Schlafstörungen lassen sich auf verschiedene Weise behandeln

Wenn die Nacht zum Albtraum wird


26.02.2021
Marien Kliniken

Fast jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie elementar wichtig ein gesunder Schlaf ist. Wenn man mal nicht gut oder zu kurz geschlafen hat, merkt man das sofort. Und obwohl das Schlafen sehr wichtig für die allgemeine Gesundheit ist, sind Schlafstörungen insgesamt noch nicht gut erforscht und die Ursachen vielfältig. Die Zahlen, wie häufig Schlafstörungen in der Bevölkerung vorkommen, schwanken – wie auch die Angaben in der Literatur: mal sind es sechs von 100 Menschen, die betroffen sind, mal jeder zweite Arbeitnehmer. Fakt ist: So oder so gibt es eine große Anzahl Betroffener.

Auch die Folgen von chronischen Schlafstörungen sind zahlreich. So kommen hier neben eher allgemeinen Symptomen wie Tagesmüdigkeit, Abgeschlagenheit, Unkonzentriertheit und Gereiztheit auch schwerwiegende Erkrankungen wie Trugwahrnehmungen, Depressionen, Suizidgedanken, Kardiovaskuläre Erkrankungen (zum Beispiel Bluthochdruck) und Diabetes vor. Oft kommt es auch zu einer Gewichtszunahme, jedoch ist hier die aktuelle Studienlage nicht eindeutig. Patienten mit chronischen Schlafstörungen werden häufiger krank geschrieben und es kommt zu mehr Unfällen am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr.

Ein schwaches Immunsystem ist oft die Folge

Kleinere Studien deuten auch darauf hin, dass Menschen mit chronischen Schafstörungen eine abgeschwächte Antikörperreaktion aufweisen, also häufiger Infekte bekommen. Wenn die Nacht zum Albtraum wird Schlafstörungen lassen sich auf verschiedene Weise behandeln Auch epigenetische Veränderungen, also Veränderungen in und an unseren Genen, lassen sich chronischem Schlafmangel zuordnen. Das heißt: Chronischer Schlafmangel kann weitreichende Folgen für die Gesundheit haben. Zu wenig und zu viel Schlaf können sich negativ auf die Lebenserwartung auswirken. Doch was ist ein gesunder Schlaf überhaupt?

Im Laufe der Zeit gab es dazu viele verschiedene Aussagen. Sicher ist, dass vier Stunden Schlaf – wie Napoleon behauptete – zu wenig sind. Allgemein kann man sagen, dass man ausreichend geschlafen hat, wenn man sich morgens gut erholt fühlt. In der Regel hat man dann zwischen sieben und acht Stunden geschlafen. Länger Schlafen hat keinen Vorteil. Dabei spielt es scheinbar keine ausschlaggebende Rolle, ob man Frühaufsteher oder Langschläfer ist, solange man auf seine ausreichende Schlafdauer kommt. Und am Rande sei erwähnt, dass man Schlaf zwar bedingt nachholen kann (so gab es mal die Angabe, dass man nach der Geburt eines Kindes sechs Jahre braucht, um das entstandene Schlafdefizit wieder aufzuholen), ein Vorschlafen aber nicht möglich ist.


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FABIAN SCHMIDT

Facharzt für Innere Medizin Praxis Dr. med. Klock Dr. med. Becher und F. Schmidt
Telefon: (0271) 83394
www.hausaerzte-siegen.de


Das hat in der Regel eine Nacht im Schlaflabor zur Beobachtung und ausführlichen Diagnostik (Polysomnographie) zur Folge. Auch kann man im ambulanten Rahmen auf Atemaussetzer und starkes Schnarchen testen (das sogenannte Schlafapnoe-Syndrom). Meistens reicht es jedoch den Schlafpartner zu fragen, um der Ursache auf die Spur zu kommen.

Therapie orientiert sich an den Ursachen

Wenn nun eine Schlafstörung diagnostiziert wird, sollte eine Therapie folgen. Diese orientiert sich an der diagnostizierten Ursache. Dabei kann es von der Zeitumstellung bis hin zu schwerwiegenden seelischen, neurologischen, psychiatrischen oder hormonellen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schmerzerkrankungen, Hauterkrankungen, Lungenerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen sehr viele Möglichkeiten geben. Vereinfacht gesagt muss zwischen organischen und nicht organischen Ursachen unterschieden werden.

