Sport ist auch mit Multipler Sklerose möglich: Das Selbstvertrauen wird gestärkt und der Körper beansprucht

Geht nicht, gibt’s nicht!


4.07.2021
Marien Kliniken

Mein Name ist Miriam Krug, ich bin am 12. Dezember 1974 in Siegen geboren. Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) bekam ich im Jahr 1993 gestellt. Mittlerweile sind es schon 27 Jahre, die ich mit der Diagnose lebe. Und das den Umständen entsprechend ganz gut – denn es ist immer die Frage, was man persönlich daraus macht.

Gemeinschaftsprojekt sorgte für den ersten Kletterversuch

In der DAV-Kletterhalle Siegen wurde vor fünf Jahren an einem Sonntag eine Veranstaltung für Menschen mit neurologischen Erkrankungen angeboten. Es handelte sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt der DAV-Kletterhalle Siegen und der Celenus Fachklinik Hilchenbach. Bei meinem ersten Kletterversuch bin ich mit Hilfe von zwei Beikletterern, die mir die Füße richtig auf einen Tritt positioniert hatten, geklettert. Als ich am Ende der Kletterwand angekommen war, fühlte ich mich so stark und so stolz, als hätte ich den Mount Everest bestiegen. Unglaublich toll!

„Für mich ist es die beste Therapie bei MS“

Mittlerweile bin ich Gruppenleiterin der Handicap-Klettergruppe. Diese Klettergruppe trifft sich regelmäßig und klettert ein Mal im Monat mit vielen freiwilligen Helfern der DAV-Kletterhalle Siegen am Effertsufer. Zumindest in der Zeit, als der Alltag noch nicht von Corona bestimmt war. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass ich nun über einen längeren Zeitraum diesen tollen Sport nicht ausüben konnte.

Und doch: Mit dem Klettersport habe ich – trotz MS – meinen absoluten Lieblingssport gefunden. Seit mehr als vier Jahren klettere ich nun schon aktiv, und das mindestens einmal in der Woche. Die aktuelle Pause, die hoffentlich in Kürze beendet ist, mit eingerechnet. Es tut mir sehr gut, der ganze Körper wird trainiert.

Meiner MS geht es seit Beginn der sportlichen Tätigkeit sogar besser. Mein Gesundheitszustand hat sich insgesamt verbessert. Mein Gangbild hat sich enorm gebessert, mein Stand ist stabiler geworden. Selbst den Menschen in meinem Umfeld ist das aufgefallen. Sie sind sehr erstaunt darüber. Mein Mann sagte mir auch, dass ich so gut und sicher laufe wie schon längere Zeit nicht mehr. Ihm ist also aufgefallen, was ich selbst auch gemerkt habe. Das bestärkt mich natürlich in dem, was ich mache. Für mich ist es die beste Therapie bei MS – oder allgemein gesagt: bei einer neurologischen Erkrankung.


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MIRIAM KRUG

Gruppenleiterin der Handicap-Klettergruppe
DAV-Kletterhalle Siegen
E-Mail: genigini@dav-siegerland.de


Das Selbstvertrauen wird gestärkt, der gesamte Körperbau wird beansprucht und Muskeln werden somit wieder aufgebaut beziehungsweise gestärkt. Seitdem ich aktiv klettere, benötige ich meinen Rollator weniger und laufe häufiger ohne Hilfsmittel. Natürlich benötige ich meinen Rollator immer noch, auch den Rollstuhl für weitere Strecken, aber selbst darin habe ich eine viel bessere, aufrechtere Haltung und eine stabilere Rückenmuskulatur. Zum Glück habe ich diesen Sport für mich gefunden.

Interessierte und Betroffene können gerne, wenn sie wieder angeboten werden, am monatlich stattfindenden Handicap-Klettertag selbst schnell sehen, was Klettern bewirkt. Menschen, die einen Schlaganfall hatten und die auch erst dachten, sie schaffen das Klettern nicht, sind dann mit Beikletterern die Wand hoch – und siehe da, zwar mit Unterstützung, aber es funktionierte.

Mein Motto ist: „Einfach machen, nicht reden. Und nie damit aufhören, etwas sportlich zu machen – egal, was es ist!“ Denn wie sehr sich Sport auf den eigenen Körper auswirkt, merke ich aktuell. Dadurch, dass ich nun schon längere Zeit nicht mehr klettern konnte, hat sich meine MS auch wieder verschlechtert. Mir fehlt mein geliebter Sport, das Klettern. Doch schon bald werde ich wieder aktiv werden können... +
    

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