Diabetes mellitus – Wie ein gesunder und aktiver Lebensstil der Volkskrankheit entgegenwirken kann

Wenn der Schlüssel nicht mehr passt


26.02.2021

Diabetes mellitus, oder auch die Zuckerkrankheit, gehört zu den weltweit häufigsten chronisch bestehenden Stoffwechselerkrankungen. Alleine in Deutschland sind rund 7,6 Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen, weshalb man auch von einer Volkskrankheit spricht. Doch was geschieht bei Diabetes mellitus überhaupt im Körper und kann man ein Ausbrechen der Krankheit verhindern?

Damit der Körper funktioniert, benötigt er Energie, die aus der Nahrung bezogen wird. Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße liefern dem Körper genau diese Energie. Die aufgenommenen Kohlenhydrate werden beim Verdauungsvorgang in Zuckerbausteine, also Glukose, zerlegt und gelangen über den Blutkreislauf zu den Organen im Körper. Für die Verwertung von Zucker ist Insulin die wichtigste Schaltstelle. Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse hergestellt wird und in einem Schlüssel-Schloss-Prinzip als Schlüssel fungierend die Zellen für den Zucker aufschließt und so den Blutzuckerspiegel wieder auf ein normales Niveau senkt. Bei Diabetes jedoch funktioniert der beschriebene Vorgang nicht. Ist das Zusammenwirken von Insulin und Körperzelle gestört, ist die Folge eine Insulinresistenz. Um die Resistenz auszugleichen, produziert die Bauchspeicheldrüse bis zum Versagen immer mehr Insulin. Der Blutzuckerspiegel bleibt erhöht und als Folge entsteht Typ-2-Diabetes.

Übergewicht als häufigste Ursache

Unterschieden wird bei Diabetes mellitus zwischen zwei Arten. Dem Typ-1-Diabetes liegt eine Autoimmunkrankheit zugrunde. Er ist wesentlich seltener und tritt bereits im Kindes- und Jugendalter auf. Bei dieser Form zerstören körpereigene Antikörper die insulin-produzierenden Zellen, sodass Betroffene eine tägliche Insulinzufuhr benötigen. Vom Typ-2-Diabetes sind dagegen etwa 90 Prozent der Patienten betroffen. Die Erkrankung wird in der Regel durch eine Kombination aus erblicher Veranlagung, ungesunder Lebensweise und Bewegungsmangel begünstigt. Trotz erblicher Vorbelastung muss es aber nicht zwangsläufig zu einem Ausbruch von Diabetes kommen. Entscheidend dafür ist dann der Lebensstil des Betroffenen. Der bedeutendste Faktor für die Entstehung von Typ-2-Diabetes ist Übergewicht und eine bestehende Fettleibigkeit. Mit zunehmendem Körpergewicht steigt das Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken, da Fettgewebe, insbesondere am Bauch, Botenstoffe ausschüttet, die eine Insulinresistenz fördern. Alleine durch eine gesunde Lebensweise könnte jeder zweite Patient mit Typ-2-Diabetes den Blutzucker bereits in den Griff bekommen.


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DR. MED STEFAN SCHANZ

Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Nephrologie und Dialyse am Kreisklinikum Siegen


Symptome oft unspezifisch

Typ-2-Diabetes bleibt oft lange Zeit unentdeckt und verursacht zunächst keine bemerkbaren Beschwerden. Häufig wird die Krankheit erst durch Folgeerkrankungen entdeckt, die das Ergebnis von Schäden an den Arterien und häufig auch den Nerven sind. Die Wahrscheinlichkeit, diabetesbedingte Folgekrankheiten zu entwickeln, ist bereits im Vorstadium erhöht, weshalb eine rechtzeitige Erkennung und Behandlung eines Typ-2-Diabetes auch so wichtig ist. Dennoch gibt es Anzeichen, die auf Diabetes hinweisen können, wie beispielsweise krankhaft starker Durst, häufiges Wasserlassen, starke Müdigkeit, Sehstörungen und Verwirrtheit. Diese Beschwerden sind jedoch sehr unspezifisch, da es eine Reihe möglicher Ursachen für sie gibt. Betroffene stellen daher oft gar keine Verbindung zu Diabetes her. Wer also eines oder mehrere dieser Symptome an sich feststellt, sollte unbedingt seinen Blutzuckerwert überprüfen lassen. Der Hausarzt kann oftmals schon mithilfe eines einfachen Blutzuckertests feststellen, ob die Diagnose Typ-2-Diabetes vorliegt.

Ein wichtiges Ziel bei der Therapie von Diabetes ist es, die Lebensqualität zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Die Behandlung erfolgt nach einem Stufenschema, bei der jede Stufe für drei bis sechs Monate angewendet wird. Diese Stufen reichen von einer Lebensstiländerung, gegebenenfalls mit einer Gewichtsreduktion, über eine Behandlung mit Medikamenten, bis hin zu einer Insulintherapie. Eine Insulinverabreichung ist allerdings in den meisten Fällen erst nach mehreren Erkrankungsjahren erforderlich. Wichtig ist zu wissen, dass jeder Mensch mit Typ-2-Diabetes entsprechend seiner individuellen Lebenssituation eine eigene Mischung an Maßnahmen benötigt. Für die richtige Behandlungsweise spielen Alter, Erkrankungsstadium, Körpergewicht, individuelle Risikofaktoren sowie Vorerkrankungen eine Rolle. Maßgebend für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch auch eine Veränderung bei alltäglichen Verhaltensweisen der Patienten.

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Wichtige Helfer: Bewegung und gesunde Ernährung

Der wichtigste Faktor bei der Prävention und Therapie eines Typ-2-Diabetes ist die richtige Ernährung. Da starkes Übergewicht zu den größten Risikofaktoren für die Entstehung von Typ-2-Diabetes zählt, kann eine Gewichtsreduktion dabei helfen, eine Insulinresistenz wieder zu bessern. Zum Teil ist Abnehmen sogar so wirksam wie die Einnahme von Tabletten. Die Gewichtsziele sollten dabei in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen, denn dieser kann Tipps zum richtigen Vorgehen geben. Wenn man den Regeln für eine vollwertige Kost folgt, können an Diabetes Erkrankte auch fast alles essen. Zucker und stark verarbeitete Kohlenhydrate, die sich in Weißmehl und Fertiggerichten wiederfinden, sollten trotzdem gemieden werden. Stattdessen kann auf Vollkornvarianten zurückgegriffen werden. Wichtig ist generell zu wissen, welche Bestandteile der Nahrung Einfluss auf den Blutzuckerspiegel haben und welche nicht. Allgemein ist das richtige Verhältnis der Lebensmittelgruppen zueinander von Bedeutsamkeit.

Außerdem ist Bewegung aus vielen Gründen fördernd: Zum einen verbessert sie die Insulinempfindlichkeit der Muskeln, weil diese mehr Zucker verbrennen, zum anderen wirkt sich Bewegung positiv auf den Blutdruck, die Blutfettwerte und das psychische Wohlbefinden aus. Langfristig kann so auch Folgekrankheiten entgegengewirkt werden. Doch auch in diesem Punkt ist eine Abklärung durch einen Arzt notwendig, da es für jeden Patienten ein individuelles Bewegungspensum gibt.

Typ-2-Diabetes lässt sich also durchaus vorbeugen, wenn man einen gesunden Lebensstil pflegt und sich an wenige Tipps – wie eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung sowie regelmäßige, ausreichende Bewegung – hält. +
     

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