Wenn ein Aneurysma platzt, besteht Lebensgefahr

Tickende Zeitbombe


26.02.2021

Es ist eine tickende Zeitbombe, doch ist den meisten Betroffenen ihr Risiko überhaupt nicht bewusst: Ein Aneurysma ist eine Aussackung in den Arterien, die meist unbemerkt bleibt. Doch wenn sie platzt, besteht Lebensgefahr durch innere Blutungen oder eine Embolie. Meist entstehen sie infolge einer Arteriosklerose oder einer angeborenen Gefäßwandschwäche.

Häufig sind Aneurysmen mittels einer Ultraschall-Untersuchung nachweisbar. Jedoch lassen sich dadurch nicht die gesamte große Körperschlagader und die kleinen Arterien damit erfassen, weshalb zur genauen Diagnose die Computertomografie mit einem Kontrastmittel oder die Katheterangiografie eingesetzt werden. Ein Aneurysma der Herzkammer wird durch eine spezielle Ultraschallmethode – die Echokardiografie – oder durch die Angiografie diagnostiziert. Hierbei wird durch einen Katheter Kontrastmittel in die Herzkammer gespritzt und das Aneurysma auf einem Bildschirm dargestellt und digital gespeichert. In bestimmten Fragestellungen erfolgt auch eine sogenannte transoesophageale Echokardiografie (TEE) – eine Ultraschalluntersuchung von der Speiseröhre aus, um bestimmte Abschnitte der Hauptschlagader besser beurteilen zu können.


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DR. MED RONALD FRIEDBERG

Chefarzt Gefäßchirurgie
Marien Kliniken
St. Marien-Krankenhaus Siegen
Telefon: (0271) 2311502
r.friedberg@mariengesellschaft.de


Ab einer Größe von ca. 5 cm wird operiert

Die seltener auftretenden Aneurysmen der Bein- und Armarterien lassen sich manchmal als eine pulsierende Verdickung ertasten. Bei Aneurysmen der Bauch- oder Beckenarterien ist dies eigentlich nur möglich, wenn die Aussackung der Gefäße schon sehr weit vorangeschritten und der Patient schlank ist. Typisch sind auch Strömungsgeräusche, die im Rhythmus des Herzschlags auftreten, und die beim Abhören der Arterien festgestellt werden können.

Reißt ein Aneurysma, kommt es meist zu inneren Blutungen mit lebensbedrohlichen Folgen. Dieser Notfall muss regelmäßig sofort durch einen operativen Eingriff behandelt werden. Ist dies noch nicht passiert und das Aneurysma ist klein, ist es das Ziel der Behandlung, dass sich die Gefäßerweiterung nicht vergrößert oder einreißt. Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sollten nach Möglichkeit mittels medikamentöser Therapie behandelt werden. Raucher sollten sich bemühen, ihr Laster aufzugeben. Je größer ein Aneurysma wird, desto höher wird der Druck auf die betroffene Gefäßwand. Daher wird geraten, ein Aneurysma ab einer Größe von circa fünf Zentimetern durch eine Operation zu entfernen; auch eine Größenzunahme von über zehn Millimeter pro Jahr kann zu einer Operationsempfehlung führen.

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Betrifft das Aneurysma den aufsteigenden Abschnitt der Aorta oder den Aortenbogen, erfolgt regelmäßig eine chirurgische Versorgung. Bei einem Aneurysma im absteigenden Abschnitt der Aorta werden, sofern eine medikamentöse Therapie nicht ausreicht, zunehmend endoluminal eingesetzte Prothesen verwendet. Bei der chirurgischen Versorgung wird der ausgeweitete Teil des Gefäßes aufgeschnitten beziehungsweise entfernt und durch eine rohr- oder Y-förmige Prothese ersetzt. Danach wird die Gefäßwand als natürliche Umhüllung wieder über der Prothese möglichst geschlossen. Als Alternative hierzu kommt in manchen Fällen das Einsetzen einer endovaskulären Stentprothese in Betracht. Sie wird im Aneurysma entfaltet und trennt es so vom Blutstrom.

Individuell Vorteile und Risiken abwägen

Die Wahl des Behandlungsverfahrens richtet sich bei allen Aneurysmen nach deren Form und Ausdehnung sowie nach dem Allgemeinzustand des Patienten. Nicht in allen Fällen ist die endovaskuläre Methode geeignet. Insbesondere bei den Aneurysmen im Brustkorb muss bei chirurgischem Vorgehen in sehr hohem Alter das Komplikationsrisiko gegen den zu erwartenden Operationserfolg abgewogen werden. Welches Verfahren also das geeignete ist und welche Komplikationen dabei auftreten können, ist daher ausführlich mit den behandelnden Ärzten zu besprechen. +

   

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