Hämorrhoiden beschäftigen die Menschen schon seit Jahrhunderten

Wenn es juckt und brennt


26.02.2021

Hämorrhoidalleiden sind ein altbekanntes Problem. Seit Jahrhunderten beschäftigen sich Heilkünste und Medizinformen in aller Welt mit der Behandlung. Jucken oder Brennen: Hinter den Beschwerden können sich indes auch andere Krankheiten verbergen. Wie wichtig der Gang zum Facharzt ist, weiß Anna Wolf, Chirurgin und Proktologin im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Kredenbach.

Ursachen sind weitestgehend bekannt

Symptomatische Hämorrhoiden sind vor allem eine Erkrankung des mittleren Lebensalters und kommen bei Frauen und Männern etwa gleich häufig vor. Basierend auf anatomischen und radiologischen Untersuchungen, werden Hämorrhoiden als arteriovenöses Gefäßgeflecht unterschiedlicher Ausprägung im Analkanal betrachtet. Dieses Geflecht ist immens wichtig, ist es doch für die Feinabdichtung des Afters verantwortlich. Verursachen diese Gefäße Beschwerden, handelt es sich um ein Hämorrhoidalleiden. Die Ursachen sind vielfältig. In den meisten Fällen geht die Problematik aber auf eine gestörte Stuhlentleerung oder eine seit längerer Zeit bestehende Verstopfung zurück. Eine genetische Neigung zu Hämorrhoiden ist noch nicht bewiesen.

Fest steht, dass Hämorrhoidalleiden durch fettreiche Nahrung, Alkohol und den Genuss von scharfen Gewürzen, darunter auch Ingwer in großen Mengen, begünstigt werden können. Zudem wirken sich Flüssigkeitsmangel, Tabakkonsum und Verstopfungen negativ auf das Krankheitsbild aus. Auch während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett kommt es häufig zu hämorrhoidalen Beschwerden. Ein hormoneller Einfluss spielt dabei eine gewisse Rolle. Die Schwangerschaft kann zudem zu einer vorübergehenden starken Erweiterung der perianalen Venen führen.


Wenn es juckt und brennt Image 3

CHIRURGIN ANNA WOLF

Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) Kredenbach
Telefon: (02732) 209600
E-Mail: mvz-kredenbach@diakonie-sw.de


Wichtig: Die richtige Diagnose stellen

Wenn es juckt und brennt, gehen viele Betroffene mit dem Verdacht auf Hämorrhoiden zum Arzt. Wichtig ist allerdings, dass zunächst andere Ursachen für perianale Beschwerden ausgeschlossen werden, allen voran die Existenz eines Tumors. Aber auch eine Enddarmentzündung, Feigwarzen, Infektionen (etwa mit Pilzen), Hauterkrankungen, gutartige Geschwulste oder Allergien (zum Beispiel gegen Waschmittel) können zu ähnlichen Symptomen führen.

Diagnostiziert werden Hämorrhoiden zunächst nicht per Abtastung, sondern zuerst durch eine ausführliche Anamnese-Besprechung (Alter, Beruf, Stuhl- oder Sitzgewohnheit, Schwangerschaften, Ernährung, Gewichtszunahme, Antibiotika-Therapie oder vermehrter Genuss exotischer Gewürze). Erst danach erfolgt die Untersuchung mittels digitaler Austastung und Proktoskopie/ Rektoskopie (mit Licht). Die Behandlung beginnt erst nach gesicherter Diagnose, die der Fachmediziner stellt.

Liegt ein Hämorrhoidalleiden vor, unterscheidet der Facharzt in unterschiedlichen Schweregraden. Grad 1 ist meist schmerzlos, da sich die gebildeten Knoten oberhalb des sensiblen Bereichs befinden. Die hellrote tropfende oder spritzende Blutung – besonders nach oder während des Stuhlgangs – ist Leitsymptom von zwei- bis dreigradig vergrößerten Hämorrhoiden. Juckreiz, Nässen, Feinkontinentzstörung oder ein Gefühl der inkompletten Entleerung: Diese Symptome deuten zudem auf Grad 3 hin.

Hämorrhoiden vierten Grades verursachen nachhaltige Schmerzen, Fibrose oder Thrombosierung.

