Kinderkrankheiten: Impfungen bieten einen sicheren Schutz bei guter Verträglichkeit

Alles andere als Kinderkram


26.02.2021
Häusliche Kranken- und Kinderkrankenpflege

Krankheiten, an denen man sich als Kind anstecken kann, gibt es viele. Einige davon sind unter Umständen sehr gefährlich für das Kind, können aber glücklicherweise durch eine Impfung vermieden werden.

„Als eine Kinderkrankheit bezeichnet man eine Infektionskrankheit durch Viren oder Bakterien, die aufgrund ihrer hohen Durchseuchungsrate und Übertragungsfähigkeit typischerweise schon im Kindesalter auftritt. Beim Erkrankten löst sie im Krankheitsfall neben den typischen Krankheitssymptomen eine Immunantwort mit bleibendem Gedächtnis und bestenfalls im Anschluss lebenslanger Immunität aus. Vor einer erneuten Infektion ist man dann also geschützt“, erläutert Kinderärztin Dr. Juliane Hoeser.

Schwerer bis tödlicher Krankheitsverlauf

Zu den Kinderkrankheiten zählen Erkrankungen wie Diphterie, Keuchhusten oder Kinderlähmung, bei denen teilweise ein schwerer bis tödlicher Krankheitsverlauf mit ernsthaften Komplikationen zu erwarten ist – sie sind also alles andere als harmlos.

Auch Hautausschläge sind oft typisch für bestimmte Kinderkrankheiten und erleichtern dem Kinderarzt unter Umständen die Diagnosestellung.

Bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs waren Kinderkrankheiten in Deutschland aufgrund fehlender Impfungen Todesursache mehrerer tausend Menschen pro Jahr. Laut Statistik des Robert Koch Instituts (RKI) wurden zum Beispiel allein in der BRD 1949 1122 Sterbefälle aufgrund einer Diphterie registriert.

Kinderärztin Anja Banzhaf ergänzt die Ausführungen ihrer Kollegin: „Eine ursächliche Therapie gegen die Erkrankung war und ist auch heute noch oftmals nicht möglich. Heutzutage können aber Impfungen dagegen glücklicherweise einen sicheren Schutz bei guter Verträglichkeit bieten. Dafür sollte mit den von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen Standardimpfungen aber möglichst frühzeitig, nämlich ab Vollendung des zweiten Lebensmonats, begonnen werden. Die Impfungen sollten außerdem nach aktuellem Impfschema durchgeführt und im Impfpass dokumentiert werden.“


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ANJA BANZHAF

Fachärztin für Kinderund Jugendmedizin
MVZ Wellersberg GmbH – Filiale Freudenberg
Bahnhofstraße 55, 57258 Freudenberg
Telefon: (02734) 4373943
mvz.freudenberg@drkkinderklinik.de
www.drk-kinderklinik.de


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DR. MED. JULIANE HOESER

Fachärztin für Kinderund Jugendmedizin
MVZ Wellersberg GmbH
Filiale Freudenberg
Bahnhofstraße 55, 57258 Freudenberg,
Telefon: (02734) 4373943
mvz.freudenberg@drkkinderklinik.de
www.drk-kinderklinik.de


Informationen gibt es nicht nur beim Kinderarzt

Vor jeder Impfung haben die Eltern das Recht auf Aufklärung durch den behandelnden Arzt oder eine entsprechende Fachkraft und können sich bei weiteren Fragen auch in weiterer Folge an ihren Kinderarzt wenden.

Außerdem bieten auch verschiedene Internetportale Informationen zu den aktuellen Impfempfehlungen, so zum Beispiel die Homepage des Robert Koch Instituts (www.rki.de), die der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.impfen-info.de) oder des Berufsverbandes der Kinderund Jugendärzte (www.kinderaerzte-im-netz.de). Im Internet finden sich leider auch viele Fehlinformationen zum Thema Impfen, man muss also bei einer Internetrecherche zu dem Thema seine Quellen immer bezüglich ihres Wahrheitsgehalts kritisch überprüfen.

Eine Aktualisierung der Impfempfehlungen erfolgt einmal im Jahr durch die Stiko unter Berücksichtigung der aktuellen Datenlage zu Wirksamkeit, Verträglichkeit und Langzeitwirkung einer Impfung. Die Impfempfehlungen entsprechen dadurch immer den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

„Doch obwohl Impfungen heutzutage zu den herausragendsten Errungenschaften der Medizin gehören, kommt es bedingt durch eine zunehmende Impfmüdigkeit mit weltweit sinkenden Impfquoten auch heute noch zu neuen Krankheitsausbrüchen eigentlich besiegbarer Krankheiten“, bedauert Dr. Hoeser. So konnte das Ziel der WHO, die Masern bis 2020 auszurotten, nicht erreicht werden und ist bei weltweit steigenden Infektionszahlen in weite Ferne gerückt.

Auch immer mehr Erwachsene erkranken

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„Für uns als Kinderärzte ergeben sich hierdurch ungeahnte Schwierigkeiten im Praxismanagement, müssen doch die noch nicht geimpften jungen Säuglinge von den potenziell infektiösen, gewollt oder ungewollt ungeimpften älteren Kindern strikt getrennt werden, damit es zu keinerlei Ansteckung kommen kann“, moniert Kinderärztin Anja Banzhaf aus Sicht der Praxis.

Durch Versäumnisse bei anstehenden Auffrischimpfungen rücken die Kinderkrankheiten außerdem mehr und mehr auch in den Fokus der Erwachsenenmedizin, da aufgrund nachlassender Immunitäten auch immer mehr Erwachsene erkranken.

So hat zum Beispiel knapp ein Viertel der älteren Kinder und Jugendlichen in Deutschland keinen ausreichenden Impfschutz mehr gegen Masern. Mit der neu eingeführten Impfpflicht gegen Masern hofft man, diese Quote zu verbessern.

Wer eine oder mehrere Impfungen verpasst hat, braucht aber nicht besorgt zu sein, kann man die verpasste Impfung nach dem Motto „jede Impfung zählt“ doch jederzeit nachholen. +

WIRKWEISE VON IMPFUNGEN

Bei einer Impfung werden entweder fertige Antikörper, deren Wirkung zeitlich limitiert ist, als passive Impfstoffe verimpft oder über aktive Impfstoffe das Immunsystem des Körpers zur Bildung einer erregerspezifischen Immunantwort angeregt, ähnlich der, wie sie bei der eigentlichen Erkrankung erzeugt werden würde.

Hierbei unterscheidet man zwischen Totimpfstoffen, die nur Erregerbestandteile, inaktivierte Erreger, Erregertoxoide oder wie beim neuen Coronaimpfstoff genetische Bestandteile in Form von mRNA des Erregers enthalten und Lebendimpfstoffen, die abgeschwächte, aber noch vermehrungsfähige Erreger enthalten. +

Gemeinsam ist allen Impfstoffen, dass durch Präsentation erregertypischer Eigenschaften der eigene Körper diese als fremd erkennt und damit eine Immunantwort zur Bekämpfung des Krankheitserregers einleitet, die auch längerfristig, bestenfalls lebenslang, einen Schutz gegen die eigentliche Erkrankung bietet.

„Eine Überprüfung des eigenen Impfstatus‘ ist daher in regelmäßigen Abständen sinnvoll, um sich und andere vor Krankheiten bestmöglich zu schützen. Auch als Erwachsener kann hierfür ein Kontakt zum Kinderarzt hergestellt werden“, empfehlen die beiden erfahrenen Kinderärztinnen.

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