Erfahrungsbericht einer Krebspatientin

HURRA! Ich habe es geschafft!


26.02.2021

zur Verfügung gestellt von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Krebszentrum Marien Kliniken St. Marien-Krankenhaus Siegen

Die schwere Zeit der Diagnose und ersten Behandlung meines Brustkrebses liegt hinter mir. Wenn ich mich an den Schreck erinnere, als mir meine Frauenärztin in Netphen die Verdachtsdiagnose des Brustkrebses mitteilte, läuft es mir jetzt noch kalt den Rücken hinunter. Zur Vorsorge bin ich immer mit einem gewissen Unbehagen gegangen, aber grundsätzlich fühlte ich mich ja gesund. Als meine Gynäkologin dann beim Tasten eine unklare Verhärtung fühlte und diese Stelle im Ultraschall als hochgradig verdächtig bestätigte, verlor ich fast den Boden unter den Füßen. Was sind mir nicht alles für Gedanken zu Tod, Leben und Folgen der Erkrankung gekommen.

Sehr geholfen haben mir meine Familie und der emotionale, aber auch sehr professionelle Umgang aller ambulant und klinisch Beteiligten. So wurde mir noch von meinem Frauenarzt erläutert, welche weiteren Schritte zu tun wären. Er fragte mich, in welche Klinik des Brustzentrums ich gehen wolle und konnte binnen weniger Tage einen Termin in der Brustsprechstunde bei Dr. med. Badrig Melekian, Chefarzt der Gynäkologie im St. Marien-Krankenhaus, vereinbaren. Sehr einfühlsam sprach er zunächst mit mir, untersuchte mich nochmals und konnte, nachdem eine kurative Mammografie im Ambulanten Zentrum Albertus Magnus den Brustkrebsverdacht noch weiter erhärtet hatte, noch am selben Tag eine kleine Gewebeprobe mittels Stanzbiopsie in örtlicher Betäubung aus der Brust entnehmen. Gleich zu Beginn der Behandlung wurden mir die Möglichkeit einer Zweitmeinung innerhalb oder außerhalb des Brustzentrums und eine psychosoziale Betreuung angeboten. Da sich meine anfängliche Panik schon etwas gelegt hatte und ich schnell volles Vertrauen zu den Ärzten fasste, konnte ich mich ohne Bedenken auf den vorgeschlagenen Weg einlassen.

Nachdem sich die Diagnose bestätigte, plante Dr. Melekian mit mir ausführlich die sinnvollsten Behandlungsschritte. Bis dahin war ich davon ausgegangen, dass jede Patientin mit einem Brustkrebs praktisch immer die gleiche Behandlung bekommt. Dem ist aber überhaupt nicht so. Die Art der Operation, die eventuell notwendige Form der Bestrahlung und auch eine mögliche Chemotherapie richten sich stark nach Gegebenheiten wie Alter, Geschwulstgröße oder Beteiligung der Achsellymphknoten – und natürlich auch nach meinen Vorstellungen.

Glücklicherweise war in meinem Fall nur eine recht kleine Operation erforderlich. Meine Brust konnte ohne eine größere Änderung der Form erhalten bleiben. Durch den Einsatz der Wächterlymphknotenoperation war eine ausgedehnte Operation der Achsellymphknoten in meinem Fall nicht erforderlich. Ich war bereits nach einer Woche weitgehend schmerzfrei, konnte meinen Arm gut bewegen und wurde aus der Behandlung wieder entlassen.

Durch die unterstützten Gespräche mit den Ärzten, dem Pflegepersonal sowie dem Team aus Seelsorge, Sozialdienst und Psychologen gelang es mir sehr schnell, wieder Mut zu fassen und meine Zukunft aktiv zu planen.