Wenn es juckt und brennt Image 4

Therapieansätze und Empfehlungen

Wer mit unangenehmen Hämorrhoidalleiden zu kämpfen hat, sollte folgenden Leitsatz berücksichtigen: „Je faserreicher die Nahrung und je intensiver die körperliche Tätigkeit, desto besser die Prognose.“ Als Variante der Therapiemöglichkeit tritt auch die Gabe von Heilpflanzen, tierischen Stoffen, Mineralien, Gesteinen oder auch eine Mischung aus den genannten Substanzen auf. Die beliebteste therapeutische Maßnahme ist allerdings die Verordnung eines der fast 100 Hämorrhoiden-Mittel. Zäpfchen, Cremes, Salben, Sprays oder Tabletten wirken jedoch in der Regel lediglich symptomatisch. Zwar lassen sich damit kurzfristig die lästigen Beschwerden lindern, die Ursache aber können sie häufig nicht beseitigen. ln Fällen, in denen eine direkte Behandlung der Hämorrhoiden möglich ist, sind diese Mittel lediglich als Hilfsstoffe zu Beginn der eigentlichen Therapie indiziert.

Immer wieder gewarnt werden muss vor kortisonhaltigen Lokaltherapeutika. Bereits mehr als eine Tube kann das empfindliche Gewebe für längere Zeit schädigen. Neben einer verbesserten Lebens- und Ernährungsweise muss es das therapeutische Ziel sein, die Ursache des Hämorrhoidalleidens – also die (inneren) Hämorrhoiden – zu beseitigen. Dies sollte möglichst dauerhaft, nebenwirkungsarm und unter weitgehendem Erhalt der Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Die Möglichkeiten reichen hier von der Verödung bis hin zur Operationen.

Operation oder Sklerosierung (Verödung)

Beschwerden ersten und zweiten Grades lassen sich ambulant mittels der Sklerosierung behandeln. Dabei wird eine „Verödungslösung“ im oberen, schmerzfreien Bereich der Hämorrhoide eingespritzt. Diese Maßnahme führt zur örtlichen Vernarbung mit Drosselung der Blutzufuhr und geringer Raffung der Hämorrhoide zurück nach oben.

Beschwerden dritten Grades lassen sich mittels sogenannter Gummiband-Ligaturen behandeln. Der Arzt setzt dabei am oberen, schmerzfreien Bereich der Hämorrhoide einen engen Gummiring ein. Dies führt zum Absterben und Abfallen dieses Gewebes mit noch besserer örtlicher Vernarbung und Drosselung der Blutzufuhr sowie deutlicher Raffung der Hämorrhoide zurück nach oben. In folgenden Fällen wird meist eine Operation empfohlen:

+ Die konservative Therapie fruchtet nicht mehr
+ Es treten starke, wiederkehrende Blutungen auf
+ Es handelt sich um Hämorrhoiden dritten oder vierten Grades

Zur Verfügung stehen diverse OP-Methoden, die sich jedoch in die Gruppen liftende (reponierende) oder entfernende (resezierende) Eingriffe einteilen lassen. Oberstes Ziel ist es, die Operation so durchzuführen, dass das Gewebe möglichst geschont und die Kraft des Schließmuskels erhalten bleibt. Oftmals wird eine solche Methode mit einem Naht-„Lifting“ an kleineren Hämorrhoidalabschnitten kombiniert. Die Stelle der Hämorrhoidalentfernung wird zur Entzündungsvermeidung nicht vernäht, sondern bleibt als kleine Wunde. Dies erfordert einerseits eine sehr gute Schmerzmedikation, insbesondere in den ersten Tagen nach der OP, und andererseits eine „offene Wundbehandlung“ mit dreifach täglichem Ausduschen des Wundbereichs sowie nach jedem Stuhlgang. Allerdings handelt es sich dafür auch um eine sehr sichere Methode mit den besten Langzeitergebnissen. Therapeutische Sonderfälle sind Hämorrhoiden vierten Grades. In der akuten Situation sind eine stationäre Aufnahme, Bettruhe, hochdosierte Schmerzmittelgabe und Zurückschieben des Vorfalls (Reposition) nötig. Erst viel später kann gezielt behandelt und meist dann auch schonender operiert werden. Beim fortgeschrittenen Hämorrhoidenzerfall ist eine sofortige Operation mit Entfernung der zerstörten Hämorrhoidalbereiche unumgänglich.

Unbedingt Experten aufsuchen

Hämorrhoiden gehören zur menschlichen Anatomie. Einer krankhaften Veränderung dieser Gefäßpolster kann durch eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung vorgebeugt werden. Kommt es zu Beschwerden, ist es für die richtige Diagnosestellung und entsprechende Therapie ratsam, eine/n Facharzt/Fachärztin für Proktologie aufzusuchen. +
   

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.