In Siegen-Wittgenstein gibt es zahlreiche Rehasportangebote

Bewegung für mehr Lebensqualität

Knapp fünf Jahre ist es her, dass Rolf Hermann (Name geändert) an einem Lungenemphysem erkrankte. Es begann mit vermehrtem Auswurf und Husten, später mit Atemnot, zunächst nur bei Belastung, dann auch im Ruhezustand. Der damals 65-jährige Siegener war immer mehr in seiner Mobilität eingeschränkt, war zeitweilig sogar an ein Sauerstoffgerät angeschlossen. Während die Primärerkrankung schnell erkannt und behandelt wurde, kamen Folge- und Begleiterkrankungen hinzu, verbunden mit einem Verlust der sozialen Kontakte und Vereinsamung bis hin zu deutlichen Einschränkungen der Psyche und der Lebensqualität.

Wichtig ist, sich mit Betroffenen auszutauschen

So wie Rolf Hermann geht es vielen Betroffenen. Nicht nur Menschen, die an einer Chronisch obstruktiven Bronchitis – kurz COPD – leiden, sondern auch Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatienten, Menschen mit akuten oder chronischen Beschwerden und sogar Kinder und Jugendliche. Zusätzlich zu den herkömmlichen Behandlungsformen wird den Patienten immer häufiger ein sportliches Angebot verschrieben, mit dem Ziel, die körperliche Leistungsfähigkeit dauerhaft zu verbessern und sie in die Gesellschaft oder sogar wieder ins Arbeitsleben zu integrieren. Rolf Hermann etwa hat sich einer Lungensportgruppe angeschlossen, die sich einmal wöchentlich im Kreisklinikum Siegen trifft. Neben einfachen Übungen unter fachkundiger Anleitung einer zertifizierten Übungsleiterin hat er hier die Möglichkeit, sich mit ebenfalls Betroffenen auszutauschen.


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OTTMAR HAARDT

Vorsitzender des Kreissportbundes Siegen-Wittgenstein


Rehabilitationssport oder kurz Rehasport gibt es in vielen verschiedenen Formen – als Herzsport, im Bereich Innere Medizin, Neurologie oder Orthopädie. Insgesamt rund 4000 unterschiedliche Angebote existieren allein in Nordrhein-Westfalen, zumeist in gemeinnützigen Vereinen organisiert. Die Kostenträger des Rehasports sind die Rentenversicherung, die Krankenkasse oder die Unfallversicherung. Die Dauer der Maßnahmen reicht von sechs bis zu 36 Monaten und ist mit der jeweiligen Indikation verknüpft. Die Verordnung muss durch einen Arzt ausgestellt werden. Die Durchführung wird in Gruppen mit dafür speziell ausgebildeten Übungsleitern sichergestellt. Der Rehasport wird mit maximal 15 Teilnehmern durchgeführt und dauert mindestens 45 Minuten. Im Herzsport dauert eine Übungseinheit mindestens 60 Minuten mit höchstens 20 Teilnehmern und wird von einem Arzt oder einer Ärztin während der gesamten Übungseinheit begleitet. In einer Rehabilitationssportgruppe haben die Betroffenen zudem die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und ihre Erfahrungswerte zu teilen. Rehabilitationssport verfolgt unter anderem das Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten, die eigene Verantwortlichkeit des behinderten oder von Behinderung bedrohten Menschen für seine Gesundheit zu stärken sowie ihn zu motivieren und in die Lage zu versetzen, langfristig selbstständig und eigenverantwortlich Bewegungstraining durchzuführen.
      

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Vereine müssen sich zunächst anerkennen lassen

Unter dem Dach des Deutschen Behindertensportverbandes ist der Behinderten- und Rehasportverband Nordrhein-Westfalen (BRSNW) für die Umsetzung des Rehabilitationssports von seinen Mitgliedsvereinen zuständig. So gehört es unter anderem zu seinen Aufgaben, die Übungsleiter aus- und fortzubilden sowie die Anerkennung als Leistungserbringer im Rehabilitationssport auszusprechen und qualitätssichernd zu überprüfen, um damit die Grundlage für die Abrechnung von Rehabilitationssport mit den Kostenträgern zu schaffen.

Wer als Verein Rehasportangebotemachen möchte,muss sich zunächst im Rahmen eines bundesweit einheitlichen Verfahren anerkennen und die geplanten Angebote zertifizieren lassen. Die Vereine sind verpflichtet, die Daten ihrer Rehasportgruppen regelmäßig überprüfen zu lassen und die Qualifizierung der Übungsleitung zu überwachen. Wichtig ist, dass der Übungsleiter oder die Übungsleiterin nicht nur über eine gültige, sondern auch eine indikationsspezifische Rehasportlizenz verfügt. Wer als Rehasport-Übungsleiter tätig werden möchte, muss über eine Übungsleiter-C-Lizenz verfügen. Im Rahmen eines ÜL-B-Basismoduls mit 15 Lerneinheiten werden die grundsätzlichen Fähigkeiten vermittelt. Daran schließt sich das profilspezifische Aufbaumodul an. Die Lizenz im Herzsport und im Bereich Innere Medizin haben eine Gültigkeit von zwei, im Profil Orthopädie und Neurologie von vier Jahren.

Aufbauendes Gerätetraining und erweitertes Kursangebot

Als zusätzliche Leistung des Vereins bzw. Anbieters bieten diese oft ein adaptives bzw. aufbauendes Gerätetraining sowie ein erweitertes Kursangebot. Da diese Leistung separat sowohl zeitlich als auch räumlich getrennt vom krankenkassenfinanzierten Rehabilitationssport erfolgt, ist deren Inanspruchnahme auf freiwilliger Basis und von einer privaten Zuzahlung bzw. Mitgliedschaft abhängig. Die Höhe der Zuzahlung hängt vom jeweiligen Umfang und des Anbieters ab und ist frei wählbar. Mit Ablauf, Abrechnung oder Aufhebung der Verordnung endet diese automatisch und bindet den Teilnehmer für keinen längeren Zeitraum. Ein Anspruch auf Leistung über diesen Zeitraum hinaus besteht nicht.

Für Rolf Hermann war die Lungensportgruppe ein Glücksfall. Er hat wöchentlich die Möglichkeit, ein Bewegungsangebot in Anspruch zu nehmen, das „passt“. Allerdings ist die Warteliste lang; rund ein Dutzend weiterer Patienten warten auf einen Teilnehmerplatz. Ähnlich sieht es in anderen Sportvereinen aus, wo der Bedarf an Rehasportgruppen da ist, die zertifizierten Übungsleiterinnen und Übungsleiter allerdings fehlen. „Wir werben daher bei jeder Gelegenheit für die Ausbildung zur Rehasportlizenz“, so Ottmar Haardt, Vorsitzender des Kreissportbundes Siegen-Wittgenstein, der im Rahmen der Verbundaußenstelle Olpe/Siegen-Wittgenstein die Aus- und Fortbildung der Übungsleiter mit organisiert.

Mitte März startet der nächste Lehrgang „Rehabilitation Erwachsene“ mit dem Basismodul. Im April schließt das Aufbaumodul Orthopädie an. Wer Interesse hat, kann sich mit dem Kreissportbund Siegen-Wittgenstein telefonisch unter (0271) 41115 oder unter www.ksb-siegen-wittgenstein.de in Verbindung setzen. Auf der Internetseite gibt es zudem eine Übersicht über alle Rehasportangebote im Kreisgebiet.
    

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