Akne kann Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen treffen

Eine Krankheit auf und mit vielen Gesichtern

Akne entsteht meist wegen hormoneller Schwankungen, weshalb überwiegend Jugendliche während der Pubertät und oftmals auch Frauen nach dem Absetzen der Antibabypille betroffen sind.

5.07.2021
Bahnhof-Apotheke

„Ich sehe aus wie ein Streuselkuchen“, sagen Betroffene oft, wenn sie aufgrund von Akne über ihr Hautbild klagen. Mediziner sprechen von der Krankheit, wenn Pickel und Mitesser über einen längeren Zeitraum immer wiederkehren. Dr. Claudia El Gammal ist Fachärztin für Hautkrankheiten in der Praxis für Dermatologie im MVZ Jung-Stilling in Siegen und weiß, dass bei Akne nicht selbstständig Hand angelegt werden sollte. Das kann nämlich dazu führen, dass sich das Hautbild verschlechtert – sogar langfristig.

Akne ist eine genetisch bedingte Erkrankung der sogenannten Talgdrüsenfollikel. Diese kommen vor allem im Bereich des Gesichts, der Schultern, der Brustmitte und am oberen Rücken vor und produzieren Hautfett (Talg). Das sorgt dafür, dass Haut und Haar geschmeidig bleiben. Erhöht sich die Talgproduktion, was hormonell bedingt passieren kann, und verstopfen die Ausgänge der Talgdrüsen aufgrund winziger Hautschüppchen, entstehen sogenannte Mitesser (Komedonen). Dabei handelt es sich um fettige Pfropfen, die als schwarze Knötchen oder weiße Pünktchen auf der Haut sichtbar werden. Entzünden sich Mitesser, bilden sich kleine rote Knötchen, häufig mit Eiterbläschen, die im Volksmund als Pickel bezeichnet werden. Da die Hautunreinheiten vor allem im Gesicht auftreten und damit auf dem Körperteil, dem Mitmenschen die meiste Aufmerksamkeit schenken, haben Betroffene oft einen hohen Leidensdruck, der bis zum sozialen Rückzug führen kann.

Akne tritt bei etwa 80 Prozent der Jugendlichen während der Pubertät auf. Sowohl bei Mädchen als auch Jungen nimmt dann die Produktion von männlichen Sexualhormonen (Testosteron) stark zu. In den Talgdrüsen wird dadurch vermehrt Hautfett gebildet. Daneben kann Akne auch im Erwachsenenalter erstmals entstehen – unter anderem, wenn Frauen die Antibabypille absetzen und sich der Hormonhaushalt wieder einpendeln muss. Deshalb sind über 30- und 40-jährige Akne-Patientinnen keine Seltenheit. In diesen Fällen sprechen Ärzte von Spätakne.

Wie stark sich eine Akne ausprägt, ist in erster Linie erblich bedingt: War bereits ein Elternteil schwer betroffen, erkranken oft auch die Kinder ab dem Jugendalter an einer schweren Akne-Form. Weitere Provokationsfaktoren sind Rauchen, psychischer Stress und eine falsche Hautpflege mit zu fettigen Inhaltsstoffen. Die Ernährung spielt keine so große Rolle wie oft angenommen. Studien weisen bislang keinen Zusammenhang der Akne mit beispielsweise Schokolade oder sonstigen fettigen Nahrungsmitteln nach. Ein erhöhter Konsum von Milch und Milchprodukten scheint Akne jedoch ungünstig zu beeinflussen.

Formen der Akne

Typisch bei Akne, vor allem im Gesicht, ist ein öliges und großporiges Hautbild. Im Jugendalter tritt die leichte Form (Acne comedonica) häufig auf. Dabei bilden sich überwiegend Mitesser, die sich nur selten entzünden. Am häufigsten kommen sie auf der sogenannten T-Zone an Stirn, Nase und Kinn vor. Die mittelschwere Form (Acne papulopustulosa) äußert sich neben Mitessern zusätzlich durch dickere, entzündliche, schmerzhafte und eitrige Pickel. Bei der schweren Akne-Form (Acne conglobata) sind vor allem die Wangen, Schläfen und fast immer auch die Brust und der obere Rücken betroffen. Hier können sich dicke, gerötete Knoten, zystenartige Schwellungen und Eiterpusteln bilden. Die schwere Form führt immer dazu, dass sich Narben bilden und sollte deshalb frühzeitig behandelt werden. Die Spätakne, vor allem bei Frauen, ist durch gerötete Knötchen gekennzeichnet, die vor allem im seitlichen Wangenbereich, am Kinn und Unterkiefer auftreten. Sie bilden sich meist langsam innerhalb mehrerer Wochen zurück.


