Nicht nur die Corona-Schutzimpfung ist wichtig und kann Leben retten

Ein Piks gegen Krebs


26.02.2021

Aktuell dominiert das Thema „Corona-Schutzimpfung“ die Debatte, doch neben dem 95-prozentigen Impfschutz von Biontech gibt es eine Erfolgsgeschichte zu erzählen, die etwa 15 Jahre weit zurückreicht: die Impfung gegen Humane Papillomviren. Seit dieser Zeit sollen sich Teenagerinnen zwischen 12 und 17 Jahren impfen lassen.

Denn mit dem „Piks“ kann verhindert werden, dass sich die jungen Frauen später beim Geschlechtsverkehr mit als krebsverursachend geltenden Viren infizieren. Einige Humane Papillomviren sind nämlich die häufigsten Auslöser für Krebserkrankungen wie am Gebärmutterhals oder deren Vorstufen. Auch Genitalwarzen werden von ihnen hervorgerufen, die in manchen Fällen zu Entzündungen und weiteren Gewebeveränderungen führen können. In anderen Ländern wie England oder Australien wird die Impfung bei 80 bis 90 Prozent der Mädchen im entsprechenden Alter bereits angewandt.


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DR. MED. BADRIG MELEKIAN

Chefarzt Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Krebszentrum Marien Kliniken St. Marien-Krankenhaus Siegen
Telefon: (0271) 2311802
b.melekian@mariengesellschaft.de


Genaue Erkenntnisse liegen noch nicht vor

Der Vorteil der Impfung liegt also darin begründet, dass mit ihr die Vorstufen der mit Humane Papillomviren assoziierten Krankheiten verhindert werden können. Ob die Fälle von Gebärmutterhalskrebs dadurch ebenfalls zurückgehen, ist noch nicht abschließend gesichert. Das liegt daran, dass es bis zur Entstehung der bösartigen Erkrankung mindestens 15 Jahre dauert und demzufolge erst in den herangebrochenen 2020er Jahren mit einer Wirkung zu rechnen ist. Doch kann schon jetzt davon ausgegangen werden, dass es bei weniger Vorstufen auch dementsprechend weniger Gebärmutterhalskrebs gibt. Und dies bei einer Erkrankung, die weltweit die zweithäufigste Krebsart bei Frauen ist.

Natürlich gibt es auch Unsicherheiten, und Kritiker bemängeln, wie bei der aktuellen Corona-Impfdebatte, die Impfung sei noch nicht ausreichend erforscht für den prophylaktischen Einsatz bei allen jungen Frauen. Und freilich sind mittlerweile auch Nebenwirkungen bekannt, die in Einzelfällen dramatisch sein können. Schließlich bietet die Schutzimpfung keine Garantie, nicht an Krebs zu erkranken, denn die eingesetzten Präparate immunisieren nicht gegen alle Typen der Humane Papillomviren. Wie bei der Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs gegenüber Corona-Mutationen lässt sich jedoch sagen, dass er zumindest ein wirksames Instrument für sehr relevante Typen darstellt.

Der Nutzen der Impfung muss also durch begleitende Studien und medizinische Forschung fortdauernd bewertet werden. Darin sind sich sowohl Impfbefürworter als auch Impfkritiker immerhin einig. Doch ist ein „Piks“ zur Abwendung einer schwerwiegenden Erkrankung eine sehr zuversichtlich stimmende Entwicklung. +

VORSORGE IMMENS WICHTIG

Weltweit ist Gebärmutterhalskrebs der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen. Eine der häufigsten Ursachen ist eine Infektion mit bestimmten Typen des sogenannten Humanen Papillomvirus, der sich meist nicht bemerkbar macht. Häufig bleibt der entstehende Krebs unbemerkt, da anfänglich keine Beschwerden auftreten und die ersten Symptome erst dann auftreten, wenn die Erkrankung schon weit vorangeschritten ist. Daher ist es enorm wichtig, ab dem Alter von 20 Jahren eine regelmäßige Krebsvorsorge beim Frauenarzt wahrzunehmen.


HEILUNGSCHANCEN SCHWINDEN MIT DER ZEIT

Das Stadium der Erkrankung ist besonders wichtig, wenn es um die Entscheidung darüber geht, wie behandelt wird. Vorstufen des Gebärmutterhalskrebs lassen sich ohne Folgewirkung behandeln. Dies gilt auch für das Frühstadium der eigentlichen Erkrankung. Hier reicht es aus, die veränderten Zellen durch eine sogenannte Konisation vollständig zu entfernen. Hierunter versteht man einen operativen Eingriff am Muttermund, der auch ambulant durchgeführt werden kann. Unbehandelt schwinden die Heilungschancen mit zunehmender Tumorgröße. Der Eingriff wird dann immer schwerwiegender.

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