Medizinische und psychische Gründe sind häufig Ursachen – manchmal geht es aber auch „nur“ um die Ästhetik

Der Wunsch nach anderen Brüsten


4.11.2021
Anniette´s Physioteam

Oben etwas mehr, manchmal auch etwas weniger. Die Gründe für den Wunsch nach einer Veränderung der Brüste sind vielfältig. Häufig haben sie medizinische und psychische Ursachen. Manchmal geht es auch „nur“ um die Ästhetik.

Von wegen nur was für Stars und Sternchen: Rund 20.000 Frauen suchen jährlich in Deutschland einen Plastischen Chirurgen auf, um sich die Brüste vergrößern zu lassen. Der Wiederaufbau der weiblichen Brust ist ein medizinischer Eingriff, mit dem sich Ärzte bereits seit den 90er-Jahren des 19. Jahrhunderts beschäftigen. Der Wunsch nach einer Formveränderung der Brust steht hierbei im Vordergrund. 1895 verpflanzte der Chirurg Vincenz Czerny einer Patientin, die an Brustkrebs litt, Eigenfett zur Wiederauffüllung, allerdings erfolglos. Das Gewebe wurde nicht ausreichend durchblutet. Viele Jahre der Forschung gingen ins Land, bis Ärzte aus Texas im Jahr 1961 das erste Silikon-Implantat entwickelten.

Implantate aus Silikon sind heute Standard

1992 wurde auf Kochsalzimplantate ausgewichen, nachdem die Sicherheit von Silikonimplantaten in Frage gestellt wurde. Mehrere große Studien gingen an den Start, in denen die Sicherheit der Silikon-Alternative nachgewiesen wurde. Heute gelten diese Implantate als Standard bei der Brustvergrößerung (Fachbegriff: Mammaaugmentation), da sie dem Verhalten der weiblichen Brust in Form und Größe am Nächsten kommen. Die stetige Weiterentwicklung der Implantate führt dazu, dass sie nicht mehr mit den Produkten früherer Generationen vergleichbar sind. Ein Beispiel ist die Verwendung von Kohäsivgelen, die so vernetzt sind, dass ein Implantat nicht mehr auslaufen kann, die Form besser hält und sich auch besser anfühlt. Verwendet werden glatte Implantate, grob texturierte Hüllen wurden 2019 vom Markt genommen, als der Verdacht auf einen Zusammenhang mit der Entstehung eines sehr seltenen Lymphoms aufkam.


PRIVATDOZENT DR. THOMAS C. PECH
PRIVATDOZENT DR. THOMAS C. PECH

Sektionsleiter Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling Siegen
Telefon: (0271) 333 40029
E-Mail: plastische@diakonie-sw.de


Die Lebensdauer von Implantaten ist nicht automatisch begrenzt. Wenn keine Probleme auftreten, können sie über einen längeren Zeitraum belassen werden. Regelmäßige Kontrollen gilt es aber auszuführen. Komplikationen können im Laufe des Lebens dazu führen, dass eine Entfernung oder ein Wechsel notwendig werden. Eine Alternative bietet dann beispielsweise die Transplantation von Eigenfett. Dieses wird an einer anderen Körperstelle abgesaugt, hochgereinigt und anschließend an der zu behandelnden Körperstelle wieder zurück injiziert. Mit den heutigen Methoden wachsen rund 80 Prozent des verpflanzten Fettgewebes an der neuen Position an. Das sogenannte Lipofilling bringt einige Vorteile mit sich. Die Patientinnen tragen keinen Fremdkörper in sich. Somit besteht auch kein Risiko für ein Platzen des Implantates (Ruptur) oder Abstoßungserscheinungen. Hinzu kommt, dass die Brust nach dem Eingriff ganz natürlich mit zu- oder abnimmt und – ganz nebenbei – überschüssiges Fett an anderer Stelle verschwindet. Limitationen bestehen bei Frauen, deren Body-Mass-Index unter 23 liegt. Sie haben es schwer, je nach gewünschtem Volumen der Brust ausreichend Eigenfett mitzubringen. Für sie eignet sich der Eingriff eher nicht. 
      

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Beim chirurgischen Eingriff mit Implantaten gibt es zwei Varianten: Entweder werden die Implantate zwischen Brustgewebe und Brustmuskel platziert oder auch hinter dem Brustmuskel. Abhängig ist die Entscheidung vom vorhandenen Eigengewebe der Brust, um etwa die Sichtbarkeit eines Implantates durch die Haut zu vermeiden, wenn bei sehr schlanken Frauen eine Vergrößerung erwünscht ist.