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DR. CLAUDIA EL GAMMAL

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, MVZ Jung-Stilling
Praxis für Dermatologie
Wichernstraße 38, 57074 Siegen
Tel.: 0271 333 4670
E-Mail: mvzdermatologiesiegen@diakonie-sw.de


Diagnose

Die Diagnose einer Akne wird klinisch gestellt. Dabei wird die Haut betroffener Patienten betrachtet, nach der Dauer der Beschwerden gefragt und ob akneauslösende oder kortisonhaltige Medikamente, bestimmte Vitaminpräparate sowie Psychopharmaka eingenommen werden. In Einzelfällen können zudem ein Hautabstrich, das Messen der Talgproduktion sowie eine Hormonuntersuchung veranlasst werden. Als erste Anlaufstelle ist der Hausarzt aufzusuchen, der zunächst eine äußerliche Therapie verordnen kann. Bei schweren Akneformen und einer unzureichenden ersten Behandlung, ist der Weg zum Hautarzt sinnvoll.

Therapie

Akne lässt sich gut behandeln. Dermatologen planen vor allem die Therapie mittelschwerer und schwerer Formen individuell und an das Krankheitsstadium angepasst. Wer unter einer leichten Akne-Form leidet, kann sich zunächst selbst helfen, indem die Haut täglich und sorgfältig mit milden Waschgels und Anti-Akne-Cremes aus der Apotheke gepflegt wird. Hilfreich sind auch Heilerde-Masken, Dampfbäder und Peelings, um abgestorbene Hautschüppchen zu entfernen. Ein Besuch beim Kosmetiker, um Mitesser fachgerecht zu entfernen, kann das Hautbild ebenso verbessern. Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, sollten äußerliche Medikamente in Form von Cremes oder Gelen zum Einsatz kommen. Hier steht Hautärzten eine ganze Palette wirksamer Substanzen bereit. Die Arzneimittel sind fast alle verschreibungspflichtig und müssen über mehrere Monate, teilweise auch über Jahre, täglich angewendet werden. Sie wirken effektiv, jedoch dauert es meist einige Wochen, bis sich das Hautbild deutlich verbessert. Zu Beginn sind Nebenwirkungen wie leichte Hautreizungen möglich, die aber meist vorübergehender Natur sind. Wer unter einer schweren Akne leidet, braucht zusätzlich eine Therapie „von innen“. Hier können über einen längeren Zeitraum spezielle, niedrig dosierte Antibiotika eingenommen werden. Daneben gibt es Medikamente, die die Talgproduktion hemmen. Bei Frauen kann oft die Antibabypille von Vorteil sein. Die darin enthaltenen weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen verringern die Wirkung männlicher Geschlechtshormone und senken damit die Talgproduktion.

Akne und Narben

Eine abgeheilte Akne kann Narben auf der Haut hinterlassen. Das passiert oft, wenn Betroffene Pickel und Mitesser selbst ausdrücken, diese aufkratzen oder wenn eine schwere Akne-Form ursächlich ist. Im Gesicht sind Aknenarben oftmals eingesunken. Häufig sehen sie wie kleine Grübchen oder winzige Löcher aus. Die sogenannten Pickelmale sind keine Narben, sondern dunkelrot verfärbte Flecken auf der Haut, die aufgrund einer abgeheilten Entzündung entstehen. Pickelmale brauchen Zeit, bis sie sich von selbst wieder zurückbilden – in der Regel etwa drei Monate, manchmal auch bis zu einem Jahr.

Mit einer Narben-Therapie sollte abgewartet werden, bis eine Akne ausgeheilt ist. Die besten Ergebnisse erzielt derzeit eine Behandlung mit dem sogenannten fraktionierten CO2-Laser – einem Gerät, das in Hautkliniken und spezialisierten Praxen zum Einsatz kommt. Dr. Claudia El Gammal besitzt seit 2005 das Diplom „Dermatologische Lasertherapie" der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. In Kooperation mit der Hautklinik im Diakonie Klinikum Bethesda in Freudenberg nutzt die Expertin modernste Lasersysteme. Um Narben vorzubeugen gilt: Akne frühzeitig behandeln, Pickel und Mitesser nicht selbst ausdrücken, einen Arzt und/oder eine kosmetische Fachkraft zu Rate ziehen und geeignete Pflegeprodukte nutzen. +

TIPPS BEI AKNE

+ Pickel und Mitesser nicht selbst ausdrücken oder aufkratzen
+ Arzt und/oder kosmetische Fachkraft zu Rate ziehen
+ zu milden Waschgels und Anti-Akne-Cremes aus der Apotheke greifen
+ Verhornungen mit Heilerde-Masken, Dampfbädern und Peelings bekämpfen
+ bei mittlerer und schwerer Akne-Form: Hautarzt aufsuchen

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