Neben der Einhaltung der Schlafhygiene gibt es als Therapieansätze bei Schlafstörungen grob zwei Ansätze. Der erste Ansatz ist die kognitive Verhaltenstherapie, also ein Verfahren aus der Psychologie. Hierbei geht es zum Beispiel um die Stimuluskontrolle, also darum, herauszufinden, was das nächtliche Gedankenkarussell antreibt, oder darum, störende Verhaltensweisen zu ergründen. Ein anderes Verfahren ist die Schlafrestriktion. Hierbei soll der Schlafrhythmus wieder an normale Schlafzeiten angepasst werden. Dies sollte aber nur unter ärztlicher oder psychotherapeutischer Kontrollen erfolgen. Alternativ kann man hier auch erst einmal Camping ausprobieren.

Sollten diese Verfahren keinen Erfolg bringen, steht an dritter Stelle eine medikamentöse Therapie.

Dabei muss allerdings erwähnt werden, dass hierfür etwas Geduld erforderlich ist. Sowohl die Maßnahmen zur Schlafhygiene als auch verhaltenstherapeutische Verfahren brauchen ihre Zeit und müssen gegebenenfalls auch wiederholt werden.

Verschiedene Substanzen

Bei der medikamentösen Therapie gibt es sehr viele verschiedene Substanzen, die zum Einsatz kommen: angefangen bei homöopathischen und pflanzlichen Präparaten über Hormone und Antiallergika bis hin zu stark wirksamen Medikamenten aus dem Bereich der psychiatrischen Erkrankungen – wobei die Gruppe der sogenannten Benzodiazepine die bekanntesten und häufigsten sind (zum Beispiel Valium), da bei diesen die Wirksamkeit am ehesten belegt ist. Generell sollten Medikamente nur unter strenger Kontrolle und nicht länger als vier Wochen eingenommen werden.

Als letzte Alternative bleiben dann noch Interventionsmöglichkeiten wie Achtsamkeit, Akupunktur, Hypnotherapie, Lichttherapie, Massagen, Meditation, Musiktherapie, Öl, Reflexzonenmassage, Yoga, Tai Chi, Chi Gong. Für diese Methoden gibt es zwar keine Belege der Wirksamkeit, da sie aber in der Regel frei von Nebenwirkungen sind, spricht natürlich nichts dagegen, sie einfach mal auszuprobieren.

Zusammenfassend ist festhalten, dass eine Schlafstörung immer behandelt werden muss. Welche Methode dabei die richtige ist, sollte immer zusammen mit dem behandelten Arzt entschieden werden. +

REGELN ZUR SCHLAFHYGIENE

+ Nach dem Mittagessen keine koffeinhaltigen Getränke mehr trinken (zum Beispiel Kaffee, Tee, Cola oder Energydrinks)
+ Wenig – oder, noch besser keinen Alkohol vor dem Zubettgehen, kein Schlummertrunk, kein Feierabendbier
+ Abends nur leichte Mahlzeiten essen
+ Regelmäßige körperliche Aktivität, zum Beispiel Sport
+ Keine körperlichen oder geistig anstrengenden Aktivitäten vor dem Schlafengehen
+ Ein Schlafritual etablieren und für eine angenehme Schlafumgebung sorgen ( Schlafzimmer dunkel, nicht zu warm, zwischen 16 und 19 Grad Celsius)
+ Nicht auf die Uhr schauen, wenn man nicht einschlafen kann oder nachts wach wird
+ Nur ins Bett gehen, wenn man wirklich müde ist (Tipps: kein blaues, künstliches Licht, also kein Fernsehen, Smartphone oder Tablet, kein Rauchen oder Lesen im Bett)
+ Wer nicht einschlafen kann, sollte nach 15 Minuten spätestens nach 30 Minuten) wieder aufstehen und erst zurück ins Bett gehen, wenn man wieder schläfrig wird. Dieser Vorgang ist eventuell mehrmals zu wiederholen
+ Morgens immer zur selben Zeit aufstehen. Ein Schläfchen zwischendurch vermeiden

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