzt zu Ihnen nach Hause.

Sie erhalten die ärztliche Hilfe, die Sie brauchen. Der ärztliche Bereitschaftsdienst versorgt sowohl Kassen- als auch Privatpatienten – schnell und unkompliziert. Die Telefonnummer 116117 funktioniert ohne Vorwahl und gilt deutschlandweit. Der Anruf ist kostenfrei – egal, ob Sie über das Festnetz oder mit dem Mobiltelefon anrufen. Der Patientenservice ist rund um die Uhr erreichbar – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. +


NOTRUFNUMMERN: WICHTIGE TELEFONNUMMERN

Feuerwehr und Rettungsleitstelle: ............................................112
Polizei: ...................................................................................110
Rettungsleitstelle: ..............................................................1 92 22
Zentralruf für Vergiftungen: ...................................... 0 30 / 1 92 40

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.