Im Rahmen der wöchentlich stattfindenden Konferenz des Brustzentrums Siegen-Olpe wurden die vorliegenden Informationen meiner Erkrankung im großen Kreis aller beteiligten Ärzte und der Möglichkeit, auch selbst an dem Gespräch teilzunehmen, diskutiert. Die dabei gemeinsam gefasste Behandlungsempfehlung besprach Dr. Melekian dann ausführlich mit mir. Da mir das Konzept gründlich durchdacht erschien und mir trotz gewisser Ängste auch durchführbar vorkam, willigte ich hierzu ein.

Die weiteren Behandlungsschritte erfolgten anschließend ausschließlich ambulant. Das St. Marien-Krankenhaus hat mit seinem Onkologischen Zentrum und den spezialisierten Organkrebszentren einen Schwerpunkt in der Behandlung bösartiger Erkrankungen. Ich empfand es sehr positiv, dass hierdurch in der Klinik alle Möglichkeiten der weiteren Therapie unter einem Dach vereint waren. Mehrfach konnte ich die unmittelbare Zusammenarbeit aller Abteilungen in meinem Fall miterleben.

Ich bekam eine Chemotherapie mit insgesamt sechs Infusionen einer bestimmten Medikamentenkombination, die ich in den Wochen nach den jeweiligen Anwendungen sehr unterschiedlich vertragen habe. Trotz der unterstützenden Medikamente war mir teilweise in der ersten Woche nach der Chemotherapie übel und ich hatte manchmal auch ein unangenehm wundes Gefühl der Mundschleimhäute. Der Verlust der Haare blieb mir Dank einer Kühlkappe zwar aus, doch stellte mich das ganze Procedere vor eine harte Probe. Alles in allem hatte ich mir die Chemotherapie vorher erheblich schlimmer vorgestellt, was vermutlich daher rührte, dass ich aus den Schilderungen von Verwandten und Bekannten immer nur von extremen Nebenwirkungen „der“ Chemotherapie gehört hatte, aber bis zu meinem eigenen Fall nicht realisiert hatte, dass es für jede Krankheit und insbesondere für jeden Krankheitszustand völlig unterschiedliche Formen der Chemotherapie gibt.

Im Anschluss an die Chemotherapie erfolgte dann die sechswöchige Bestrahlungsbehandlung meiner Brust in der Klinik für Strahlentherapie im St. Marien-Krankenhaus. Auch hier waren mir vorher in Berichten älterer Verwandter zum Teil stärkste Nebenwirkungen geschildert worden. Ich war deshalb sehr verunsichert. Chefarzt Dr. René Baumann konnte mich jedoch hier beruhigen, dass die neueren Bestrahlungstechniken diesbezüglich praktisch keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufweisen, was sich letztlich auch in dem weiteren Verlauf bei mir so bestätigt hat. Es war zwar lästig, täglich extra in die Klinik kommen zu müssen, aber jetzt ist es geschafft. Nach Abschluss der sechswöchigen Bestrahlungszeit bin ich am Ende der intensiven Erstbehandlung angekommen. Meine Brust ist noch leicht geschwollen und rot. Die Nebenwirkungen der Chemotherapie sind zwischenzeitlich völlig abgeklungen. Ich fühle mich allerdings noch schwach und etwas ausgelaugt.

Die Nachuntersuchungen übernimmt jetzt wieder meine Frauenärztin, die ich auch in der Zwischenzeit mehrmals aufsuchte. Als nächstes Ziel freue ich mich schon auf die Anschlussheilbehandlung, da ich mir von dieser eine Reaktivierung meiner Kräfte verspreche und bald auch wieder arbeiten möchte.

Ich habe zwischenzeitlich die Brustkrebs-Selbsthilfegruppe aufgesucht, die sich regelmäßig trifft. Hierbei erfuhr ich, dass auch andere Patientinnen ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich und zum Teil mit einem größeren zeitlichen Abstand, einem intensiven Austausch und langen Gesprächen auf dem besten Weg sind, die Krankheit für sich zu überwinden.+
    

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