Die Gründe, warum sich Frauen für die Mammaaugmentation entscheiden, sind vielfältig, meist sind sie jedoch ästhetisch bedingt. Ist keine medizinische Indikation (zum Beispiel der Wiederaufbau einer Brust nach einer Krebserkrankung) gegeben, muss der Eingriff selbst gezahlt werden. Der Eingriff wird ambulant oder stationär durchgeführt und dauert etwa eine bis eineinhalb Stunden. Auf Drainagen kann in der Regel verzichtet werden. Für vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff muss ein angepasster Kompressions-BH getragen werden. Etwa zwei Wochen lang sollten sich die Patientinnen zudem schonen. Im Beratungsgespräch werden individuelle Konzepte vorab erstellt.

Form, Größe und Erhabenheit korrigieren 
         

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Die Bruststraffung (Mastopexie) gehört zu den häufigsten kosmetisch- chirurgischen Eingriffen an der weiblichen Brust. Mit dem Eingriff können Form, Größe und Erhabenheit der Brüste korrigiert werden.

Der Eingriff ist nahezu immer ästhetischer Natur. Das liegt am Lauf der Zeit: Denn genau wie an anderen Körperstellen, macht auch das Alter vor den Brüsten nicht Halt. Erschwerend kommt hinzu, dass die weibliche Brust als äußeres Organ kein Muskelgewebe enthält. Eine Straffung allein durch Training kann also nicht erfolgen. Nimmt eine Frau dann noch viel an Gewicht ab oder beendet das Stillen des Kindes, kann es sein, dass sie mit ihrem Äußeren nicht mehr zufrieden ist – und eine Straffung in Betracht zieht. Bei großem Gewichtsverlust (zum Beispiel nach adipositas-chirurgischen Eingriffen wie einer Magenverkleinerung) erleidet die weibliche Brust oftmals auch einen Volumenverlust sowie starke Gewebeerschlaffung.

Die Mastopexie findet ambulant oder stationär im Krankenhaus statt. Zwei bis dreieinhalb Stunden werden dafür eingeplant. Der Chirurg kann beim Eingriff auf rund 20 verschiedene Schnitttechniken zurückgreifen. Für welche sich Arzt und Patientin entscheiden, hängt von vielen Faktoren ab, etwa von den Wünschen der Patientin oder auch der Beschaffenheit von Haut und Bindegewebe. Ziel ist es immer, eine natürliche Form zu schaffen und dabei so wenige Narben wie möglich zu hinterlassen. Eventuell ist dabei auch der Einsatz von Implantaten notwendig, um fehlendes Volumen auszugleichen. Ein sogenanntes Mommy Makeover bezeichnet die Kombination einer Brust- mit einer Bauchdeckenstraffung. Diese Methode kommt insbesondere nach mehreren Schwangerschaften in Betracht, wenn sich das Gewebe an beiden Bereichen nicht mehr von alleine erholt und strafft.

Auch Rücken- oder Kopfschmerzen sind Gründe
        

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Viele Frauen wünschen sich eine Vergrößerung der Brust, andere Patientinnen leiden allerdings darunter, wenn die Oberweite im Verhältnis zum Oberkörper zu groß ist. Probleme können psychischer Art sein. Oftmals treten aber auch physische Belastungen auf. Dazu zählen Rücken- oder Kopfschmerzen.

Bei der Brustverkleinerung (Mammareduktionsplastik) wird überschüssiges Drüsen-, Fett- und Hautgewebe aus den Brüsten entfernt. Als Standardverfahren gilt die „Inverted-T“ (umgekehrte TSchnittführung). Dabei erfolgt die Schnittführung um den Brustwarzenkomplex herum, nach vertikal-unten, um im Bereich der Unterbrustfalte (also nahezu unsichtbar) abzuschließen. Eine Brustverkleinerung ohne sichtbare Narben ist nur in seltenen Fällen (mittels Fettabsaugung) möglich.

Der operative Eingriff wird bei einer Brustverkleinerung auf drei bis vier Stunden angesetzt. Die Kosten tragen die Kassen nur, wenn die Operation medizinisch notwendig ist. Hierzu muss nach einer Beratung durch einen Frauenarzt und plastischen Chirurgen ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden.

Zusammenfassend ist bei allen operativen Eingriffen im Bereich der Brust eine ausführliche und individuelle Beratung zwingend erforderlich, um ein optimales therapeutisches Konzept zu ermöglichen. Die Sicherheit im Rahmen einer Operation sowie im langfristigen Verlauf steht hierbei im Fokus des interdisziplinären Teams am Diakonie Klinikum Jung-Stilling. +    
    

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